Frühling 2020 in der Emsaue: Kanadagänse brüten in den Nestern der Fischreiher

Aus der Geschichte der Weberstadt Freckenhorst:
Firma „Josef Kreimer“, Plüschweberei
von Mechtild Wolff

Josef Kreimer 1852 -193

Schon seit 300 Jahren finden sich Spuren der alten Weberfamilie Kreimer in Freckenhorst, die. auch als Verleger für handgewebtes Leinen tätig war. 1882 beendete Josef Kreimer das Verlagswesen und gründete eine Faktorei, zusammen mit Bäumker, Breede, Bröckelmann, Höckelmann und Zurwieden. Die Faktoren schufen große Arbeitsräume, in denen viele Weber Arbeit fanden und nach Länge und Qualität des Webstückes entlohnt wurden. In Freckenhorst klapperten bald 145 Webstühle. Viele Freckenhorster Handweber hatten sich auf die Herstellung von Plüsch spezialisiert, in der Regel den gewöhnlichen, einfarbigen Plüsch. Nur wenige besonders qualifizierte Weber stellten schon gemusterten Plüsch auf Jaquardwebstühlen her.

  

1894 stieg Josef Kreimer aus der Faktorei aus und gründet mit seinen Söhnen Theodor und Bernhard die Firma „Josef Kreimer“. Nun webte er ausschließlich Plüsch, damit war mehr Geld zu verdienen und auch die Weber konnten besser bezahlt werden. Bald aber erkannte Josef Kreimer, dass die Ära der Handweberei zu Ende ging. Auch die Gemeindeverwaltung und der Landrat beförderten durch Finanzanreize die Pläne zur Industrialisierung, um der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung entgegenzuwirken.


alte Heuveldopsche Mühle
Darum kaufte die Firma „Josef Kreimer“ 1906 die Heuveldopsche Mühle für 48.000 Mark. Hier hatte die Bandweberei H. B. Heuveldop die erste mechanische Weberei in Freckenhorst betrieben.
 

Die Firma „Josef Kreimer“ richtete eine Weberei mit mechanischen Webstühlen ein, die speziell für Plüsch konstruiert worden waren. Die 60 Webstühle brachte die Firma „Ww. P. Willemsen“ aus Mönchengladbach in die Firma „Josef Kreimer“ ein, damit wurde Willemsen Teilhaber. Es wurde für zehn Jahre vertraglich festgelegt, dass Kreimer die Räumlichkeiten und die Arbeitskräfte stellte und Willemsen die technische Ausrüstung.

Zur Beschaffung von Strom wurde eine Lokomobile betrieben. Sie stand in Schwichtenhövels alter Mühle, auf dem Gelände am heutigen Groneweg, das Heinrich Wolff gehörte.

Die 70 erfahrenen Plüschweber stellten nun den gemusterten Plüsch zu wesentlich niedrigeren Preisen tadellos her. Einen Namen machte sich die Firma

 „Josef Kreimer“ mit gemustertem Plüsch und Mokett, einem festen, hochwertigen Wollplüsch, meistens in weinrot, der damals auf fast jedem Sofa zu finden war. Sehr lukrativ war auch die Herstellung des so beliebten Blumenplüschs. Die Geschäfte liefen bestens.  

 

1913 schied der älteste Sohn Theodor aus der Firma seines Vaters Josef Kreimer aus und gründete am Groneweg in Schwichtenhövels Mühle die Firma „Theodor Kreimer“. Er produzierte wie sein Vater hauptsächlich Plüsch. Bernhard Kreimer wollte die Firma „Josef Kreimer“ auch nicht übernehmen. Er war kaufmännisch orientiert und arbeitete später viele Jahre lang als Vertreter in der Firma seines Bruders Theodor.

 

Da der Vertrag mit der Firma „Ww. P. Willemsen“ noch bis 1917 lief, blieb die Firma „Josef Kreimer“ bis dahin bestehen. Dann verkaufte Willemsen die 60 mechanischen Webstühle an die Firma Zurwieden, die damals auch noch zu den Plüschwebern gehörte.

Josef Kreimer war jetzt 66 Jahre alt und setzte sich zur Ruhe. Die Firma „Josef Kreimer“ wurde 1925 aus dem Handelsregister gelöscht.

Familie Josef und Anna Kreimer

 

Warendorf im Zeichen der Corona Epidemie: Geschäfte geschlossen, Einkaufsstraßen leer, keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen, manche Lebensmittel ausverkauft (20. 3. 2020)
Bilder von Wolfgang Reisner und Matthias M. Rinschen

Aus der Geschichte der Textilstadt Warendorf
Die Bandweberei H. B. Heuveldop - die erste mechanische Weberei in Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Seit 1865 betrieb Hermann Bernhard Heuveldop auf dem Drees Kamp, der heutigen Westkirchener Straße, in dem großen Fachwerkhaus eine Handweberei. Er stammte aus Emsdetten, wo die Familie Heuveldop auf eine lange Tradition als Juteweber zurückblicken konnte. In Freckenhorst waren Heuveldops auch im Verlagswesen erfolgreich tätig.

Hermann Bernhards Söhne Carl und Arnold besuchten die Höhere Weberschule in Elberfeld und lernten während ihrer Volontärjahre in verschiedenen Firmen das Weberhandwerk von der Pieke auf. Sie wurden kenntnisreiche, fortschrittlich denkende Weber. In Freckenhorst wollten sie eine Bandweberei einrichten und teilten dem Amtmann am 5. November 1898 mit, dass sie beabsichtigten, eine Weberei mit Dampfbetrieb zu errichten.

Am 3. Oktober 1899 bekamen sie die polizeiliche Genehmigung zur Aufstellung eines Dampfkessels, der ihnen von der Firma R. Wolff in Magdeburg geliefert wurde. Sie richteten in der alten Heuveldopschen Mühle eine mechanische Bandweberei nach neuesten Erkenntnissen ein - die erste mechanische Weberei in Freckenhorst. In der Bandweberei Heuveldop waren 13 Weber beschäftigt.

Aber die junge Firma stand unter keinem guten Stern. Schon im Jahr der Firmengründung verstarb der jüngere Bruder Arnold an einem Schlaganfall und im neuen Jahrhundert erkrankte Carl so schwer, dass er 1910 verstarb.

Schon 1906 hatte Carl Heuveldop den Betrieb für 48.000 Mark an Josef Kreimer verkauft, der hier die mechanische Plüschweberei „Josef Kreimer“ gründete.

 

Wie erging es den Auswanderern aus Freckenhorst in Amerika?
Ein weiteres  bewegendes Zeitdokument: Der Brief von Anna Seidel geb. Kreimer aus Illiniois 1893
von Mechtild Wolff

Marshall Ill. 12 May 1893

Lieber Bruder und Schwägerin!

Endlich nach langen 15 Jahren hast Du mal wieder von Dir hören lassen. Du hast jetzt auch schon viel durchgemacht, wenn Du 7 Kinder mit Deiner Frau gehabt und schon 4 davon verloren. Es freut uns sehr, daß es Dir jetzt gut geht und Dich so empor gearbeitet hast.

Sonntag war Bruder Heinrich bei uns und hat Deinen Brief gebracht. Da haben wir natürlich viel von der Heimat und von alten Zeiten gesprochen. Er wohnt nicht weit von uns und da besuchen wir uns fleißig. Es geht ihm auch gut, und er hat auch eine kleine Farm die er selbst bestellen thut. Auch hat er schon 3 Kinder gehabt, 2 Buben und 1 Mädchen, wovon 2 gestorben. Jetzt hat er noch einen Jungen, der ist jetzt 6 Jahre, und ein tüchtiger Kerl.

Schwester Trute wohnt noch in Clinton und hat sich diesen Winter verheirathet, einen feinen gebildeten Mann von 55 Jahren. Sie kommen diesen Sommer hier zum Besuch reisen dann nach Chickago zur Weltausstellung. Ihre 2 Kinder sind alle Beide verheiratet und haben gute tüchtige Männer.

Schwester Anna ist auch verheiratet, und hat einen guten Mann, und einen Buben von 7 Jahren. Sie wohnen nicht weit von Clinton.

Schwester Clara ist in einer Irrenanstalt und unheilbar, schon seit 10 Jahren. Sie hat ein Mädchen hinterlassen, welches ihr Mann gut erziehen läßt und ein tüchtiges Mädchen ist.

Und jetzt willst Du auch etwas von uns hören, wie es uns in der langen Zeit ergangen ist! Ich habe auch 6 Kinder gehabt, 3 Buben und 3 Mädchen, wovon 3 gestorben. Jetzt habe ich noch 2 Mädchen und einen Buben.

Die älteste Paula ist jetzt 15 Jahre und ist schon um eine Kopflänge größer als ich.

Die zweite Clara ist 10 Jahre, und Alfred der Junge ist 6 Jahre.

Wir haben 2 Pferde und fahren die Woche 2 bis 3 mal zur Stadt, mit Gartensachen. Unser Land haben wir immer noch verpachtet und ziehen blos Beeren-Obst, Erdbeeren, Himmbeeren, Brommelbeeren u.s.w. Mein Mann ist nicht recht stark und kräftig, da kann er nicht so schaffen, wie es sich auf einer Farm gehört.

Auch thun wir Wein machen und da haben wir Alle Arbeit mit die Weintrauben. Da können wir aber auch Wein trinken. Wenn Du nicht so weit wohnen thätest, dann könnten wir Dich immer ein Fäßchen schicken.

Wenn Du immer verreisen mußt, dann könntest Du auch Deine Reise einwenig verlängern und uns mal besuchen. Wir wären schon längst mal gern nach Deutschland gekommen, aber wenn man so ein Besitzthum hat, dann kann man nicht mehr wie man gerne möchte. Denn das Gut das haben nicht wir, nein es hat uns, und hält uns fest, wenn auch nicht mit unlöslichen Banden, so doch mit schwer zu lösenden Fesseln.

Wenn wir die nächste Zeit alle zur Stadt fahren, dann lassen wir ein Familienbild machen und schicken Dir eins. Nächstens schicke das Deine, wenn Du es doch schon fertig hast, damit ich Deine Frau und Deine Kinder kennen lerne. Schreibe auch gleich wieder, und recht viel Neues, denn in den langen Jahren ist doch gar manches verändert in der Heimat. Wenn ich jetzt nach dort käme würde ich mich sicher nicht mehr auskennen und fremd und verlassen würde ich mich vorkommen.

Und nun verehrte Frau Schwägerin auch einige Worte zu Ihnen!

Es war sich nicht schön von uns, daß wir Ihnen noch nicht einmal geschrieben. Aber ich hoffe wir werden jetzt das Versäumte nachholen und gute Freunde werden. Es hat uns sehr gefreut, daß Sie und Ihr kleines Söhnchen ein paar Zeilen mit beigelegt haben. Unseren herzlichen Dank dafür. Aber das nächste Mal müssen Sie einen ganz langen Brief schreiben, damit wir uns näher kennen lernen. Teilen Sie uns auch mit, was Sie alles betreiben, ob auch noch etwas Landwirtschaft betrieben wird in Freckenhorst.

Meine liebe Mutter hat immer so hart arbeiten müßen, und es thut mir immer noch leid, daß ich nicht mehr für sie gethan habe. Hoffentlich haben Sie es leichter, welches mich sehr freuen würde.

Also bitte schreiben Sie bald! Viele herzliche Grüße von Mann und Kindern und ganz besonders von Deiner liebenden Schwester und Schwägerin           Anna Seidel

 

 

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