Unsere Bürgermeister

Eine für Warendorf sehr wichtige Entscheidung steht uns bevor: Im September wird auch in Warendorf der Bürgermeister für die nächsten fünf Jahre von den Bürgern direkt gewählt. Drei Kandidaten stehen zur Auswahl - es wird sehr spannend werden. Wir alle hoffen auf eine gute Entscheidung für unser Städtchen.

Wer hat denn in der Vergangenheit das Bürgermeisteramt inne gehabt und dadurch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Stadt gehabt? Was haben diese Bürgermeister geleistet und wie haben sie zum Wohle der Bürger gedient?

An die Bürgermeister der letzten Jahrzehnte werden sich noch viele erinnern, darum möchte ich hier an Amtsträger aus länger zurückliegenden Zeiten erinnern und versuchen, die besonderen Herausforderungen ihrer Zeit zu beleuchten.

Viel Lesespaß wünscht Ihnen

Mechtild Wolff

Vorsitzende des Heimatvereins Warendorf e.V.

Bürgermeister Dr. jur. Heinz Kreuzer 1889-1952
Bürgermeister vom 1932-1934
Vorgänger: Rudolph Isphording 1924-1932; Nachfolger: GeorgTewes 1934-1938
von Mechtild Woff

Am 27. Juni 1932 wurde Dr. Heinz Kreuzer als Warendorfer Bürgermeister in sein Amt eingeführt. Er wurde von der Zentrumsmehrheit gewählt. Dass Deutschland in einem halben Jahr ganz anders aussehen würde, damit hatte er sicher nicht gerechnet.

 

 

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.1.1933 begann der Weg in die NS-Diktatur. In Warendorf erreichte die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 nur eine marginale Bedeutung. Am Wahltag mussten sich die lokalen NS-Anhänger mit dem Hissen der Fahne im Elektrizitätswerk am Mühlenkolk begnügen, dessen Betriebsleiter mit der Partei sympathisierte. Das änderte sich aber schnell, als der dem Zentrum angehörende Oberpräsident Gronowski in Münster abgesetzt wurde, die Parteiversammlungen der SPD verboten wurden und der Landrat den Warendorfer Bürgermeister Dr. Kreuzer anwies, alle Plakate, Zeitungen und Schriften der SPD zu beschlagnahmen. Jeder merkte, die Nationalsozialisten verloren keine Zeit. Schon am 24. März 1933 setzte das Ermächtigungsgesetz, das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“,  auch in der Emsstadt alle Grundrechte außer Kraft. Schnell wurden SA-Leute als Hilfspolizisten „zum Schutz der öffentlichen Sicherheit vor kommunistischen Kräften“ rekrutiert. Allein in Warendorf waren 40 SA-Angehörige im Dienst, obwohl es hier kaum Kommunisten gab. Bald wurde klar, dass nicht nur die Kommunisten, sondern jeder, der sich gegen das NS-Regime aussprach, gefährdet war.

 

27. Juni 1932
Wahl von Bürgermeister Dr. Heinz Kreuzer, Stadtverordnetenvorsteher Franz Bernhard und
Stadtverordneter Hausmann
,

 

  

Aber die Warendorfer ließen sich nicht so schnell einschüchtern. Bei den Gemeinderatswahlen am 12. März 1933 wurden nur vier Abgeordnete der NSDAP gewählt, während das Zentrum elf Mandatsträger bekam, zu denen auch die Zentrumsabgeordneten Clara Schmidt, Josef Heinermann und Elisabeth Schwerbrock, sowie die Arbeiterzentrums-Abgeordneten Heinrich Schallück und August vor der Landwehr gehörten. Die SPD war gar nicht mehr vertreten, weil durch die erstmalige Kandidatur der KPD das linke Lager zersplittert war.

Nun begannen schwere Zeiten für Bürgermeister Dr. Kreuzer, denn er war ein überzeugter Zentrumsmann. Als Erstes setzten die lokalen Nationalsozialisten durch, dass ein NSDAP-Getreuer zum Beigeordneten bestimmt wurde. Das entsprach überhaupt nicht dem Wählerwillen, aber das spielte schon keine Rolle mehr. Dem Zentrum wurde immer mehr der Boden unter den Füßen weggezogen, nicht zuletzt durch das Ermächtigungsgesetz, dem das Zentrum auf Reichsebene zugestimmt hatte. Am 5. Juli 1933 löste sich die Zentrums-Partei dann auf. Die gewählten Abgeordneten hätten in der Gemeindeversammlung bleiben können, aber nur noch mit beratender Funktion. Das wollten die Warendorfer Zentrumsabgeordneten nicht, darum legten sie ihr Mandat nieder. Sie wollten nicht zu „Nickköppern“ der NSDAP werden.

 


Bürgermeister Kreuzer entschied sich für den anderen Weg, er versuchte sich zu arrangieren. Darum wurde er vorerst nicht durch einen linientreuen Funktionär ersetzt. Er hielt flammende Reden, die sich den völkischen Zielen der Nationalsozilisten anschlossen. War es Selbsterhaltungstrieb, war es Überzeugung? Das ist heute schwer zu sagen. Richtig ist, dass alle, die sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen ließen, schwere Diffamierung ertragen mussten, wie z.B. der Ortsvorsitzende der SPD, der Zigarrenmacher Gerhard Hansen. Er wurde unter Polizeiaufsicht gestellt und musste sich jeden Tag auf der Wache melden. Hätten mehr Bürger solch eine eindeutige Position bezogen, wohl wissend, welchen Repressalien sie dann ausgesetzt werden, hätte sich die Diktatur nicht so schnell etablieren können. Aber die wenigsten Menschen sind zu Helden geboren. Wie definierte es der große George Orwell: Am schwierigsten ist es, just das zu erkennen, was sich unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze befindet!

Bürgermeister Dr. Kreuzer sah sich als Bürgermeister nach der damaligen Gemeindeordnung erstrangig dem Staat verpflichtet. So rief er schon am 1. Mai 1933 mit markigen Worten zur Maikundgebung als Bekenntnis zum Führer auf. In SA-Uniform hatte er das Kommando, obwohl dies traditionell der Feiertag der Arbeiterbewegung war. Am Rathaus hingen neben der Stadtfahne die roten Hakenkreuzfahnen, an den Häusern dominierten aber noch die rot/weißen Kirchenfahnen. Die Entwicklung ging aber rasch voran, schon unter seinem Nachfolger hingen 1935 Hakenkreuzfahnen an Mariä Himmelfahrtsbögen. Das ist nicht verwunderlich, denn nur, wer sich dem NS-Regime bedingungslos unterordnete, hatte eine Chance auf berufliches Fortkommen, das galt für Lehrer, Schulleiter, Kaufleute und genauso für Beamte und für den Bürgermeister.

Dr. Kreuzer ließ nichts unversucht, verlieh sogar dem Nationalsozialisten Hermann Göring die Ehrenbürgerschaft der Stadt Warendorf, aber all das reichte nicht, um ihn im Amt zu halten. Er war eben doch nur ein Zentrumsmann, der sich mit dem NS-Regime zu arrangieren versuchte. Der Versuch Kreuzers, sich dem sich etablierenden NS-Regime anzupassen ist rückblickend betrachtet gescheitert. Im Gegensatz zu seinen Zielen war er als Zentrumsmann für die NSDAP in Warendorf ein Türöffner in bürgerliche Kreise.

Ende Mai 1934 wurde Dr. Kreuzer seines Amtes enthoben und als Trostpflaster ernannte man ihn zum Amtsbürgermeister des kleinen Amtes Bork im Kreis Lüdinghausen, eine eindeutige Degradierung. In das Bürgermeisterhaus an der Wallpromenade 6 (heute Ostwall 7) zog nun sein Nachfolger Bürgermeister Lorenz Tewes (1934 bis 1938), der schon seit 1932 NSDAP-Mitglied war.

 

 

Quellen: Jürgen Goyny: Warendorf in der NS-Zeit (1933-1945)

              in: Geschichte der Stadt Warendorf Band II

Bilder:    Bildarchiv der Stadt Warendorf

              Bildarchiv der Altstadtfreunde

 

Mechtild Wolff 2019

 

 

Kaufmann Johann Kaspar Schnösenberg (1786-1826)
Bürgermeister von 1813-1826
von Mechtild Wolff

Bis 1836 galt die französisch-bergische Munizipal-Verfassung mit einem Bürgermeister und zwei Beigeordneten an der Spitze der Stadtverwaltung. Das Bürgermeisteramt war ehrenamtlich, der Bürgermeister erhielt kein Gehalt, aber eine Aufwandsentschädigung von 800 Talern für Bürokosten. Die damaligen Bürgermeister waren in den meisten Fällen Kaufleute, die aber vorher schon Erfahrungen im Magistrat gesammelt hatten. Erst 1868 kam mit Bürgermeister Diederich ein ausgebildeter Verwaltungsfachmann in das Amt.

Johann Kasper Schnösenberg (1786-1826) war der Sohn eines Warendorfer Bäckers, Brauers und Gastwirts, auch Wirtschafter genannt. Seine Familie führte das wohlrenommierte Hotel Schnösenberg mit Gaststätte und großem Festsaal an der Münsterstraße. Johann Kasper hatte das „Laurentianische Gymnasium“ der Franziskaner in Warendorf besucht, war mehrfach ausgezeichnet worden.  Dort hatte er das nötige Rüstzeug für das Bürgermeisteramt bekommen, das er 1813 im Alter von 27 Jahren übernahm. Leider befand sich sein Gymnasium im Niedergang und Schnösenberg sah eine seiner ersten Aufgaben darin, „die Wiederherstellung des Laurentianischen Gymnasii“ zu betreiben, von dem „der Flor der Stadt und die Bildung der Jugend“ abhing, so hatte er der Münsterischen Behörde geschrieben. Der Oberpräsidenten von Vincke förderte die Bestrebungen Schnösenbergs, so dass er am 1. Mai 1820 die Wiedererrichtung des Laurentianum als „Höhere Bürgerschule“ im neuhumanistischen Geist bekannt geben konnte.

  

 

Bürgermeister Schnösenberg war auch sehr auf ein schönes Stadtbild bedacht. Darum nutzte er 1823 seine guten Beziehungen zum Preußischen König Friedrich Wilhelm III. und bat ihn, der Stadt Warendorf die alte Toranlage der Zisterzienserabtei Marienfeld zu schenken. Diese Toranlage hatte bis 1803 an der Zisterzienserabtei gestanden und war im Zuge der Bilderstürmerei der Säkularisierung in Ungnade gefallen. Die prächtigen Sandsteinsäulen gehörten nun dem Staat und wurden abgerissen, aber Gott Dank nicht zerstört, sondern eingelagert. Davon bekam Bürgermeister Schnösenberg Kenntnis und dank seiner guten Beziehungen zum Preußischen König konnte er das Tor nach Warendorf holen. Seit fast 200 Jahren zieren die Torpfeiler den westlichen Stadteingang. Nur das Münstertor vermittelt den Bürgern und unseren Besuchern, dass hier eine historische Altstadt beginnt - ein bis heute schön gestalteter Stadteingang.

Schnösenberg wurde ein sehr tüchtiger Bürgermeister und bekam in Anerkennung seiner Verdienste 1824 eine Zulage von 100 Talern zugesprochen, die aus dem städtischen Kommunalfonds gezahlt wurde. Damit wurde der Warendorfer Bürgermeister der höchstbesoldete Kommunalbeamte im Regierungsbezirk Münster. 1826 starb Bürgermeister Johann Kaspar Schösenberg mit nur 40 Jahren. Die Stadt Warendorf verlor allzu früh einen allseits beliebten und geschätzten Bürgermeister.

Mechtild Wolff   2019

Bürgermeister Wilhelm Diederich 1834-1910
Bürgermeister in Warendorf 1868-1904
Vorgänger: Franz Josef Zumloh 1856-1868
Nachfolger: Hugo Ewringmann  1904-1925
von Mechtild Wolff

Wilhelm Diederich war 35 Jahre lang, von 1868-1904 ein tüchtiger und beliebter Bürgermeister in Warendorf. Er war der erste Verwaltungsfachmann in dem damals noch kleinen Landstädtchen. Seine Vorgänger waren honorige Kaufleute gewesen, die das Amt ehrenamtlich ausübten.

 Wilhelm Diederich war schon bei seinem Amtsantritt ein erfahrener Verwaltungsleiter, der vorher Stadtsekretär in Altena und Bürgermeister in Ahlen gewesen war. Nun professionalisierte er auch die Warendorfer Verwaltung. Bei seinem Amtsantritt 1868 fand der neue Bürgermeister in der Stadtverwaltung einen Sekretär und einen gelegentlichen Schreiber, der im Hauptberuf Friseur war, vor. Am Ende seiner Amtszeit verfügte die Stadtverwaltung über vier Beamte und zwei Polizeibeamte, die auch gelegentlich zu Verwaltungstätigkeiten hinzugezogen wurden. Außerdem gab es zwei Nachtwächter.

Bürgermeister Diederich
 als Präses des
 Bürgerschützenverein

 Seine Zeit als Bürgermeister war eine Umbruchszeit. In Warendorf war 1861 die erste mechanische Weberei „Brinkhaus und Wiemann“ begründet worden, damit war auch in dem kleinen Weberstädtchen das Industriezeitalter angekommen. Die hier entstandenen Arbeitsplätze zogen viele Arbeitssuchende an, aber auch vagabundierende Wohnungslose, die ein großes Problem für solch eine kleine Stadt darstellten. Viele Einwohner waren auch nur vorübergehend hier, wie z.B. die Studenten des Lehrerseminars und die große Zahl der auswärtigen Schüler am Laurentianum, die als sogenannte Kost-gänger in Warendorfer Familien lebten. Die größte Gruppe stellte aber das Militär. Die Soldaten mussten auf Staatskosten in Privathaushalten einquartiert und verköstigt werden.

 

Die Bevölkerung merkte schnell, dass ihr tüchtiger Bürgermeister Diederich die vielfältigen Aufgaben zum Wohle der Stadt erledigte. Darum wählten sie ihn 1881 und 1893 jeweils für eine Amtszeit von 12 Jahren wieder. Lange hatte Bürgermeister Diederich zusammen mit dem Fabrikanten Brinkhaus für einen Bahnanschluss in Warendorf gekämpft. Als 1887 die Bahnstrecke Münster-Warendorf-Rheda eröffnet wurde, bekam auch das Weberstädtchen Warendorf endlich Anschluss an die große, weite Welt. 1902 baute die Westfälische Landeseisenbahn die Bahnstrecke von Warendorf über Freckenhorst und Ennigerloh nach Neubeckum. Welch ein Fortschritt.

 

1904 Bürgermeister Diederich mit dem Rat der Stadt

 

1904 schied Wilhelm Diederich im Alter von 70 Jahren aus dem Dienst aus, lebte aber weiterhin in Warendorf und verstarb am 11. Dezember 1910. 

Sein Nachfolger, Bürgermeister Hugo Ewringmann,  zeichnete ihn bei seinem Tode mit einem Ehrengrab aus. Hier wurden auch seine Frau Emilie geb. Vahle (1831-1914) und seine Tochter Ida (1864-1941) bestattet.  

Noch heute erinnert die „Diederich-Straße“ an den klugen Bürgermeister von Warendorf.

 

Grabstelle Lepper 03
Ehrengrab für Bürgermeister Diederich Grabplatte für Bürgermeister Diederich

 

Die Grabplatte für Bürgermeister Wilhelm Diederich

 Viele Jahre lang erinnerte auf seinem Ehrengrab kein Grabdenkmal an den ehemaligen Bürgermeister Wilhelm Diederich.

Wie konnte das geschehen?

In den 1970er Jahren wurde das Grab aufgelöst und eingeebnet, bedauerlicherweise. Als 1979 der verdiente Stadtrendant Theodor Lepper verstarb, übernahm die Familie Lepper das Ehrengrab des Bürgermeisters Wilhelm Diederich. Auf dem Grabschild stand nun „Familie Lepper“. Die Gruft mit seinem einzigartigen Jugendstil-Gitter aus Schmiedeeisen blieb unverändert erhalten und wurde liebevoll gepflegt.

Bei den Friedhofsrundgängen des Heimatvereins wurde immer wieder bedauert, dass der Name von Bürgermeister Diederich auf seinem Ehrengrab nicht zu sehen war. Da traf es sich gut, dass durch Zufall das alte Grabschild von Wilhelm Diederich wiedergefunden wurde. Der Heimatverein ließ einen passenden Rahmen anfertigen und nun steht auf dem Ehrengrab ein Denkmal für Bürgermeister Wilhelm Diederich zusammen mit dem Denkmal für den Stadtrendanten Theodor Lepper - zwei sehr verdiente Warendorfer Verwaltungsbeamte.

 

 

Bürgermeister Hugo Ewringmann
geb. 13.12.1866 in Wambeln bei Dortmund, gest. 27.1.1951 in Münster
Amtmann in Eslohe/Sauerland
1904-1924 Bürgermeister in Warendorf
1931 nach Münster verzogen

1904 wurde Hugo Ewringmann zum Stadtoberhaupt der Kreisstadt Warendorf gewählt, die damals ca. 7000 Einwohner zählte. Mit seiner Ehefrau Selma und seinen 8 Kindern wohnte er im Bürgermeisterhaus am Wilhelmsplatz Nr. 8.

Die Amtseinführung, der ein Festgottesdienst in der Laurentiuskirche voraus-ging, wurde im Rathaus am Marktplatz feierlich begangen. Bürgermeister Ewringmann fand in seinem Amt vier Verwaltungsbeamte vor, außerdem zwei Polizeibeamte und zwei Nachtwächter. So ist es zu verstehen, dass eine Vielzahl von Aufgaben vom Bürgermeister selbst erledigt werden musste.

1924, am Ende seiner Amtszeit, beschäftigte die Stadt 19 Beamte und Angestellte und 2 Polizeibeamte.

Die ersten zehn Amtsjahre des neuen Bürgermeisters waren geprägt von Veränderung und Modernisierung. Die Errungenschaften der modernen Zeit erreichten nun auch das kleine Landstädtchen Warendorf.

Bald nach Amtsbeginn richtete Bürgermeister Ewringmann ein Steuerbüro ein. 1906 installierte er ein Bauamt mit Stadtbaumeister Beckmann an der Spitze.

Rathaus, "Vaters  Amtssitz"
 

   1907 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Anlage von Wasserleitungen. Vor dem Osttor, in der Nähe von Haus Werl, wurde ein Wasserwerk gebaut mit einem repräsentativen Wasserturm, der noch heute ein Wahrzeichen unserer Stadt ist. Die Zeit der Hausbrunnen und Handpumpen war nun endgültig vorbei. Die zentrale Wasserversorgung erhöhte den Lebensstandard der Bevölkerung entscheidend, zumal ab 1908 die offenen Abwassergräben nach und nach durch ein unterirdisches Kanalisationssystem ersetzt wurden. Es dauerte aber bis in die 1930er Jahre, ehe die ganze Stadt ans Kanalnetz angeschlossen wurde.

Im gleichen Jahr kaufte die Stadt für 90 000 Mark die „Warendorfer Gasgesellschaft“. Nun konnten alle Haushalte einen Gasanschluss bekommen und die Straßen der Stadt wurden durch Gaslaternen beleuchtet.

   
Wasserturm an der B64  Warendorfer Gasanstalt 

  

Auch die Versorgung der Stadt mit elektrischem Strom fiel in die Amtszeit von Bürgermeister Ewringmann. Seit 1906 bestand schon eine private, von einem Generator betriebene Stromversorgung, die Teile der Stadt mit Strom versorgte. Ab 1917 lieferten auch die Westfälischen Elektrizitätswerke Strom. Da dieser Strom sehr teuer war, entschlossen sich die Stadtväter 1920 zum Bau eines Wasserkraftwerkes an der Ems. Ab 1924 konnten alle Häuser mit Strom versorgt werden und die Gasbeleuchtung an den Straßen wurde durch elektrisches Licht ersetzt. Das städtische E-Werk deckte etwa 80% des Strombedarfs ab.

   
Das  Warendorfer Elektrizitätswerk (links) am Mühlenkolk  

 

All diese Neuerungen brachten erhöhten Verwaltungsaufwand mit sich. Wie gut, dass sich Bürgermeister Ewringmann schon 1908 dazu entschlossen hatte, eine Schreibmaschine anzuschaffen, die ein Friseur gegen ein Entgelt von 80 Mark im Monat bediente.

Die im Rathaus untergebrachte Stadtsparkasse gehörte auch zum Verantwortungsbereich des Bürgermeisters. Der Rendant war üblicherweise ein Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums.

Auch die Aufsicht über die Volksschulen oblag dem Bürgermeister. Er sorgte für die Ausstattung der Schulen und fühlte sich sogar für die pädagogische Arbeit verantwortlich. Als ihm z.B. zu Ohren kam, dass ein Lehrer seine Schüler in übertriebenem Maße mit dem Rohrstock züchtigte, bestellte er den Lehrer „aufs Amt“ zu einer ernsthaften Unterredung. Die Schüler haben es ihm sehr gedankt.

Die Höhere Mädchenbildung war ihm ein wichtiges Anliegen. Für seine sechs Söhne und all die Jungen der Stadt und des Umlandes bot das Gymnasium Laurentianum eine gute gymnasiale Schulbildung. Auch die Mädchen sollten die Möglichkeit zu einer Höheren Schulbildung bekommen.

1906 gehörte Bürgermeister Ewringmann zu den Gründungsmitgliedern des Schulvereins und war Mitglied des ersten Vorstandes dieses „Vereins zur Hebung der Mädchenbildung“. Nach Kräften unterstützte die Stadt die neue Marienschule und stellte ihr 1908 das Gebäude an der Lilienstrasse zur Verfügung. 1923 war der Verein nicht mehr in der Lage, die Schule zu finanzieren. Die Stadt übernahm die Schule mit allen finanziellen Lasten.

Im gleichen Jahr fasste die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss zur Einrichtung einer Aufbauschule, die dem Gymnasium Laurentianum angegliedert wurde. Diese Bildungseinrichtung wurde besonders vom Mittelstand und von der Landbevölkerung begrüßt. Mehr als ein Viertel aller Gelder des städtischen Haushaltes flossen in die Unterhaltung der Schulen.

   
Hugo und Selma Ewringmann  Die 8 Kinder der Familie Ewringmann 

   

Arbeiterhäuschen in Levens Gässchen
  

Die Armenfürsorge lag Bürgermeister Ewringmann besonders am Herzen. 1907 gründete er mit Pfarrer Strumann zusammen den gemeinnützigen Bauverein, der seine Aufgabe darin sah, materiell schwächer gestellten Familien, meistens Familien mit vielen Kindern, zu einem eigenen Haus zu verhelfen. Damit wurde die Not der vielen Wohnungssuchenden etwas abgemildert. Vor 1914 konnten mit dieser Hilfe jährlich ca. 20 Arbeiter-häuser errichtet werden. Mit dem ersten Weltkrieg trat leider eine Stagnation ein. Die oft feuchten Mietwohnungen und die schlechte Versorgungslage der Kriegs- und Nachkriegsjahre waren eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung. Tuberkulose und Unterernährung waren weit verbreitet.

1923 vernichtete die Inflation alle Sparguthaben. Der Wohnungsbau kam vollkommen zum Erliegen. Auch die Wohnungs-kommission unter Vorsitz des Bürgermeisters konnte nur den Mangel verwalten. In diesen schweren Jahren machte Bürgermeister Ewringmann große Anstrengungen, den Armen, den Kriegerwitwen und Waisen und den Obdachlosen zu helfen. Die Stadt unterhielt Notwohnungen, wie z.B. den „Langen Jammer“ am Wilhelmsplatz.

Ein Lichtblick war es, wenn der wohlhabende Amsterdamer Goldschmied  Heinrich Miele seine Heimatstadt Warendorf besuchte, denn er überreichte dann dem Bürgermeister in alter Verbundenheit eine ansehnliche Geldsumme. Es war die Aufgabe der Frau des Bürgermeisters, das Geld gerecht in Umschläge zu verteilen und es diskret nach Einbruch der Dunkelheit den Ärmsten der Armen zu bringen.

Auch an moralischer Unterstützung ließ Bürgermeister Ewringmann es nicht fehlen. Viele arme Leute hielten sich damals eine Ziege, die „Kuh des kleinen Mannes“. Ewringmann gehörte dem Vorstand des „Ziegenzucht-Vereins“ an. Er sorgte dafür, dass zur jährlichen Hauptversammlung der Ziegenbaron „Dr. Meck Meck“, Professor Landois aus Münster höchstpersönlich nach Warendorf kam. Die Hippenbesitzer konnten dem leutseligen und großzügigen Professor Landois, der ein Herz für in Not geratene arme Leute hatte, ihre Sorgen und Wünsche anvertrauen. Er half, wo er konnte und wurde verehrt und geliebt.

 
Textfeld: das Bürgermeisterhaus am Wilhelmsplatz 
Alle vier Jahre kam der Bischof von Münster zur Firmung nach Warendorf. Bei dieser Gelegen-heit stattete er auch dem Stadtoberhaupt in seinem Haus am Wilhelmsplatz einen Besuch ab. Die acht Bürgermeisterkinder standen dann in Reih und Glied und begrüßten Bischof Johannes Poggenburg, die Mädchen machten einen tiefen Knicks und die Jungen durften sogar seinen Ring küssen und alle bekamen den bischöflichen Segen. Dann wurde der hohe Gast zusammen mit den Honoratioren der Stadt im Salon festlich bewirtet.

Einmal im Jahr wurde auch die hohe Geistlichkeit eingeladen. Die Pastöre von der Alten und der Neuen Pfarre und der Guardian des Franziskanerklosters in Begleitung von zwei Patres kamen zu einem Tässchen Kaffee und einer besonders gute Flasche Wein. Dazu bot der Bürgermeister die Brasil Zigarren mit der Bauchbinde aus der Sonntags-Zigarrenkiste an. Der Besuch sollte das gute Verhältnis von Staat und Kirche pflegen.

Auch zur bürgerlichen Oberschicht der Stadt hielt der Bürgermeister engen Kontakt. Nach Dienstschluss ging er gern zum Gläschen Bier in das klassizistische Gebäude der Gesellschaft Harmonie und spielte eine Partie Billard mit dem Fabrikanten Brinkhaus, dem Gymnasialdirektor Egen und dem Postdirektor. Natürlich nahm er mit der Frau Bürgermeister am Drei-Königs-Ball teil, dem gesellschaftlichen Ereignis des Jahres im Club Harmonie.

Das Hochfest des Jahres war schon damals das Fest Mariä-Himmelfahrt. Es war selbstverständlich, dass Bürgermeister Ewringmann mit Landrat Gerbaulet und allen 29 Stadtvätern bei der Prozession hinter dem Allerheiligsten gingen, alle im Gehrock mit Zylinder und weißen Handschuhen.

 
Schützenfest in Warendorf 

 Nach der kirchlichen Feier wurde auf dem Wilhelmsplatz die große Kirmes eröffnet. Am Vorabend hatte sich der Bürgermeister den Polizeihaupt-wachtmeister Milz kommen lassen und kontrollierte mit ihm die Sauberkeit der Schieß- und Losbuden und der Tingel-Tangel-Karussells. Da hingen nämlich oft Bilder von spärlich bekleideten Damen. Diese Bilder mussten sofort mit „Tüll“ behängt werden, was die Budenbesitzer auch taten. Aber nach einer Stunde hieß es: „Weg mit dem Tüll!“ und das Kirmesvergnügen nahm seinen Lauf.

20 Jahre lang war Hugo Ewringmann Bürgermeister der Stadt Warendorf. Die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Tätigkeit waren fließend. Ein Bürgermeister war immer im Dienst und immer Ansprechpartner für die Bevölkerung.

Nach 12 Jahren war er wiedergewählt worden, das zeigte die Zufriedenheit der Bürger mit seiner Arbeit. 1924 gab Bürgermeister Ewringmann sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig auf.

Quellen: 
 „Meine Jugenderinnerungen an Warendorf “ von Hanni Ewringmann

Erzählungen von Zeitzeugen aus der Familie Göcke und Haunhorst

Geschichte der Stadt Warendorf

Bilder: Bildarchiv der Altstadtfreunde und Hanni Ewringmann

Autorin:  Mechtild Wolff

 

Vorschläge des Heimatvereins Warendorf: Wanderungen in Zeiten von Corona
Wandern mit Kindern im Nordwesten Warendorfs
von Norbert Funken


Karte: "Wandern im Münsterland" Hrsg.: Westfälischer Heimatbund

  

Manches ist in Zeiten Coronas verboten, von vielem wird abgeraten. Wandern aber, ohnehin immer empfehlenswert, ist erlaubt. Der Heimatverein Warendorf unterbreitet Ihnen

Vorschläge, das Mehr an Zeit sinnvoll zu nutzen und zudem die Heimat näher kennenzulernen. Der Text ist so abgefasst, dass Sie ihn den Kindern anvertrauen können. Diese werden sich freuen, den Eltern einmal zu zeigen, „wo’s langgeht“.

Die Wanderung, 8 km lang, lässt  sich an vielen Stellen abkürzen und beginnt am Lohwall.  Folgen Sie am rechten Ufer dem x- und <>-Wanderzeichen flussabwärts.

Vor 90 Jahren sah dieser Fluss ganz anders aus: in großen Bögen schlängelte er sich in einer breiten Talebene, weil  sein Wasser nicht gestaut wurde, träge dahin. Dann grub man ihm ein neues, tieferes Bett und begradigte seinen Lauf. Er wurde eingezwängt und konnte bei Hochwasser, wenn es nicht zu schlimm kam, nicht mehr über die Ufer treten. Jetzt ließ sich die Talaue (Aue = Flussebene) als trockenes Weideland und Ackerland nutzen. Das war nötig geworden, um die zahlenmäßig schnell wachsende Bevölkerung ernähren zu können.

Hinter dem „Emskamp“ (Kamp = alter Name für neu gewonnene Ackerfläche), nach der grün-blauen Brücke geht es vor dem alten Emsarm rechts ab. Unter dem Uferweg hindurch verläuft ein dickes Rohr, das den alten Flusslauf bei hohem Wasserstand mit „Frischwasser“ versorgt. Am Ende des alten Flussarms liegt ein kleiner Teich, der keinen Zulauf hat und deshalb kaum Leben aufweist. Die abgestorbenen Bäume zeigen es an.

 Der Teich  ist der traurige Rest der alten Ems, die man bis in die 70er Jahre als städtische Müllkippe missbraucht hat. Vor fünfzig Jahren dachte man anders, das Wort „Naturschutz“ war nicht in aller Munde. Heute plant man, diesen alten Flusslauf wieder an eine re-naturierte Ems anzubinden, nachdem man dem Fluss ab hier wieder seinen natürlichen Lauf zurückgegeben hat.

Nach einem Rechtsknick verlassen wir die Niederterrasse und es geht  „bergauf“ auf die vor Hochwasser sichere Mittelterrasse. Terrassen nennt man die von einem Fluss in großen Zeitabständen geschaffenen  Flächen. Am Ende dieses idyllischen Weges biegt man links ab und geht durch Lippermanns Knäppen weiter.

 Knäppen nennt man in Westfalen die kleinen Sandhügel, die der Wind nach der Eiszeit aus den Sandflächen der Flussaue aufgeweht hat. Da der Wind hierzulande auch damals aus südwestlicher Richtung kam, findet man die Dünen immer am Nordufer.

 

 

Vor dem Hof Dahlmann muss man sich entscheiden, ob man nach rechts zur Milter Straße die Abkürzung nimmt oder den Wanderweg weiter geht.  Hinter Dahlmann („dahl“  bedeutete früher „nieder“)  folgt eine schöne Eichenallee. Danach verlässt unser Weg den X-Weg und biegt rechts ab zur Straße nach Einen. Bevor wir zur Milter Straße kommen , die Kinder an die Hand nehmen und diesen „Schnellstraße“ vorsichtig überqueren, werfen wir einen Blick auf eine weitere Situation, wie heute mit der Natur umgegangen wird.

 Bei dieser Flachentsandung schiebt man den Ackerboden zunächst zur Seite, baggerten den Sand ab, den die Eiszeit abgelagert hat und den man zum Bauen verwenden kann. Danach schiebt man den Mutterboden, nachdem man das Loch mit minderwertigem Material  verfüllt hat, wieder zurück. Es verschwinden damit die für das Münsterland so typischen flachen Buckel, die die Eiszeit uns hinterlassen hat.

Der Weg führt auf der anderen Seite der Straße weiter. Nach einem knappen Kilometer folgen wir dem Schild „ Velsen 18, 3a“ nach rechts. Sagen Sie Ihren Kindern, dass man „Velsen“  auch mit „F“ schreiben kann…! (Hier kommt es von „Veltseten“  und bedeutet „Wohnsitz auf dem Feld“.)

Der Weg führt über den schnurgeraden Ortsteinbach, der früher Ohrenbecke hieß und aus nicht bekannten Gründen einen neuen Namen bekommen hat.  „Becke“ ist ein altes Wort und bedeutete früher „Bach“. Der Wortteil ist heute noch in vielen Familiennamen zu finden.

Am Hof Heuer vorbei zwischen dem Feld links und den Bäumen rechts geht es auf breitem Weg weiter in einen Wald hinein. Nach 100 m hinter einer großen Buche links  gehen wir an einer Gabelung weiter geradeaus, um nach 50 m einen kleineren Weg nach rechts einzuschlagen. Aus den Spuren im Sandboden lässt sich lesen, dass sich auf diesen Hügelchen  Mountain-Biker  ausgetobt haben.

 Kooks Heide nennt man dieses Waldgebiet und der Name verrät schon, dass der Mensch auch hier in die Natur eingegriffen hat: Die Sturmschäden der letzten Jahre zeigen es deutlich! Die Heide, auf der früher das Vieh weidete, wurde aufgegeben und mit flachwurzelndem Nadelholz aufgeforstet. Fichten und Kiefern, auch Föhren genannt, waren vorher in Westfalen nur selten vertreten.

Viele Wege führen, so eine Redensart, nach Rom, in diesem Wald (fast) alle zur Milter Straße. Wir überqueren sie und haben zur Linken den Hof Lippermann vor uns, der bis 1920 eine Gaststätte hatte, für die Warendorfer das sonntägliche Wanderziel zu „ihrer“ Kaffeewirtschaft.

Wir lassen den Hof rechts liegen und gehen zur Ems runter, wo wir auf den Hinweg treffen, der zum Lohwall führt.

Nach etwas über zwei Stunden geht die Wanderung, vielleicht  unter zunehmendem „Geknötter“ der Kinder, zu Ende. Sie erscheint aber für die Eltern erträglicher und zudem für die Kinder kürzer, wenn man unterwegs ein Picknick einlegt und den Kindern immer wieder bestätigt, dass ihre Freunde das wohl nicht geschafft hätten und dass auf sie, zu Hause angekommen, ein großes Eis wartet. Spätestens am  nächsten Morgen freuen sie sich auf die folgende Wanderung. Oder erst viel später in einer Erdkundestunde, in der sie auffallend viel über ihre Heimat berichten können.

 

Wanderung durch die Velsener und Gröblinger Mark
von Norbert Funken

 

Die Corona-Krise beschert  Menschen einen Gewinn an Zeit, den sie für längere Spaziergänge nutzen können. Der Heimatverein Warendorf schlägt Ihnen eine Wanderung, etwa 10 km lang, vor. Dass er zugleich auch Wissenswertes über Warendorf und das umliegende Land einfließen lässt, versteht sich von selbst.

Die Rundweg beginnt an der Georg-Leber-Kaserne, der Sportschule der Bundeswehr. Es ist ratsam, die abgebildete Karte mit der markierten Route auszuschneiden und mitzunehmen. Auf dem Weg zur Sportschule haben Sie vielleicht links den Waldstreifen entdeckt, der den Stadthagen, früher ein Schutzwall um den Ort, markiert. Zwischen ihm und der damals befestigten Stadt lag das dünn besiedelte Stadtfeld mit seinen kümmerlichen Gärten und Feldern.

Auf der anderen Seite lagen hier die Velsener und Gröblinger Mark, das Gebiet der heutigen Wanderung. Die Marken wurden noch extensiver genutzt als das Stadtfeld und dienten bis zu ihrer Besiedlung  und Aufforstung mit Nadelhölzern Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich als Holz- und Plaggenlieferant. Plaggen nannte man die abgeschälte obere Wald- und Heideschicht, die, mit Viehdung gemischt, als Ackerdünger verwendet wurde. Erst die Verwendung von Kunstdünger und der Einsatz von Landmaschinen machten  die ausgelaugten Marken zu nutzbaren Landflächen.

Von der Sportschule kommend biegen Sie vor der Deula nach links ab. Die „Deutsche Lehranstalt für Agrar- und Umwelttechnik“ ist seit 1951 in Warendorf für die Ausbildung der angehenden Landwirte und Gartenbauer zuständig.

Sie folgen dem Wanderzeichen X 17 und gelangen nach einigen Links- und Rechtswendungen auf die Rückseite des DOKR (Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei) und der FN, der Reiterlichen Vereinigung  (FN= Fédération Équestre National) durch einen parkähnlichen  Laubwald zum Ortsteinbach. Der begradigte Bachlauf umfließt im Halbkreis im Norden die Stadt und mündet in Höhe der Kottrup-Seen in die Ems. Mehrmals müssen Sie sich auf dem X-Weg nach rechts und links wenden, bis Sie auf einen Weg stoßen, der mit  einer Raute (<>) markiert ist. Diesem Weg folgen Sie ein gutes Stück, treffen wieder auf den Ortsteinbach und gelangen über Feldwege zur Langen Wieske. Knapp hundert Meter müssen Sie auf dem Radweg dieser Straße folgen, um dann nach links wieder einen ruhigeren Weg einschlagen zu können. An den schnurgeraden Wegen, Straßen, Bächen und Gräben merken Sie, dass die Flurbereinigung der 50er und 60er Jahre hier radikal zugeschlagen hat. Zunächst begann man mit der Regulierung der Bäche, um die vernässten Äcker und Grünflächen nutzbarer zu machen. Es schloss sich eine neue Verteilung der landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Anlage eines neuen Wegenetzes an.

Nach dem letzten Waldstück verlassen Sie den „Rautenweg“ , gehen also nicht zur Sassenberger Straße, sondern nehmen den Weg rechts am Waldrand entlang zum Hof Hörstmann und links und anschließend rechts  weiter zur Langen Wieske. Das Gelände der Sportschule können Sie auf dem Radweg der Straße umgehen und nach einer knapp zweistündigen Wanderung erreichen Sie wieder den Parkplatz.

 

 

Karte: "Wandern im Münsterland" Hrsg.: Westfälischer Heimatbund

  

Wanderung über die Hügel in Dackmar
von Norbert Funken


Karte: "Wandern im Münsterland" Hrsg.: Westfälischer Heimatbund

  

Die kleine Wanderung, die der Heimatverein für dieses Wochenende vorschlägt, dauert gerade mal eine Stunde und verläuft als Rundweg parallel zur Ems in der Bauerschaft Dackmar.

Die Anfahrt per Rad erfolgt über die Sassenberger Straße und den Tatenhausener Weg bis zum Wehr in Dackmar, mit dem PKW am besten über die B64 bis Vohren und über die K 18. Kurz vor dem Wehr befindet sich auf der rechten Seite am Waldrand ein Parkplatz. Ein großer Holzpfahl markiert den Anfang Ihrer Wanderung. So wird so gar nichts Besonderes aufzuweisen haben – sie ist einfach „nur“ schön!

Am Pfahl mit dem Hinweis auf Hügelgräber, die Sie sich aber sparen können, verläuft der Wanderweg X19. Der führt Sie zu einer markanten Naturkulisse: Wie Mangroven stehen hier Bäume auf ihren Wurzeln. Wind und Regen haben ihnen den Sand unter den „Füßen“ weggespült. Verlassen Sie den X19 und steigen Sie zwischen den Bäumen rechts den schmalen Weg hoch. Über zahlreiche Hügelchen geht es auf und ab durch den Wald, einen Graben zur Linken und dahinter ein Feld.

Auch bei einer Wegkreuzung geht es weiter geradeaus, bis Sie zur Straße gelangen, die zum Golfplatz führt. Folgen Sie hier nicht dem Wanderweg, sondern nutzen Sie rechts den Reitweg, der parallel zur Straße Richtung K18 führt. Kurz davor führt der Reitweg Sie nach rechts und nach 100 Metern dann doch zur Straße. Auf der anderen Seite geht es, etwas versetzt, auf einem kleinen Pfad weiter. Spätestens hier müssen Sie die Karte zur Hand nehmen, damit Sie nicht in dem verwirrenden Wegenetz die Orientierung verlieren. An der ersten Wegkreuzung gehen Sie auf den Baum mit dem roten E zu, an der zweiten geht es halblinks weiter. Der Waldpfad schlängelt sich nun in sanften Bögen Richtung Ems und Parkplatz. Es lohnt sich aber, wenn links das Eisengeländer einer kleinen Brücke sichtbar wird, den Weg kurz zu verlassen und einen Blick auf den munter fließenden Talgraben zu werfen. Zwei Gräben begleiten die Ems. Sie haben die Aufgabe, die Talaue, also das flache Land an den Seiten des Flusses, zu entwässern und bei einer Überschwemmung das Wasser schnell abzuleiten.  Erstaunlich ist, dass ihr ökologischer Zustand, die Wasserqualität und der Bewuchs, weitaus besser ist als der des Hauptflusses.

Auch zum Emswehr, das den Wasserstand des Flusses reguliert, lohnt sich der kleine Umweg. Die Stauanlage wurde 1949 nach einem verheerenden Hochwasser einige Jahre vorher erbaut und soll das Nutzland und die Stadt schützen. Nirgendwo an der Ems sieht man aber deutlicher die Folgen der Emsregulierung der Jahre 1933 bis 1939: Schnurgerade verläuft der „Kanal“ durch die Talaue, die der Fluss vorher in weiten Bögen durchflossen hat.

Auf dem seitlichen Reitweg gelangen Sie nach 100 Metern wieder zum Parkplatz.

 

 

Neu: aus der Geschichte der Textilstadt Warendorf:
Firma „H. Brinkhaus“, Werk Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Pläne für das Kesselhaus von Phillip Jakob Manz aus Stuttgart

  

1906 platzte die Weberei „H. Brinkhaus“ in Warendorf aus allen Nähten. Eine Erweiterung im Stammwerk war wegen der Hochwassergefahr nicht möglich. Darum ließ Brinkhaus 1908 in Freckenhorst an der heutigen Industriestraße 5/7 eine Fabrik nach modernsten Maßstäben erbauen. Er verpflichtete den bedeutenden In-dustriearchitekten Phillip Jakob Manz aus Stuttgart. Die eleganten Fassaden der Fabrikgebäude aus Ziegelstein erregten großes Aufsehen. Zuerst webten im Werk Freckenhorst 60 Weber auf 160 Webstühlen Baumwollstoffe aller Art. 1911 spezialisierte sich Brinkhaus ausschließlich auf die Herstellung von Inlett, auch in Freckenhorst. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein Drittel der Gesamt-Inlett-Fabrikation der jungen Bundesrepublik aus dem Raum Warendorf/Freckenhorst, dem größten Inlett-Zentrum Deutsch-lands. Als die Konkurrenz aus Fernost immer bedrohlicher wurde, verlagerte Brinkhaus 2004 seine Produktion nach Polen. Auch das Werk Freckenhorst wurde geschlossen und die fast 100 Jahre alten historischen Firmengebäude wurden bedauerlicherweise abgerissen.

 

1907 Pläne von Philipp Jakob Manz fürdie Nordseite der Firma Brinkhaus

 

Das Freckenhorster Weberlied Scherenschnitt von Ursula Rudolph 1979

 

Die Veloursweberei „Theodor Kreimer“
von Mechtild Wolff

Hubert Wolff Theodor Kreimer

1913 stieg Theodor Kreimer aus der Firma seines Vaters „Josef Kreimer“ aus und gründete am Groneweg die mechanische Plüschweberei „Theodor Kreimer“. Es war ein schwieriger Start für die junge Firma, insbesondere durch den 1. Weltkrieg und die Geldentwertung. Kreimer konnte sich aber über Wasser halten und nahm 1922 sogar die erste Erweiterung vor. Theodor Kreimer wurde ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Er verfolgte seine Ziele mutig. Der Einsatz lohnte sich, das Geschäft florierte - bis 1929 die Weltwirtschaftskrise alles ins Wanken brachte. Auch diese Klippe wurde gemeistert. Die Firma Kreimer war ein Familien-betrieb, die Ehefrau Elisabeth hatte Prokura, so wie die einzige Tochter Änny. Aber für die Geschäfts-führung kam ein Mädchen nicht in Frage, sehr wohl aber ihr Ehemann Hubert Wolff, der 1936 als 50. Mitarbeiter in die Firma Kreimer eintrat. Mit dem National-sozialismus und dem 2. Weltkrieges kamen wieder schwierige Zeiten. Es durften nur noch kriegswichtige Textilien hergestellt werden: Wolldecken, Teppiche, Kleiderstoffe, Futterstoffe, aber auch grobes Sackleinen und Papiergewebe. Nach Kriegsende ging es wieder aufwärts, der Bedarf an Textilien aller Art war enorm. Die Firma wuchs und wuchs und zählte 1951 schon 150 Mitarbeiter. Neue Fabrikationshallen wurden gebaut, das Wirtschaftswunder begann.

  

  

1952 ging die Ära Theodor Kreimer zu Ende - er starb am 3. November im Alter von 70 Jahren. Nun hatte Hubert Wolff die alleinige Verantwortung und führte die Firma erfolgreich in die neue Zeit. Der Dralon-Velours, die automatischen Webstühle, die eigene Färberei und ein ausgeklügeltes Vertretersystem ließen die Firma Kreimer stetig wachsen. Nicht nur auf dem Sofa und im Sessel saß man auf Kreimer Velours, auch die Bundesbahn und die Autoindustrie statteten ihre Züge und Autos mit dem neuen Dralon-Velours von Kreimer aus. Auch wenn die Firma Kreimer bis zu 750 Mitarbeiter beschäftigte, so blieb sie doch ein Familienunternehmen, in dem sich Einer für den Anderen verantwortlich fühlte und wo man auch fröhliche Feste miteinander feierte. Nach diesen rasanten Aufbau-jahren, in denen die Firma Kreimer zu einer der bedeutendsten Velourswebereien Europas wurde, die ihren hochqualitativen Velours in die ganze Welt exportierte, zeichneten sich dunkle Wolken am Textilhimmel ab. Das allgemeine Textilsterben in Deutschland überlebte auch Kreimer nicht und musste 1993 seine Werkstore schließen.

 

  

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