Erlebte Geschichte in Warendorf
Fettmarkt in den Zwanziger Jahren
von Eugenie Haunhorst

Eugenie als Schülerin 1921Fettmarkt, das war ein Höhepunkt in unserem Kinderleben. Ich bin am Münsterwall aufgewachsen und erlebte den Trubel aus nächster Nähe. Auf dem Wilhelmsplatz fanden der Viehmarkt und die Kirmes statt, die Straßenhändler auf dem Fettmarkt 1930 Münsterstraße war auf beiden Seiten mit den Ständen der Händler belegt und auf dem Marktplatz boten die Bauern Kartoffeln, Kappes und vieles mehr an. Direkt vor unserem Haus baute der Lebkuchenbäcker Dammann aus Harsewinkel seine große Bude auf. Er bekam von uns Strom für die Beleuchtung des Standes. Dafür gab es für uns Kinder am Abend eine große Tüte Pfeffernüsse, die Spezialität des Hauses.

 Heimatverein Warendorf: Bäckerstand auf der Münsterstraße 1930Ich erinnere mich noch heute an den köstlichen heißen Berliner, den Frau Werner meiner Schwester Maria und mir einmal schenkte. Sie hatte vor ihrem Haus an der Münsterstraße einen Stand aufgebaut und verkaufte Berliner für ihren Sohn, der eine Bäckerei in der Brünebrede hatte. Manchmal verkaufte der Sohn auch selber.Der Böttcher und Küfer Berger von der Molkenstraße bot seine Holzerzeugnisse an: Holzfässer für Sauerkraut, Butterfässer, Waschfässer und Wannen jeder Größe und alle Holzgeräte für Haus und Hof. Daneben stand in jedem Jahr der Wagenbauer Schwarte von der Brünebrede. Hier suchte man sich die neue Kutsche, den zweirädrigen Gig oder den neuen Bollerwagen aus.Heimatverein Warendorf: Kinder-Karussel 1928

Das alles registrierten wir nur im Vorbeigehen. Unser wichtigstes Ziel war die Kirmes. Von unseren Eltern hatten wir 50 Pfennig Kirmesgeld bekommen und unser Besuch bei Onkel Bernhard hatte uns noch einmal 50 Pfennig eingebracht. Eine ganze Mark – jetzt träumten wir von 10 mal Kettenkarussell fahren. Zuerst kamen wir an dem herrlich bunt bemalten Kinderkarussell vorbei, die kleinen Sitzbänkchen waren mit vielen Spiegeln zauberhaft verziert. Auf den Holzpferdchen ritten stolz die Kleinen ihre Runden. Opa fuhr zur Sicherheit mit und stützte den Rücken.
Schwerarbeit musste das Pferd leisten, das Heimatverein Warendorf: Kirmes mit Riesenrad 1920 den ganzen Tag um die Mittelachse des Kinderkarussells trottete und es so zum Drehen brachte. Nur beim Ein- und Aussteigen der kleinen Gäste hatte das Tier eine kurze Verschnaufpause. Erst Ende der Zwanziger Jahre gab es elektrischen Antrieb für die Karussells.

Unser erstes Ziel war die „Kaffeemühle“. In einer Trommel, etwa einen halben Meter hoch, saßen zwei Kinder auf dem Rand und drehten im Uhrzeigersinn das kleine Rad in der Mitte. Die Trommel drehte sich in Gegenrichtung. Mit dem Rad konnte man das Tempo bestimmen. Je schneller, um so schöner! Später gab es den „Teller“ auch die „Scheibe“ genannt. Das war ein besonderes Gaudi und für junge Leute eine Art Sport. In einem großen Zelt stand eine drehbare Scheibe mit einem Durchmesser von 7-8 Metern. Die Mitte war etwas erhöht. Rund um die Scheibe herum war ein gepolsterter, ca. 50 cm hoher Rand angebracht. Beim Startpfiff kletterten die Jugendlichen über diesen Rand und suchten sich einen Platz möglichst weit in der Mitte. Unter lauter Musikbegleitung begann sich die Scheibe zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller. Die außen Sitzenden wurden schnell an den Rand geschleudert. Das Gejuchze wurde immer lauter, die Platte drehte sich schneller und leerte sich schneller. Erst wenn der Letzte aufgeben musste, war das Spiel zu Ende und der Sieger wurde lautstark gefeiert. Eine spannende Attraktion!

Dann gingen wir zur Schiffschaukel ! Am schnellsten brachte man die Schaukel zu Zweit in Schwung. Wir schaukelten so lange, bis sie fast waagerecht stand. Unsere Mutter sagte uns immer, das sei ein Sport für Jungen! Ich glaube, sie wollte nicht gern, dass unsere Röcke so flogen. Hosen gab es damals für Mädchen noch gar nicht.

Und dann der Höhepunkt: Das Kettenkarussell! Wie herrlich war es, fest in dem Kettensitz sitzend, durch die Luft zu fliegen. Wir überblickten den Kirmesplatz, konnten unser Haus und die Marienkirche sehen - uns lag ganz Warendorf zu Füßen. Darauf hatten wir uns so lange gefreut und zahlten gern noch einmal 10 Pfennig für dieses Vergnügen.
Heimatverein Warendorf: Fettmarkt 1934 - Handwerker und Händler Eine unserer Freundinnen sagte einmal: „Ach wäre ich doch ein Kettenkarussellkind, dann könnte ich immerzu mit dem Kettenkarussell durch die Luft fliegen.“ In der Schule hielt sie dann Ausschau nach den „Kirmeskindern“, die während ihres Aufenthaltes in Warendorf unsere Schule besuchten. Vielleicht war ja ein Kettenkarussellkind dabei!

Schade, bald war unser Kirmesgeld zu Ende. Also gingen wir auf den eigentlichen „Fettmarkt“. Hier verkauften die Bauern ihre fetten Tiere. In Gehegen und Käfigen sahen wir eine reiche Auswahl von Schweinen, Schafen, Hühnern und Kaninchen. An Eisenstangen waren Pferde, Kühe, Kälber und Ziegen angebunden. Es wurde gehandelt und gefeilscht und jeder Kauf mit einem Schnaps begossen. Zur Stärkung gab es zwischendurch eine deftige Portion Töttchen mit einem Brötchen. Mutter Hagemeyer hatte vor der Metzgerei am Wilhelmsplatz einen Töttchen- und Knackwurststand aufgebaut.Heimatverein Warendorf: Werbung Textilhaus Hunkemöller 1925

Für den Erlös des verkauften Viehs deckten sich die Bauern sofort mit dem notwendigen Bedarf an Hausrat und Winterbekleidung ein. Im Textilhaus Hunkemöller an der Oststraße konnte man solide Wintersachen für die ganze Familie und auch Betten in guter Qualität einkaufen. Besonders beliebt war die warme Bleyle-Unterwäsche in unverwüstlicher Qualität. Kleine Jungen verteilten überall in der Stadt Reklamezettel und machten darauf aufmerksam, dass von der Stadtmitte aus kostenlose Kutschfahrten zu Hunkemöller am Osttor angeboten wurden.

Wir schoben uns mit viel Vergnügen und Drängeln – das machte uns besonders viel Spaß - durch die Menge auf der Münsterstraße. An der Ecke vor Breuers Haus stand viele Jahre lang eine ältere, wohlbeleibte Frau mit ihrer Drehorgel unter einem Sonnenschirm. Sie sang mit kräftiger Stimme moderne Schlager und altbekannte Moritaten. Für 10 Pfennig verkaufte sie den Text ihrer Lieder, damit die begeisterten Zuhörer mitsingen konnten, was wir auch kräftig taten. Daneben stand ein Entfesselungskünstler mit seinem Eisenkäfig, in dem er sich anketten und einsperren ließ. Zum Erstaunen der Zuschauer konnte er sich jedes Mal wieder befreien.  Zu dieser Gruppe gehörten auch zwei Ringer, die ihre Kräfte zeigten. An vielen Ständen in der Münsterstraße blieben wir stehen, um die lustigen Anpreisungen der Marktschreier hören.

Heimatverein Warendorf: Fettmarkt 1934 - Gemüse auf dem Marktplatz Unsere letzte Station war der Marktplatz. Hier trafen wir unsere Mutter, die gerade bei ihrem Kartoffelbauern 20 Zentner Kartoffeln für den Winter bestellte. Ihren Bollerwagen hatte sie schon hoch beladen mit Kappes-Köppen, die sie von dem großen Wagen vor der Apotheke gekauft hatte. Nun wussten wir: In den nächsten Tagen beginnt die Sauerkrautproduktion. Die Tontöpfe standen schon frisch gereinigt bereit, die kleinen Leinentüchlein waren fertig zugeschnitten. Für zwei Stunden mieteten wir dann bei Borgmann in der Königstraße die Sauerkrautschabe. Alle Kinder mussten beim Hobeln helfen und beim Stampfen des Krautes im Tontopf. „Es muss sich so viel Krautsaft bilden, dass die obere Schicht Kraut im eigenen Saft steht,“ schärfte uns unsere Mutter ein. War das geschafft, deckten wir alles mit dem Leinentüchlein ab und beschwerten die Krautmasse mit einem blitzblanken Marmorstein. Nach drei Wochen konnten wir das erste Sauerkraut essen.
Das waren bei uns die Nachwirkungen vom Fettmarkt.

Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf und Archiv Haunhorst
 

Die Autorin Eugenie Haunhorst geb. Göcke wurde 1912 in Warendorf geboren und wuchs in einer Lehrerfamilie mit vier Geschwistern auf. Im Alter von 90 Jahren begann sie, Erinnerungen aus ihrem Leben im Warendorf der 1920er Jahre aufzuschreiben. Sie starb 2016 im Alter von 103 Jahren.

 

 

alle Rechte vorbehalten: Eugenie Haunhorst 2006

Einladung  des Heimatvereins und der Altstadtfreunde Warendorf zum Vortrag
Referent: Laurenz Sandmann
Thema: „Bauen und Wohnen in der historischen Altstadt"
Termin: Donnerstag, 22.Oktober 2026 um 19.00 Uhr
Ort:
Dachtheater Theater am Wall, Wilhelmsplatz 9, Warendorf


Wohnen. Arbeiten und Verweilen in der Warendorfer Altstadt. Ist die Altstadt zukunftsfähig? Wie soll unsere Stadt sich weiterentwickeln und wie soll sie aussehen? Welche Rolle spielt der Denkmalschutz, welche Rolle spielt aber auch die erhaltenswerte Bausubstanz? Brauchen wir oder wünschen wir uns Neubauten? Diese Fragen stehen immer wieder im öffentlichen Gespräch. Die Meinungen gehen weit auseinander und sind meistens kontrovers.

Der Heimatverein und die Altstadtfreunde sehen es als ihre Aufgabe an, sich mit dem über 6 Jahrhunderte gewachsene bauliche Erbe und den immer wieder veränderten Ansprüchen einer Stadtgesellschaft auseinanderzusetzen

Von den ca. 600 Häusern steht die Hälfte unter Denkmalschutz. Für diese gelten klare Kriterien und Vorgaben entsprechend dem Denkmalschutzgesetz. Viele der weiteren 300 Häuser sind es wert erhalten zu werden. Doch was sind die Kriterien, die erfüllt sein müssen, um ein Gebäude zu erhalten?  Und warum benötigen wir Neubauten?  

Laurenz Sandmann wird den Versammelten anschaulich darlegen, mit welchen verschiedenen Sichtweisen die Altstadt wahrgenommen werden kann und welche Konsequenzen die Eingriffe in das historische Stadtbild bedeuten. Das Wohnen und Wirtschaften in der Altstadt müssen bei allen planerischen Überlegungen eine genauso große Rolle spielen, wie der Verkehr und die Aufenthaltsqualität.

Bild: Matthias M. Rinschen

 

Besuch aus Californien beim Heimatverein (30. 9. 2026)


Cynthia Chisum (li.) mit Freundin vor dem Gadem im Zuckertimpen

1825 siedelte der Harsewinkeler Weber Jacob Lackamp anlässlich seiner ersten Heirat nach Freckenhorst. Zwei weitere Ehen folgten in Freckenhorst, wo er 1867 starb. Zwei seiner Kinder aus der dritten Ehe, August und Bernard, wanderten mit ihrer Mutter nach 1874  nach Amerika aus, wohl weil sie in Freckenhorst wirtschaftlich keine Zukunft mehr sahen, denn die Handweberei wurde inzwischen durch industrielle Produktionsformen abgelöst.

Eine Ururenkelin, Cynthia Chisum aus Santa Monica, besuchte nun Warendorf und hatte sich an den Heimatverein Warendorf gewandt. Da das Freckenhorster Haus ihres Vorfahren in Freckenhorst nicht mehr existiert, besuchte sie das Gadem am Zuckertimpen, um sich einen ungefähren Eindruck von den Wohnverhältnissen eines Hauswebers im 19. Jh. machen zu können. Es folgte unter Führung des Heimatvereins eine Fahrt nach Freckenhorst, wo man sich die ehemalige Wohnstätte vorstellen konnte, die heute nicht mehr vorhanden ist. Heute nämlich ist dort nur noch eine Rasenfläche. Eine Fahrt nach Harsewinkel, wo Jacob in St. Lucia 1798 getauft worden war, rundete den Besuch ab. Cynthia zeigte sich sehr beeindruckt von den Führungen durch den Heimatverein.

 

Photo: Fahlbusch 30.9.2026 (Abbildungserlaubnis der beiden Personen liegt vor.

Tag des offenen Denkmals am 13. 9. 2016: Waffelnbacken mit dem Team um Marie-Luise Mönnigmann lockt viele Besucher in das historische Gadem am Zuckertimpen
von Matthias Rinschen
Bilder: Angelika Schänzer

Natürlich sind am Tag des offenen Denkmals die Standorte des Stadtmuseums Warendorf mit historischem Rathaus, Tapetensaal und Gadem besondere Anziehungspunkte für alle Besucher aus Nah und Fern. Aber diie Atmosphäre im Gadem ist schon eine ganz besondere, speziell wenn Marie-Luise Mönnigmann mit ihrem Team Celine Wolff, Angelika und Albrecht Schänzer, Martha Redemann, Werner Bollmann und Jutta Dick über dem mit Holz befeuerten Küchenherd frische Waffeln backt. So konnten die viele Besucher eintauchen in die Welt des späten 19. ud frühen 20. Jahrhunderts und staunend bewundern, unter welchen einfachen Bedingungen Menschen in dieser Epoche ihr Leben verbrachten: Ohne Telefon, Fernseher und Radio, ohne Waschmischine und Zentralheizung und trotzdem glücklich und zufrieden. Ein gelungener Sonntagnachmittag im Gadem.

Celina Wolff präsentiert die warmen Waffeln, die dann in gemütlicher Runde verzehrt werden

Vorschau: Warendorfer Schriften Bd. 55/56

Die Warendorfer Schriften Bd. 55/56 erscheinen im Dezember 2026.

Sie widmen sich in Gänze dem Nordrhein-Westfälischen Landgestüt und stellen den Beitrag des Heimatvereins zum 200jährigen Jubiläum dar.

Inhaltsverzeichnis
200 Jahre Landgestüt Warendorf

Vorwort des Herausgebers

Wilhelm Veltmann (+ 2006)
Ein Krimi aus vergilbten Akten – Die schwere Geburt des Landgestüts zu Warendorf

Lothar Engelbert Schücking (+ 1943)                                                                     
Heinrich Köhne und die ersten Zeiten des Warendorfer Landgestüts
Zwischen Landgestüt, Kirche und preußischem Staatsdienst

Petra Sondermann und Alfred G. Smieszchala
Zwischen Landgestüt, Kirche und preußischem Staatsdienst
Die Familie des ersten Warendorfer Landstallmeisters Johann Heinrich Köhne

Friedrich Bernward Fahlbusch
Über die Leiter des Landgestüts Warendorf im 19. Jahrhundert – Biographische Anmerkungen

Petra Sondermann und Alfred G. Smieszchala
Mit den ersten Hengsten nach Warendorf
Herkunft und Lebenswege der Gestütknechte von 1826

Thomas Hartwig
200 Jahre Landgestüt Warendorf
Einst und heute unverzichtbar

Klaus Gruhn
Der „Königliche Gestüt-Marstall“ und das Gymnasium Laurentianum Warendorf

Buchbesprechung

 

Vereinsmitglieder erhalten den Band kostenfrei. Um die Auflage kalkulieren zu können, werden andere Interessenten gebeten, Vorbestellungen beim Heimatverein per mail ( vorstand@heimatvereinwarendorf.de ) vorzunehmen.

Bericht vom Vortrag über die Landgestüt-Leiter im 19. Jahrhundert am 11. September 2025

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Mit den sieben Gestüt-Leitern im 19. Jahrhundert befasste sich ein Vortrag, zu dem der Heimatverein in Zusammenarbeit mit dem Westpreußischen Landesmuseum eingeladen hatte. Der Vortrag stellte einen der Beiträge des Heimatvereins zum Jubiläum „200 Jahre Landgestüt“ dar und war zugleich in die Trakehnen-Ausstellung des Museums integriert.

F. Bernward Fahlbusch zeichnete aber nicht nur die Lebensläufe der Direktoren, sondern vermittelte auch grundlegende Informationen über die Organisation des preußischen Gestütswesens im 19. Jahrhundert und die verwickelte Vorgeschichte der Warendorfer Institution, denn erst im Juli 1825 wurde Warendorf als Standort überhaupt in Erwägung gezogen.

Erstmals konnte dabei ein Portraitbild des zweiten Leiters, des Landstallmeisters August v. Schwichow, öffentlich gezeigt werden. Dieser Leiter, der 1847 nach Trakehnen versetzt wurde, war ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass in Ostpreußen nun der Typ des Trakehner Pferdes mit einem hohen (englischen) Vollblutanteil herangezüchtet wurde. Unbekannt war bisher auch, dass August v. Schwichow mit der Sassenbergerin Maria Gertrud Kock einen unehelichen Sohn hatte.image0.jpeg

Waren es im Februar 1826 nur 24 Hengste, die erst einmal für beide Westprovinzen Preußens ausreichen mussten, so wuchs die Hengstzahl sehr schnell, um ab ca. 1870 regelmäßig knapp unter 100 zu betragen. Naturgemäß befasste sich der Vortrag denn auch mit dem Neubau des Gestüts ab 1883 auf dem heutigen Gelände. Zu verdanken war dieser dem gemeinsamen Wirken des Leiters Erich v. Heuser (1877-1887) und des Bürgermeisters Wilhelm Diederich, der trotz angespannter Haushaltslage durchsetzte, dass städtische Mittel für den Grunderwerb bereitgestellt wurden, - eine fürwahr weitsichtige Entscheidung.

Fünf der sieben Leiter hatten vorher als Kavallerie-Offiziere unterschiedlich lange Truppendienste geleistet, alle sieben waren evangelischer Konfession, aber ansonsten unterschieden sie sich in vielerlei Hinsicht, so dass es nicht möglich ist, einen bestimmten Typus zu entwickeln, - außer: Alle wurden seitens der Verwaltung intensiv auf ihre verantwortungsvolle Tätigkeit vorbereitet.

Grundlage des Vortrags ist eine Darstellung, die mit allen nötigen Nachweisen versehen in dem nächsten Band der Warendorfer Schriften erscheinen wird.

Bilder und Bericht: Heimatverein Warendorf

  

Der Anfang des nordrhein-westfälischen Landgestüts in Warendorf
von Dr. F. Bernward Fahlbusch (24. 7. 2026)

Am Freitag, den 17.2.1826 gegen 15.00, trafen in Warendorf die ersten 24 Hengste für das neu errichtete Hengstdepot (Landgestüt) ein. Sie waren zuvor in Neustadt/Dosse zusammenzogen worden: 14 aus dem Lithauischen Hauptgestüt, 2 aus Neustadt, 2 aus Graditz und 6 aus Privatgestüten, zudem 2 Zugpferde. Per Wagen wurden v.a. die Schmiedeutensilien transportiert. Wegen strenger Kälte war der Abmarsch in Neustadt um einige Tage auf den 1.2. verschoben worden. Üblicherweise war jeder 4. Tag ein Ruhetag, so dass im Schnitt pro Tag 30 km bewältigt wurden. Da der Winter 1825/26 in Westfalen ungewöhnlich warm (und regenreich) war, darf man von einem Transport ohne Zwischenfälle ausgehen.

Seit 1816 hatten sich die Oberpräsidenten der neuen preußischen Provinzen (Westfalen und Rheinprovinz), besonders der Münsterer Oberpräsident Frhr. Vincke, bemüht, ein Landgestüt zur Verbesserung der hiesigen Pferdezucht zu erhalten. 1824 genehmigte die Regierung in Berlin endlich eine solche Einrichtung. Als Standort war lange Zeit Schloss Benrath bei Düsseldorf vorgesehen, aber als im Frühjahr 1825 der Warendorfer Kavalleriestall durch Verlegung der Kürassiereskadron in die neu gebaute Kaserne in Neuhaus (bei Paderborn) frei geworden war, geriet ab August 1825 Warendorf als sofort nutzbarer Standort in die Überlegungen und bekam letztlich (gegen Liesborn) den Zuschlag.

Geführt wurde der Zug vom Neustädter Gestütsinspektor Heinrich Köhne. Begleitet wurde er von seinem Sattelmeister August Ferdinand Huth und 9 aus Neustadt sowie 3 aus Graditz abgeordneten Gestütsknechten. Sie trafen rechtzeitig ein, um die erste Decksaison in Westfalen und Rheinland zu bestreiten. Voller Begeisterung meldete noch am 17.2. der Warendorfer Landrat, dem die Dienstaufsicht vor Ort übertragen war, das Eintreffen dem Oberpräsidenten Vincke in Münster und betonte besonders den Gesundheitszustand und die Qualität der Hengste. Vincke selber traf bereits am folgenden Sonntag in Warendorf ein, Köhne zu begrüßen und das Ergebnis der jahrelangen Bemühungen in Augenschein zu nehmen.

F. Bernward Fahlbusch

Schrifttum: F. Bernward Fahlbusch, Die Warendorfer Gestütsleiter im 19. Jh. – Biographische Anmerkungen, in: Warendorfer Schriften 55/56, 2026 (im Druck).

Bild: M. Rinschen (2011)

 

Das NRW - Landgestüt - mehr als 180 Jahre im Dienst der Pferdezucht

Landgestüt Warendorf: Haupteingang Brandenburg
Das Nordrhein-Westfälische Landgestüt Warendorf blickt inzwischen auf eine mehr als 180-jährige Geschichte zurück. 1826 wurde es auf Wunsch der Züchter Westfalens und der Rheinprovinz gegründet und war damit das erste Preußische Landgestüt im Westen. Nach Kriegsende ging es in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen über und ist heute dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Die Aufgabe des Landgestütes ist jedoch seit seiner Gründung im Grundsatz unverändert geblieben. Sie besteht darin, den Pferdezüchtern qualitätvolle und genetisch interessante Hengste gegen ein angemessenes Deckgeld zur Verfügung zu stellen. Oberstes Ziel ist dabei der Zuchtfortschritt.

Landgestüt Warendorf: RondellSeit mehr als zehn Jahren wird das Gestüt von der Diplom-Agraringenieurin Susanne Rimkus geleitet. Sie ist die erste und bisher einzige Landstallmeisterin Deutschlands und „Herrin“ von rund 100 zuchtaktiven Hengsten. Neben den Warmbluthengsten und den beiden Vollblütern stehen auch eine stattliche Anzahl an Kaltbluthengsten und ein Sennerhengst in den Ställen des Gestüts. Bei diesen Rassen liegt der Aufgabenschwerpunkt im Erhalt von wertvollen Genen. Etwa 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Hälfte davon sind Beamte, betreuen und versorgen die Hengste. Hinzu kommen 20 Auszubildende, die hier den Beruf des Pferdewirtes Schwerpunkt Reiten oder Schwerpunkt Zucht und Haltung erlernen.

 

Dem Gestüt angegliedert ist die Deutsche Reitschule. Sie ist das „Zentrum der Berufsreiterei“, und bietet Fortbildungs- und Prüfungslehrgänge für Berufsreiter, Amateure und Turnierfachleute an. Landgestüt Warendorf: SextettMit Ausnahme der bayerischen Absolventen muss hier jeder künftige Pferdewirt – Reiten seine Abschlussprüfung ablegen, auch internationale Reitsportgrößen wie etwa Marco Kutscher oder Christian Ahlmann haben in der Deutschen Reitschule ihren Bereiter „gemacht“. Da nicht jeder der Prüflinge über ein eigenes Pferd verfügt, gehören etwa 50 Hengste und Wallache zum Lehrpferdebestand der Schule. Insgesamt bietet das Landgestüt auf seinem acht Hektar großen Gelände an der Sassenberger Straße Platz für 160 Pferde.

Die Decksaison dauert von Februar bis August. In dieser Zeit steht ein Teil der Hengste auf den 22 Deckstellen bzw. Besamungsstationen in Westfalen und im Rheinland. Zu den Kunden zählen aber auch Züchter aus anderen Teilen Deutschlands, aus ganz Europa, den USA und Australien und seit kurzem sogar aus Vietnam. Nachkommen von Warendorfer Vererbern sind begehrt und Partner für alle Sparten des Pferdesports. Landgestüt Warendorf: Quadriga auf der HengstparedeBei vielen Olympiasiegern, Welt- und Europameistern finden sich die Namen von Warendorfer Landbeschälern in den Ahnentafeln.

Neben dem Zuchteinsatz werden zahlreiche Warendorfer Hengste auch auf Turnieren vorgestellt und sind von den Basis- und Aufbauprüfungen bis hin zur schwersten Klasse erfolgreich. In diesem Jahr nahmen Landbeschäler unter anderem bei den Bundeschampionaten („Deutsche Meisterschaften der jungen Pferde“), und den Weltmeisterschaften junger Dressurpferde teil. Auch bei dem Pferdesportereignis des Jahres 2006, den Weltmeisterschaften in Aachen, waren Warendorfer Hengste dabei: Allein 18 Hengste plus Reiterinnen und Reiter stellte das NRW-Landgestüt für die große Dressurquadrille der deutschen Landgestüte zur Eröffnung der WM. Landgestüt Warendorf: Fahrschule auf der HengstparadeAn drei Sonntagen und einem Mittwoch – jeweils Ende September / Anfang Oktober – lädt das Landgestüt Warendorf jährlich zu seinen traditionellen Hengstparaden ein. Mitte August hat das Open Air Festival, bestehend aus der „Symphonie der Hengste“ mit klassischer Musik, dem Familientag und einem Live-Popkonzert, inzwischen ebenfalls einen festen Platz im Veranstaltungskalender gefunden. Jedes Zuchtjahr wird zudem mit einem „Tag der offenen Tür“ eröffnet, zu Beginn der Decksaison stehen auch zahlreiche Hengstschauen, wie etwa die „Warendorfer Züchtersonntage“, auf dem Programm. Aber auch an ganz „normalen“ Tagen ist das Landgestüt immer einen Besuch wert: Die Außenanlagen können jederzeit besichtigt werden, die denkmalgeschützten Stallgebäude sind während der Dienstzeiten ebenfalls für jedermann zugänglich.
 Überblick über die Geschichte des Landgestüts seit 1826

Der Heimatverein Warendorf dankt der Leitung des Landgestüts dafür, dass sie die Informationen und die Bilder von dieser bedeutenden Warendorfer Institution für seine Website zur Verfügung gestellt hat.

Text und Bilder: NRW Landgestüt (c) 2007

Anmerkung des Heimatvereins Warendorf:
1952 bis 1957 war bereits im Langestüt Redefin mit Herta Steiner eine Frau mit der Leitung  betraut. Redefin war damals ein Landgestüt in der DDR. (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Landgest%C3%BCt_Redefin )

Interessantes und Aktuelles vom Heimatverein Warendorf

Hier zum Herunterladen:
Der neue KIEPENKERL 2025

Geschichtswerkstatt des Heimatvereins Warendorf in Zusammenarbeit mit der VHS Warendorf
Thema: Verschwundene Orte in Warendorf (Kurs II)
Ort: VHS Warendorf, Freckenhorster Str. 43, 48231 Warendorf
Neue Termine: Montags,
19.10.; 2.11.; 16.11.

Die wunderbare Tante Sophie
Erinnerungen von Mechtild Wolff

Struwenessen am Karfreitag beim Heimatverein Warendorf:
Das traditionelle Karfreitagsgericht der Warendorfer köstlich zubereitet von Marie-Luise Mönnigmann und ihrem Team

Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Warendorf

Die Affhüppen-Kapelle – eine architektonische Schönheit der Neugotik in Vohren
von Mechtild Wolff

Vortrag von Dr. Dirk Ziesing (Bochum):
"Warendorf – Westpreußen – Waterloo"

Zum 200jährigen Jubiläum des Landgestüts:
Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg
von Mechtild Wolff

Das Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ende
von Mechtild Wolff

Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not
von Mechtild Wolff

Der neue "Kiepenkerl" 2025 mit aktuellen Berichten aus Warendorf und der Arbeit des Heimatvereins erscheint zum Herunterladen online auf der Website des Heimatvereins

Stellungnahme des Heimatvereins Warendorf zum Bau der neuen Bundesstraße B64 n (Umgehung Warendorf)

Vortrag zur Ahnenforschung

Antrag des Heimatvereins Warendorf an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Warendorf bezüglich der Benennung bzw. Umbenennung von Straßen

 

  

 

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48231 Warendorf
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