Wanderungen in Warendorf mit Norbert Funken:
Auf schmalen Pfaden rund um Warendorf

In der Bevermark - Mit Kindern im Nordwesten Warendorf - Durch die Velsener und Gröblinger Mark - Über die Hügel in Dackmar - Wanderung um das Gut Bockholt - Zwischen Ostbezirk und Hägerort - Über Sandwege zu den Hügelgräbern - Zwischen Golfplatz und Ems - Wasserwelt im Westen Warendorfs - Durch einen dunklen Wald über ein weites Feld

 

„Ketting und Einschlag“ 1950-1963
Werkzeitung der Inlettwebereien H. Brinkhaus Warendorf, Sassenberg, Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Es war eine kluge und mutige Entscheidung der Geschäftsleitung der Firma H. Brinkhaus, schon 1950 eine Werkzeitung herauszubringen. „Ketting und Einschlag“ sollte sie heißen und viermal im Jahr erscheinen, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter.

Die Zahl der Werksangehörigen schnellte in den 1950er Jahren rasant in die Höhe. 1957 war die Schallgrenze von 1000 Betriebsangehörigen überschritten, von denen über die Hälfte nach dem Krieg zu Brinkhaus gekommen waren. Nie hatte es solch eine bunte Zusammensetzung der Werktätigen gegeben! Hunderte von Flüchtlingen und Vertriebenen hatten in der Firma Arbeit gefunden. All diese Werksangehörigen sollten echte Brinkhäusern werden, ihnen sollte die Vergangenheit und die Gegenwart der Firma vertraut gemacht werden. Außerdem sollte „Ketting und Einschlag“ eine Verbindung schaffen zwischen den drei Werken Warendorf, Sassenberg und Freckenhorst.

Es war ein Glücksfall, dass der Historiker Dr. Paul Casser die Redaktion übernahm. Er erstellte eine fortlaufende Chronik der Firma Brinkhaus und schlug gleichzeitig einen Bogen zu den Ereignissen in Warendorf, Westfalen und Deutschland. Der Schwerpunkt der kulturellen Beiträge lag in der Erforschung der für Warendorf sehr bedeutsamen Leinewebervergangenheit und der industriellen, textilen Gegenwart.

Das erste Heft startete mit dem Werden und Wachsen der Firma H. Brinkhaus, angefangen im Gründungsjahr 1847 in Warendorf, dem Bau der neuen Fabrik 1879 an der Ems und den Gründungen der Zweigwerke 1898 in Sassenberg  und 1907 Freckenhorst. Vier Generationen haben für den Aufstieg dieser Werke hart gearbeitet und es war oft schwer genug, die Firma über Notzeiten zu retten. So überlieferte die Werkzeitung ein Bild von der spannenden Geschichte der Firma Brinkhaus. In vielen Artikeln machte die Geschäftsleitung und die Betriebsleitung die technischen und sozialen Neuerungen verständlich, damit jedem Mitarbeiter klar wurde, dass neue Zeiten neue Erkenntnisse bringen und die Firma nur durch moderne Technik und Rationalisierung den Konkurrenzkampf bestehen kann.

Auch die „Brinkhäuser“ trugen mit ihren Berichten über Betriebsfeste, Kinder-feste und Lehrlingsfahrten, über die Werkbücherei und die Betreuung der Kranken und der Familien, aber auch von Urlaubsreisen und besonderen Erlebnissen zum Erfolg der Werkzeitung bei. Die ausländischen Mitarbeiter erzählten von ihrer Heimat und auch die politische Situation unseres Landes wurde thematisiert. Es fehlte nicht an lustigen Ereignissen aus der Werkgemeinschaft, denn Witz und Humor würzen den Alltag.

 
Der Chef Hermann Gustav Brinkhaus Bereitetdie Lehrlinge auf die Prüfung vor 
 
Eine besondere Aufgabe sah „Ketting und Einschlag“ in den Berichten über die Werktätigen. Viele Jahre lang hat Hermann Josef Brinkhaus dafür verantwortlich gezeichnet, dass über Geburtstage, Hochzeiten, Silber- und Goldhochzeiten, Kindtaufen und die Verstorbenen der Werkfamilie ausführlich berichtet wurde. Niemand wurde vergessen, dafür sorgten auch Bruno Reimer und Bernhard Weyer aus der Lohnbuchhaltung.

In ausführlichen Lebensbeschreibungen wurden die Silberjubilare, die 40-jährigen Jubilare und die Goldjubilare vorgestellt und ihre Verdienste gewürdigt. In „Ketting und Einschlag“ erwähnt worden zu werden war wie ein Ritterschlag.

Eine besondere Aufgabe sah die Firma in der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen. In jeder Ausgabe von „Ketting und Einschlag“ fand sich eine meist

sehr bewegende Erzählung über das Schicksal und die Erlebnisse der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge.

Die Zeitschrift war Mittler zwischen dem Betrieb und den Familien und unterstützte den Betriebsstolz und die Betriebstreue der Belegschaft. Sie war ein echtes Bindeglied aller Brinkhäuser. Ja, die „Brinkhäuser“ waren mit Recht stolz auf ihre Werkzeitschrift „Ketting und Einschlag“ und freuten sich auf jede neue Ausgabe.

 

Feierabend bei Brinkhaus

Mechtild Wolff; Quelle:  „Ketting und Einschlag“ - Werkzeitung der Firma H. Brinkhaus, 1950 -1963

 

 

Hochwasserkatastrophen in Warendorf: 1891 - 1946 - 1956 - 1960
von Mechtild Wolff

 


1946 die große Flut - Land unter bei der Firma Brinkhaus
Gemälde von Wilhelm Götting

 

Auch über Hochwasserprobleme wurde in „Ketting und Einschlag“ ausführlich berichtet. Im Februar 1946 wurde Warendorf von einem noch höheren Hochwasser heimgesucht, als es 1891 gewesen war. Die Rahmenbedingungen waren ungünstig, der Boden war gefroren und konnte kein Wasser aufnehmen. Zu dem tagelangen Regen kam noch das Schmelzwasser. Das Hochwasser setzte den Betrieb Brinkhaus vollständig unter Wasser, das gesamte Werksgelände war ein großer See. In der Weberei stand das Wasser 80 cm hoch. Die drei Flüchtlingsfamilien in den Baracken vor der Firma mussten ihre Bleibe Hals über Kopf verlassen und fanden Zuflucht bei den Nachbarn, die tatkräftig halfen, die lebensnotwendige Habe aus den Fluten zu retten.

Im Sommer 1956 versetzte wieder ein ungewöhnlich lang andauerndes Sommerhochwasser die Stadt und die Firma Brinkhaus in Angst und Schrecken. Durch die langen und heftigen Regenfälle hatte die Ems einen ständig hohen Wasserstand und Hochwasserstände, wie sie sonst nur im Winter zu verzeichnen sind. Es fehlten nur wenige Zentimeter und die Firma hätte wieder „Land unter“ melden müssen. Die Eingänge zum Websaal wurden mit Sandsäcken verbarrikadiert, um die wertvollen Maschinen vor Wasserschaden zu schützen. Wasser in der Weberei hätte einen langen Produktionsausfall zur Folge gehabt. Gott Dank hörte es dann auf zu regnen und der Wasserspiegel sank. Es war noch einmal gut gegangen. Hermann Gustav Brinkhaus konnte sein Zuhause allerdings nur noch mit dem Boot erreichen, Haus Bleiche war eine Wasserburg geworden.

Nun drängte die Geschäftsleitung der Firma Brinkhaus darauf, dass die Regulierung der Ems oberhalb der Stadt fortgeführt werden sollte. Sie war während des Krieges liegen geblieben. Das geschah dann auch in den Folgejahren.

Wie wichtig ein wirksamer Schutz ist zeigte die Dezemberflut von 1960. Wieder bedrohten die Wassermassen die Firmengebäude. Freiwillige Helfer errichteten bei strömendem Regen einen Schutzwall aus Sandsäcken entlang der Ems. In den Büros wurden wichtige Akten gesichert und die hochempfindlichen, kostspieligen IBM Maschinen, die mehr als 25 Zentner wogen, wurden unter Aufsicht von IBM Technikern hochgehievt. Für dieses Mal hat der Sandsackwall den Betrieb vor den Emsfluten gerettet, aber dieser Gefahr durfte sich die Firma nicht noch einmal aussetzen. 

Im Frühjahr 1961 begann die innerstädtische Regulierung der Ems. Im Bereich der Firma Brinkhaus sollte eine Spundwand vor erneuten Überschwemmungen schützen. Dafür mussten die alten Linden am Emsufer gefällt werden, die Hermann Josef Brinkhaus vor 80 Jahren bei der Gründung der Firma gepflanzt hatte. Viele „Brinkhäusern“ beobachten die Fällung mit Wehmut. Wie oft waren sie auf diesem lindenumsäumten Weg entlang der Ems zu ihrem Arbeitsplatz gegangen!

 

      

 

Nun konnten die neun Meter langen Stahlspunde in die Erde gerammt werden. Sie waren an den Seiten mit Führungsnuten versehen, um ineinandergreifen zu können. Auf ihr wurde eine „freundliche Mauer“ errichtet. So entstand eine massive Wand „ein Zwangspanzer für die Ems, unsere mitunter allzu widerspenstige und mutwillige Nachbarin“, so berichtete Hermann Dieter Brinkhaus in „Ketting und Einschlag“. Die hohen Mehrkosten für die Spundwand trug die Firma Brinkhaus. Sechs Wochen lang dauerte das Einrammen der Spundwand, sechs Wochen lang bebte so mancher Schreibtisch in den Büros der Firma Brinkhaus, dann war der gesamte Uferabschnitt bis zur Straße gesichert - ein entscheidender Beitrag zu „der Widerspenstigen Zähmung“.

 

 

Natürlich hat es immer wieder Hochwasser in Warendorf gegeben, aber die Schutzmaßnahmen für den Betrieb Brinkhaus haben sich bewährt - sogar 1984 bei einer der folgenreichsten Überschwemmungen, als die Wirtschaftsschau auf dem Lohwall in den Emsfluten versank. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Ausstellung im Überschwemmungsgebiet der Ems aufgebaut worden war. Die für den Hochwasserschutz entscheidende Maßnahme war der Bau des Emssees im Jahr 1974, der im Zusammenspiel mit der Überlaufschwelle und dem gefluteten Lohwall die Wassermassen an der Altstadt vorbeileitet. Bis heute gewährleistet dieses System einen wirksamen Hochwasserschutz für Warendorf.

 

Mechtild Wolff

 

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