Einladung zur Bürgerinformation über die Zukunft der Emsinsel am 19. 6. 2019
Was wollen die Investoren? Was wollen die Bürger?
Andere Städte erklären den Klimanotstand, in Warendorf sollen Grünflächen vernichtet werden!
Termin: 19. 6. 2019 um 19.00 Uhr
Ort: Emshof, Sassenberger Str. 39

 

  

Der AK Emsinsel zusammen mit dem Heimatverein lädt ein zur großen Bürgerinformation am 19. Juni 2019 um 19 Uhr im Emshof an der Sassenberger Straße.

Hier sollen die Ergebnisse der Bürgerbefragung vorgestellt und diskutiert werden, denn die große Frage ist ja;

Welches Gewicht haben die Bürgermeinungen?

Kann der Investor seine Vorstellungen, hier intensive Wohnbebauung zu verwirklichen, trotzdem durchsetzen?

Ist es zu vertreten, daß in Warendorf Grünflächen und gesunder, alter Baumbestand vernichtet werden, während andere Städte (Münster!) den Klimanotstand erklären?

Unsere Politiker müssen die Frage entscheiden, ob sie dem ganz offensichtlichen Wunsch der Bürger, die Industriebrache für attraktive Freizeitangebote für die Warendorfer Bürger zu nutzen, nachkommen wollen, oder ob sie die Wünsche des Investors erfüllen wollen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie alles  für den Schutz des Klimas tun oder ob sie die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzen wollen.

Diese Fragen wollen wir am 19. Juni im Emshof mit möglichst vielen Bürgern bei einer öffentlichen Verstaltung diskutieren. Bringen Sie sich aktiv in die Diskussion ein, denn jetzt werden wichtige Weichen gestellt.

  

Information der CDU für die Bürger über Planungsvorhaben der Stadt
von Wolfgang Reisner (14. 6. 2019)

Die Warendorfer CDU-Ortsunion hatte zu einer Radtour eingeladen. Besucht werden sollten dabei neue Planungen der Stadt Warendorf, die jetzt in Angriff genommen werden. Wohl bewusst waren bei der Auswahl der Ziele in der Bürgerschaft umstrittene Planungen wie die künftige Nutzung der Emsinsel (Brinkhaus-Brache) oder die Fernstraße B 64 n ausgeklammert worden. Es waren sicher über 140 Personen erschienen, vor allem Jugendliche von „Fridays for Future Warendorf“ und Mitglieder von Bürgerinitiativen gegen die B 64 n, teilweise auch aus Beelen.

Die Organisatoren, Stefan Hölzle und Dirk Schellhammer, moderierten und gaben immer wieder dem „lieben Axel“  (Bürgermeister Linke) das Wort zu Erläuterungen. Gestartet wurde am Emskolk gegenüber dem Haus Kolkstiege 1. Es ging zunächst zu dem künftigen Baugebiet „In de Brinke“ (s. Plan). Bürgermeister Axel Linke hob die vorgesehene klimafreundliche Wärmeversorgung des Baugebietes hervor. Durch ein Umlegungsverfahren befindet sich jetzt ein Teil der Bauflächen in der Hand der Stadt. Gleichzeitig wurden bei diesem Verfahren alle Flächen, die für die Weiterführung der Stadtstraße Nord einschließlich der Brücke über die Ems mit Anschluss an den Hellegraben benötigt werden, der Stadt übertragen. Als Namen für die Straßen in dem neuen Baugebiet hat der Kulturausschuss am 7.3.2019 etwas einfallslos beschlossen, Bäume zu wählen – Eichenweg, Buchenweg, Ahornweg pp. . Der Heimatverein hatte der Stadt historische Flurbezeichnungen als Straßennamen  vorgeschlagen. Dem wurde aber nicht gefolgt.

 

 
Wo heute noch Mais und Roggen wachsen entstehen bald neue Wohngebäude

 

Den nächsten Informationspunkt bildete die Infostele am Emsauenradweg nördlich der Fischerstraße. Bürgermeister Linke stellte die dortige Verlegung der Ems vor, die er als grandioses Projekt bezeichnete. Aufgrund der Wasserrahmen-Richtlinie der EG sollen die Flüsse natürlicher verlaufen und für Wanderfische wie Lachse durchgängig sein. Im Stadtgebiet von Warendorf sollen nach der vor einigen Jahren erfolgten Renaturierung der Ems in Einen zwei weitere Abschnitte der Ems verlegt werden. Zum einen der hier aufgesuchte Bereich westlich der André-Marie-Brücke und dann die Umleitung der Ems durch den Emsseepark und durch den Emssee und über den Lohwall bis zur André-Marie-Brücke. Auf diesen in der Bürgerschaft umstrittenen Abschnitt wurde nur indirekt eingegangen, indem man sagte, dass von einer Fischtreppe am HOT abgesehen worden sei, weil bei dieser Treppe zwar die Fische in den Oberlauf der Ems kommen könnten nicht aber die Kleinlebewesen.

Von dort ging es zur Katzheide zu dem neuen Gewerbegebiet westlich des Verwaltungsgebäudes der Firma Sanitop. Hier wird eine Firma Aventus mit zunächst 130 Arbeitsplätzen angesiedelt. Die Erschließungsmaßnahmen haben gerade begonnen. Etwas unglücklich agierte in der Diskussion der Bürgermeister auf die Frage eines Jugendlichen, ob die Weiterführung der Stadtstraße Nord und die  B 64 n gebraucht würden, um Arbeitskräfte zur Firma  Aventus zu bringen.
 Die B 64 n  sei nicht seine Baustelle, dafür sei Straßen NRW zuständig, beschied er den Fragenden.  Den Abschluss der Radtour bildete das Stadtstadion, wo die Stelle für den  vorgesehenen Kunstrasenplatz und die im Bau befindlichen Umkleidegebäude gezeigt wurden.

 

De leste Krinknommdag fö de Summerferien
von Baas Franz Schulze Nahrup

De Baas, Franz Schulze Nahrup, konn to den Juninommdag bolle diärtig Lüe int Kolpinghuus begrüßen. Fief Vüödriägers wassen dao un harren sick gurt fö de annerthalf Stunnen präpareet. Met dat Leed „ Urse Warnduorp“ gongt in t Programm.

Mathilde Kempkes wuss wat  üöwe den Kuckuk in de Unners. Auk dat Aobendgewitter kam von üöhr.  „ De kleine Blag moss all met Prossion de an denn Buenhoff vvöbie gong. Auk dat Jans ut Sassenbiärg in Mönster so Bescheid wuss kam von Josef Bussmann. Nen lustiget Vetellsel von de Lüninge kam von Roswitha Wienströer un auk de Waohrheiten von August graute Bounenkamp kammen von üör. Tüschkendüör wuor dann derbe sungen bie dat Leed: To, du junge Pättkesmann“…Helmut Brokamp kam met twee Vetellsels „ De Bue lag met de Magd int Hei“ un „ Jans und Phillipp harren sick vetönt. Frieen und Heien is oft ümsüss, daorüöwe wuss Heinz Beckhove allerhand to vetelln. Dat iärste Gemöse wat ut den Gaorn uppen Dischk kam was oft: Graute Baunen met Speck“. Wiede gongt met de Leeder, „Dat Laiwen brengt vierl Fraid“ und „ Luster well kümp dao harin“. Üöwe de Lüninge(Spatzen) wuor nao allerhand vetellt, well dat de fröher üöwerhand nuormen. De Kinner mossen up de hauge Ledder kleien und in de Schüren de Spatzennester utniermen, well dat de süss tevierl int Korn scheten. Met „Plattdütsk is so fien, jederene is debie“ wuor Schluss market. De neichste Krinknommdag is dann wiee an,n 18. September. Gurt gaohn.

Bericht über die Bürgerinformation zur künftigen Nutzung der Emsinsel am Samstag, den 12. 5. 2019
von Wolfgang Reisner


Wünsche der Warendorfer Bürger

            

Die Entscheidung über die künftige Nutzung der Emsinsel, der Industriebrache Brinkhaus, steht an. Nach der Verlagerung der Produktion nach Kostrzyn in Polen im Jahre  2004  und dem späteren Konkurs der Firma Brinkhaus ist die  4,2  ha große Fläche, nachdem sie lange in der Hand des Konkursverwalters war, jetzt vom Steinfurter Bauunternehmer Arning erworben worden. Verschiedene Vorschläge zur künftigen Nutzung dieses „Filetstückes“ der Stadt Warendorf wurden in den vergangenen Jahren geäußert. Eine von der Stadt ausgerichtete Planerwerkstatt mit drei Architekturbüros brachte unterschiedliche Pläne für eine mehr oder weniger dichte Wohnbebauung. Ein von der Stadt vorgeschlagener Gutachter, der von der Bövingloh-Immobilien GmbH, die damals ein Vorkaufsrecht für die Fläche besaß,  bezahlt wurde, kam 2014 zu dem Ergebnis, dass 5.400 Quadratmeter Gewerbefläche (Supermarkt, Boutiquen, Café mit Emsterrassen) verträglich für den Einzelhandel in der Altstadt seien.  Die CDU-Ratsfraktion  befürwortete  damals zumindest 3.000 Quadratmeter Gewerbefläche und zusätzliche Wohnbebauung.

 

 


Eines der vielen Schaubilder, die zur Bürgerinformation gezeigt wurden, hier mit Darstellung der teilweisen             Verlegung der Ems durch den Emsseepark, den Emssee und über die Linnenwiese.

Im Jahre  2011 bewarb sich auf Anstoß aus der Bürgerschaft, unter anderem auf Antrag des Heimatvereins, die Stadt Warendorf  um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2017. Dabei sollte eine renaturierte Industriebrache Brinkhaus das Kernstück bilden. Die Bewerbung scheiterte vor allem daran, dass die Stadt die Fläche nicht erwarb.

In einem Arbeitskreis Neue Emsinsel erarbeiteten u.a.  Heimatverein  Warendorf,  Kneippverein Warendorf, Altstadtfreunde Warendorf, NABU (Naturschutzbund Deutschland) – Kreisverband Warendorf, BUND – Kreisgruppe Warendorf und die Textilgruppe der ehemaligen Brinkhäuser Vorschläge für eine künftige Nutzung der Emsinsel, die auf einen Erhalt der historischen Bausubstanz und wegen des alten Baumbestandes im Osten der Betriebsfläche auf eine Erweiterung des Emsparks hinausliefen.

Vor der Bürgerinformation am Samstag, 11.5., hatten im Rahmen des von der Stadt betriebenen Werkstatt- und Moderationsverfahren alle betroffenen Institutionen von der Wohnungsbaugenossenschaft Warendorf, dem NABU Kreisverband Warendorf, dem Heimatverein Warendorf, dem Caritasverband, dem Kneippverein Warendorf, den Altstadtfreunden Warendorf bis zur Jury für den Altstadtfonds (für die Interessen von Eltern und Migranten in der Altstadt), dem Arbeitskreis Neue Emsinsel, der BUND Kreisgruppe Warendorf, Wiwa (Wirtschaft für Warendorf) und einem Verein für Freizeitservice und Jugendarbeit (VFJ) Gelegenheit, ihre Auffassungen darzulegen.

In der anschließend auf 90 Minuten angesetzten Bürgerinformation präsentierten die von der Stadt beauftragten zwei Planungsbüros  zunächst die Ergebnisse der „Öffentlichkeitsbeteiligung“, bei der 1.472 Bürger vorgedruckte Postkarten ausgefüllt und noch einmal 1.296 Bürger online ihre Vorstellungen geäußert hatten. Das entspräche fast 10 v.H. der Warendorfer Bevölkerung, wenn man davon ausgeht, dass jeder Bürger nur einmal geantwortet hat. Es wurde betont, dass dies eine nicht repräsentative Bürgerbefragung gewesen sei. Nach einem Schaubild über die geäußerten Meinungen  entfielen die meisten Vorstellungen der Bürger auf die Bereiche Stadtpark und Natur, Schaffung einer Uferpromenade, Ansiedlung von Gastronomie und Sport und Erlebnis-Freizeit. Trotz dieser deutlichen Präferenz der Bürgerschaft trugen die Planer an erster Stelle die Erweiterung des zentralen Versorgungsbereichs Altstadt, dann die Schaffung eines zentrumsnahen Wohnviertels  und Nutzungsmischung mit Wohnen in unterschiedlichen Ausprägungen vor.  Erst an vierter Stelle kam ein Bürgerpark mit öffentlich zugänglichen Nutzungen in historischen Gebäuden. In der kurzen Diskussion wurde auf die Frage nach den Vorstellungen des Eigentümers/Investors nichts Konkretes vorgelegt. Es wurde nur darauf hingewiesen, dass es ein Glücksfall sei, dass die Fläche ein Mensch erworben habe, der an einer am Gemeinwohl orientierten Nutzung interessiert sei, und nicht von einem Hedgefonds. Man räumte allerdings ein, dass der Eigentümer natürlich  seinen Wert aus dem Boden ziehen wolle.  Ähnlich äußerte sich der CDU-Ratsherr Schäpermeier.

Mehrfach wurde von den Planern betont, dass jede Lösung immer noch besser sei, als der jetzige Zustand. Auf Beifall  aus dem Saal stieß die Aussage von Herrn Hoffschröer von einem der Planungsbüros, dass man bei den möglichen Szenarien für eine künftige Nutzung großflächigen Einzelhandel bereits jetzt ausschließe.  Aussagen von Teilnehmern der Diskussion, die sich gegen eine Wohnbebauung aussprachen, wurden ebenfalls mit Beifall einer großen Mehrheit der Anwesenden unterstützt. Sowohl die Frage, was von den historischen Fabrikhallen  mit ihren Sheddächern erhaltenswert sei als auch ein Szenarium, das das Thema „Grün“ beleuchte, sollen von den Planungsbüros noch kritisch untersucht werden. Die Erhaltung des vorhandenen alten Baumbestandes im Osten der Industriebrachefand Zustimmung bei den Teilnehmern.

 

 

Neu:
Die Textilverleger in Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Als die Freckenhorster noch in erster Linie von der Landwirtschaft lebten und nur gelegentlich Leinen-ballen auf dem Markt verkauften, mussten sie oft zu Fuß bis nach Münster laufen, um dort bessere Preise zu erzielen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Beruf des Webers. 1809 wurden in Freckenhorst 219 Handweber registriert. Diese Weber hatten zwar noch Landwirtschaft, die Erträge aus der Weberei wurden aber immer wichtiger. Je mehr man webte, umso besser konnte die Familie versorgt werden. Deshalb ließen die meisten Weber ihre Webwaren durch einen Leinenhändler verkaufen, den man Verleger nannte. Diese Textilverleger verkauften die Ware schneller und erzielten auch bessere Preise. Sie verdienten am Handel recht gut, darum waren sie bestrebt, die Weber an sich binden, indem sie ihnen das benötigte Garn zur Verfügung stellten und ihnen bei Bedarf auch Vorschüsse zahlten. Gute Garnzuteilungen hatten außerdem den Vorteil, dass die Webwaren eine gleichmäßige Qualität hatten. Diese Leinwand brachten die Verleger dann zu ihren Kunden bis ins Ruhrgebiet, an die Nordsee und nach Holland. Zuerst gingen die Tuchhändler zu Fuß, so, wie es die Tödden aus der Gegend von Mettingen taten. Waren sie aber wohlhabender geworden, kauften sie Pferd und Wagen. Das war aber bei den wenigsten Leinenhändlern im ländlichen Raum der Fall.

Schon seit 1700 wird von dem Linnentuchmacher, Tuchmacher und späteren Leinen- und Plüschweber Zurwieden berichtet. 1814 gehörte er zu den wenigen Webern, die zwei Handwebstühle besaßen und als Verleger tätig waren. Eine andere Verlegerfamilie in Freckenhorst war die Familie Heuveldop, die in ihrem großen Fachwerkhaus mitten im Dorf die Leinen- und Nesselballen lagerte, um sie dann zu verkaufen. Die Garne stellte auch Heuveldop den Webern zur Verfügung. Später wurde in diesem Haus eine Faktorei eingerichtet, wo mehrere Weber im Lohn arbeiteten. Im Nebenhaus betrieb die Ehefrau einen Gemischtwarenladen, in dem Textilien verkauft wurden, aber auch Lebensmittel und Brandwein.

 

Leserbrief zur Bebauung des Brinkhaus-Geländes
von Mechtild Wolff (1. 5. 2019)

Können Sie sich vorstellen, dass die Stadtväter und Mütter von London einen Teil des Hyde-Parks verkaufen, um stadtnahen Wohnraum zu schaffen oder dass die Stadt New York Grundstücke im Central-Park verkauft, um dort ein Bürohochhaus zu errichten? Selbst als die Stadt New York pleite war, wäre das nie in Frage gekommen, denn jeder Verantwortliche weiß, wie wichtig stadtnahe Grünanlagen für die Bürger sind.

Nur in Warendorf ist das anders! Unsere Verwaltung und die Mehrheit unseres Rates lehnen den Kauf des Brinkhaus-Geländes ab - aus finanziellen Gründen, wie sie sagen. Nur glauben kann das niemand, denn es gibt bis zu 80% Zuschüsse für die Neugestaltung einer Industriebrache. Kein Wunder, dass die Gerüchte über die wahren Gründe ins Kraut schießen!

Warum wäre die bürgerfreundliche und naturnahe Gestaltung der Emsinsel so wichtig für Warendorf? Die Gebäude der Firma Brinkhaus bilden heute einen Pfropf in der durchweg grünen Emsaue und sind eine Barriere im Zugang zum Emspark. Eine kluge Stadtplanung würde sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen, den Emspark hier zu öffnen und auf dem neu erworbenen Gelände attraktive  Freizeitmöglichkeiten auch für Jung und Alt zu schaffen. So könnte Warendorf mal wieder einen „Pusch“ bekommen, den es dringend nötig hätte.

Aber „April, April“, die Stadtverantwortlichen werden Wohnbebauung, ja vielleicht sogar gewerbliche Bebauung genehmigen, und das möglichst hoch und möglichst eng aneinander - nur so kann der Investor Geld verdienen. Die „Neue Ems“ wird durch den Emspark geleitet und sorgt für Hochwasserschutz im neuen Baugebiet - alles prima vorbereitet.

Die Bürger gucken in die Röhre, der Traum von einer Attraktivierung des Emsparks ist dann ausgeträumt - die Emsinsel ist eben doch nicht für alle da.