Bericht über die Bürgerinformation zur künftigen Nutzung der Emsinsel am Samstag, den 12. 5. 2019
von Wolfgang Reisner


Wünsche der Warendorfer Bürger

            

Die Entscheidung über die künftige Nutzung der Emsinsel, der Industriebrache Brinkhaus, steht an. Nach der Verlagerung der Produktion nach Kostrzyn in Polen im Jahre  2004  und dem späteren Konkurs der Firma Brinkhaus ist die  4,2  ha große Fläche, nachdem sie lange in der Hand des Konkursverwalters war, jetzt vom Steinfurter Bauunternehmer Arning erworben worden. Verschiedene Vorschläge zur künftigen Nutzung dieses „Filetstückes“ der Stadt Warendorf wurden in den vergangenen Jahren geäußert. Eine von der Stadt ausgerichtete Planerwerkstatt mit drei Architekturbüros brachte unterschiedliche Pläne für eine mehr oder weniger dichte Wohnbebauung. Ein von der Stadt vorgeschlagener Gutachter, der von der Bövingloh-Immobilien GmbH, die damals ein Vorkaufsrecht für die Fläche besaß,  bezahlt wurde, kam 2014 zu dem Ergebnis, dass 5.400 Quadratmeter Gewerbefläche (Supermarkt, Boutiquen, Café mit Emsterrassen) verträglich für den Einzelhandel in der Altstadt seien.  Die CDU-Ratsfraktion  befürwortete  damals zumindest 3.000 Quadratmeter Gewerbefläche und zusätzliche Wohnbebauung.

Im Jahre  2011 bewarb sich auf Anstoß aus der Bürgerschaft, unter anderem auf Antrag des Heimatvereins, die Stadt Warendorf  um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2017. Dabei sollte eine renaturierte Industriebrache Brinkhaus das Kernstück bilden. Die Bewerbung scheiterte vor allem daran, dass die Stadt die Fläche nicht erwarb.

In einem Arbeitskreis Neue Emsinsel erarbeiteten u.a.  Heimatverein  Warendorf,  Kneippverein Warendorf, Altstadtfreunde Warendorf, NABU (Naturschutzbund Deutschland) – Kreisverband Warendorf, BUND – Kreisgruppe Warendorf und die Textilgruppe der ehemaligen Brinkhäuser Vorschläge für eine künftige Nutzung der Emsinsel, die auf einen Erhalt der historischen Bausubstanz und wegen des alten Baumbestandes im Osten der Betriebsfläche auf eine Erweiterung des Emsparks hinausliefen.

Vor der Bürgerinformation am Samstag, 11.5., hatten im Rahmen des von der Stadt betriebenen Werkstatt- und Moderationsverfahren alle betroffenen Institutionen von der Wohnungsbaugenossenschaft Warendorf, dem NABU Kreisverband Warendorf, dem Heimatverein Warendorf, dem Caritasverband, dem Kneippverein Warendorf, den Altstadtfreunden Warendorf bis zur Jury für den Altstadtfonds (für die Interessen von Eltern und Migranten in der Altstadt), dem Arbeitskreis Neue Emsinsel, der BUND Kreisgruppe Warendorf, Wiwa (Wirtschaft für Warendorf) und einem Verein für Freizeitservice und Jugendarbeit (VFJ) Gelegenheit, ihre Auffassungen darzulegen.

In der anschließend auf 90 Minuten angesetzten Bürgerinformation präsentierten die von der Stadt beauftragten Planungsbüros  zunächst die Ergebnisse der „Öffentlichkeitsbeteiligung“, bei der 1.472 Bürger die vorgedruckten Postkarten ausgefüllt und noch einmal 1.296 Bürger online ihre Vorstellungen geäußert hatten. Nach einem Schaubild entfielen die meisten Vorstellungen der Bürger auf die Bereiche Stadtpark und Natur, Schaffung einer Uferpromenade, Ansiedlung von Gastronomie und Sport und Erlebnis-Freizeit. Trotz dieser deutlichen Präferenz der Bürgerschaft trugen die Planer an erster Stelle die Erweiterung des zentralen Versorgungsbereichs Altstadt, dann die Schaffung eines zentrumsnahen Wohnviertels  und Nutzungsmischung mit Wohnen in unterschiedlichen Ausprägungen vor.  Erst an vierter Stelle kam ein Bürgerpark mit öffentlich zugänglichen Nutzungen in historischen Gebäuden. In der kurzen Diskussion wurde auf die Frage nach den Vorstellungen des Eigentümers/Investors nichts Konkretes vorgelegt. Es wurde nur darauf hingewiesen, dass es ein Glücksfall sei, dass die Fläche ein Mensch erworben habe, der an einer am Gemeinwohl orientierten Nutzung interessiert sei, und nicht von einem Hedgefonds. Man räumte allerdings ein, dass der Eigentümer natürlich  seinen Wert aus dem Boden ziehen wolle.  Ähnlich äußerte sich der CDU-Ratsherr Schäpermeier.

Auf Beifall  aus dem Saal stieß die Aussage von Herrn Hoffschröer von einem der Planungsbüros, dass man bei den möglichen Szenarien für eine künftige Nutzung großflächigen Einzelhandel bereits jetzt ausschließe.  Aussagen von Teilnehmern der Diskussion, die sich gegen eine Wohnbebauung aussprachen, wurden ebenfalls mit Beifall einer großen Mehrheit der Anwesenden unterstützt. Sowohl die Frage, was von den historischen Fabrikhallen  mit ihren Sheddächern erhaltenswert sei als auch ein Szenarium, das das Thema „Grün“ beleuchte, sollen von den Planungsbüros noch kritisch untersucht werden.

 

Neu:
Die Textilverleger in Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Als die Freckenhorster noch in erster Linie von der Landwirtschaft lebten und nur gelegentlich Leinen-ballen auf dem Markt verkauften, mussten sie oft zu Fuß bis nach Münster laufen, um dort bessere Preise zu erzielen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Beruf des Webers. 1809 wurden in Freckenhorst 219 Handweber registriert. Diese Weber hatten zwar noch Landwirtschaft, die Erträge aus der Weberei wurden aber immer wichtiger. Je mehr man webte, umso besser konnte die Familie versorgt werden. Deshalb ließen die meisten Weber ihre Webwaren durch einen Leinenhändler verkaufen, den man Verleger nannte. Diese Textilverleger verkauften die Ware schneller und erzielten auch bessere Preise. Sie verdienten am Handel recht gut, darum waren sie bestrebt, die Weber an sich binden, indem sie ihnen das benötigte Garn zur Verfügung stellten und ihnen bei Bedarf auch Vorschüsse zahlten. Gute Garnzuteilungen hatten außerdem den Vorteil, dass die Webwaren eine gleichmäßige Qualität hatten. Diese Leinwand brachten die Verleger dann zu ihren Kunden bis ins Ruhrgebiet, an die Nordsee und nach Holland. Zuerst gingen die Tuchhändler zu Fuß, so, wie es die Tödden aus der Gegend von Mettingen taten. Waren sie aber wohlhabender geworden, kauften sie Pferd und Wagen. Das war aber bei den wenigsten Leinenhändlern im ländlichen Raum der Fall.

Schon seit 1700 wird von dem Linnentuchmacher, Tuchmacher und späteren Leinen- und Plüschweber Zurwieden berichtet. 1814 gehörte er zu den wenigen Webern, die zwei Handwebstühle besaßen und als Verleger tätig waren. Eine andere Verlegerfamilie in Freckenhorst war die Familie Heuveldop, die in ihrem großen Fachwerkhaus mitten im Dorf die Leinen- und Nesselballen lagerte, um sie dann zu verkaufen. Die Garne stellte auch Heuveldop den Webern zur Verfügung. Später wurde in diesem Haus eine Faktorei eingerichtet, wo mehrere Weber im Lohn arbeiteten. Im Nebenhaus betrieb die Ehefrau einen Gemischtwarenladen, in dem Textilien verkauft wurden, aber auch Lebensmittel und Brandwein.

 

Leserbrief zur Bebauung des Brinkhaus-Geländes
von Mechtild Wolff (1. 5. 2019)

Können Sie sich vorstellen, dass die Stadtväter und Mütter von London einen Teil des Hyde-Parks verkaufen, um stadtnahen Wohnraum zu schaffen oder dass die Stadt New York Grundstücke im Central-Park verkauft, um dort ein Bürohochhaus zu errichten? Selbst als die Stadt New York pleite war, wäre das nie in Frage gekommen, denn jeder Verantwortliche weiß, wie wichtig stadtnahe Grünanlagen für die Bürger sind.

Nur in Warendorf ist das anders! Unsere Verwaltung und die Mehrheit unseres Rates lehnen den Kauf des Brinkhaus-Geländes ab - aus finanziellen Gründen, wie sie sagen. Nur glauben kann das niemand, denn es gibt bis zu 80% Zuschüsse für die Neugestaltung einer Industriebrache. Kein Wunder, dass die Gerüchte über die wahren Gründe ins Kraut schießen!

Warum wäre die bürgerfreundliche und naturnahe Gestaltung der Emsinsel so wichtig für Warendorf? Die Gebäude der Firma Brinkhaus bilden heute einen Pfropf in der durchweg grünen Emsaue und sind eine Barriere im Zugang zum Emspark. Eine kluge Stadtplanung würde sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen, den Emspark hier zu öffnen und auf dem neu erworbenen Gelände attraktive  Freizeitmöglichkeiten auch für Jung und Alt zu schaffen. So könnte Warendorf mal wieder einen „Pusch“ bekommen, den es dringend nötig hätte.

Aber „April, April“, die Stadtverantwortlichen werden Wohnbebauung, ja vielleicht sogar gewerbliche Bebauung genehmigen, und das möglichst hoch und möglichst eng aneinander - nur so kann der Investor Geld verdienen. Die „Neue Ems“ wird durch den Emspark geleitet und sorgt für Hochwasserschutz im neuen Baugebiet - alles prima vorbereitet.

Die Bürger gucken in die Röhre, der Traum von einer Attraktivierung des Emsparks ist dann ausgeträumt - die Emsinsel ist eben doch nicht für alle da.

Die Freckenhorster Handweber
von Mechtild Wolff

Blühender Raps
 

Die Freckenhorster Bevölkerung hat viele Jahrhunderte lang vom Weben gelebt, zuerst von der Handweberei und später von der Textilindustrie. Begonnen hat die Geschichte der Weberei schon in vorchristlicher Zeit auf den Hofansiedlungen und in den Wohnhütten. Am heutigen Kottrup-See in Warendorf fanden 1951 die Archäologen bei den Ausgrabungen eine Sachsensiedlung aus der Zeit um 600 n.Chr. mit Weberhütten, in denen Spinnwirtel, Scheren und Webgewichte gefunden wurden. Auch in Freckenhorst klapperten auf den Bauernhöfen und im Dorf viele Webstühle. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit wurde vor allem im Winter erst nur für den Eigenbedarf gewebt. Man webte alles selber, die Kleidung, die Wäsche, die Bett- und Tischwäsche, ja, auch die Dinge des täglichen Gebrauchs vom Kartoffel-sack bis zum Bettvorleger. Vieles hätte man auch damals schon kaufen können, aber dafür brauchte man Bargeld, und das war ein sehr knappes Gut. Die Schafe lieferten genügend Wolle für die warme Winterkleidung und im Sommer trug man Kleidung aus Leinen. Natürlich wurde das Leinengarn auch selbst gesponnen, das machten die Frauen. An den Webstühlen saßen auch die Männer. Eine sehr alte Quelle sagt: „Wenn der Hauswirt die müßigen Stunden des Tages am Webstuhl arbeitet, so geschieht das immer in Gesellschaft einer Menge von Spinnerinnen, die aus Weib und Kind besteht, bloß nur mit Ausschließung der Säuglinge.“

Die Leineweberei war in unserer Gegend schon seit Jahrhunderten von großer Bedeutung. Die Böden eigneten sich gut zum Anbau von Flachs, den man auch „Lein“ nannte. Aus diesem Flachs wurde die Leinenfaser gewonnen. Jeder Bauer baute auf seinen Feldern Flachs an, einige im großen Mengen, die meisten nur für den Eigenbedarf.

Die Gewinnung der bastartigen Leinenfasern allerdings war sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Die vielen Arbeitsschritte hören sich schon sehr kompliziert an: Das Raufen (aus der Erde reißen) das Teichen, Röthen, Brechen, Bocken, Schwingen und Riffeln und Hecheln. All das musste gemacht werden, um die feste Rinde der Pflanze zu entfernen, damit die innen liegende Leinenfaser freigelegt wurde. Über die Jahr-hunderte hat sich die ländliche Bevölkerung hohe Fachkenntnisse er-worben. Das war sehr wichtig, denn nur bei rich-tiger Handhabung konnte eine schöne, glänzende Leinenfaser gewonnen werden, die dann auf dem Spinnrad zu einem hochwertigen Leinenfaden versponnen wurde. Die Hauptspinnzeit war der Winter, wenn die Feldarbeit ruhte.

Nicht nur auf den Bauernhöfen, auch in der Stadt wurde gesponnen und gewebt. Immer mehr Flachs und auch fertiges Leinengarn wurde in die Städte geliefert und in Freckenhorst stand in vielen Häusern ein Webstuhl. Freckenhorst wurde ein bedeutendes Weberzentrum.

Viele dieser Weberhäuschen verfügten nur über einen einzigen Raum mit einem Kamin. In diesem Raum stand der Webstuhl, der den ganzen Tag von einem der Familienmitglieder betrieben wurde, auch von den Kindern. Oft stand der Webstuhl in einem tiefer gelegenen Raum unter der „Upkammer“, der immer etwas feucht war, weil er nur einen festgestampften Lehmfußboden hatte. Die Feuchtigkeit erleichterte das Weben, denn das Leinengarn blieb geschmeidiger.

Dieser Webstuhl gehörte meistens dem Weber, oft war er aber Eigentum eines Woll- und Leinentuchhändlers, der auch das Leinengarn lieferte und den Webern die fertigen Leinenballen abkaufte.

 

Das Portrait:
Dr. Franz Kroos   (31.8.1908  (Münster) - 18.7.1985 (Warendorf)
von Mechtild Wolff

Franz Kroos wurde 1908 in Münster geboren, besuchte dort das Gymnasium Paulinum und studierte nach dem Abitur Zeitungs-wissenschaften, eine damals ganz neue Wissenschaftssparte.

Trotz der Weltwirtschaftskrise gelang es ihm, für ein Jahr in die USA zu gehen, um dort modernes Pressewesen zu studieren. Hier lernte er einen umfassenderen Blick auf die in Unordnung geratene Welt. Mit seiner Promotion schloss er 1933 sein Studium ab - eine schwierige Zeit für einen tief in der christlichen Ethik verhafteten jungen Zeitungswissenschaftler.

Franz Kroos suchte eine Nische und entschied sich für den Dienst in der Kirche. Er folgte dem Ruf des Bischofs von Fulda und übernahm die Schriftleitung des „Bonifatiusboten“ - in der NS Diktatur „eine Gradwanderung zwischen Leben und Tod“, wie er selber sagte. Widerwillig folgte er dem Ruf zu den Waffen - Krieg und russische Gefangenschaft wurden eine bittere Zeit für ihn.

Aber er überlebte und begann nach dem Kriege als Verlagsleiter bei Regensberg in Münster, einem Verlag, der unter der Naziherrschaft nicht systemkonform gewesen war. Mit 41 Jahren machte ihn Bischof Michael Keller zum Chefredakteur der neugegründeten Kirchenzeitung „Kirche und Leben“, die zu einer der besten und auflagenstärksten Kirchenzeitungen Deutschlands wurde. Einen Namen machte sich Franz Kroos durch seine Beiträge in führenden Presseorganen, insbesondere durch seine Biographien bedeutender Zeitzeugen.

Auch im Ruhestand ab 1973 legte er die Hände nicht in den Schoß. Er übernahm vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten in Kirche und Gesellschaft. Besonders erwähnt werden sollten die Herausgabe des Jahrbuchs der Krippenfreunde „Die Weihnachtskrippe“ und die jährlichen Krippenausstellungen im Heimathaus in Telgte, die der Grundstein für das heutige Krippenmuseum „ Religio“ waren.

Durch die Ehe mit Elisabeth Schwerbock, der Tochter der engagierten und mutigen Ratsherrin Elisabeth Schwerbrock vom Krickmarkt, hatte Dr. Franz Kroos Warendorf zu seiner Wahlheimat gemacht. Eigentlich kehrte er in die Heimat seiner Vorfahren zurück, einer alten Greffener Bauernfamilie.

In Warendorf wurde sein schönes Haus an der Quabbe zu einem Kulturzentrum der besonderen Art. Seit 1977 war Franz Kroos stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins und kämpfte erfolgreich mit vielen anderen Heimatvereinsmitgliedern um eine altstadtgerechte Sanierung unserer historischen Innenstadt, die eben keine autogerechte Stadt werden sollte.

Eine liebenswerte Altstadt war sein Ziel, darum initiierte er den Fassaden- und Blumenwettbewerb. Der Erfolg war überwältigend, die historischen Häuser der Innenstadt bekamen mit Unterstützung des Malermeisters Jos Brandkamp einen dezent farbigen Anstrich und die „Stadt in Wiesen, Stadt in Gärten“ wurde zu einer blühenden Stadt, die immer mehr Touristen anzog. Es wäre vielleicht eine gute Idee, diesen Wettbewerb wieder aufleben zu lassen.

Besondere Verdienste hat Dr. Kroos sich um die „Warendorfer Schriften“ erworben. Es war ein Glücksfall, dass er 1978 die Schriftleitung dieser Publikation des Heimatvereins übernahm, für die er durch seine berufliche Tätigkeit prädestiniert war. In vielen eigenen Beiträgen stellte er die oft überregionalen Bezüge Warendorfs heraus. Viele weitere Forschungen und Publikationen müssten hier erwähnt werden, würden aber den Rahmen sprengen.

Dr. Paul Leidinger hat aus Anlass des Todes von Dr. Franz Kroos am 18. Juli 1985 eine ausführliche Würdigung seines Lebenswerkes in den „Warendorfer Schriften“ Nr. 16-18 veröffentlicht. Dr. Franz Kroos hat durch sein kluges Wirken wesentlich zur positiven Weiterwicklung der historischen Stadt Warendorf beigetragen.

 

Infos: Dr. Paul Leidinger: Dr. Franz Kroos zum Gedächtnis  in WS 16-18 1986-88

Mechtild Wolff 2018

 

Das Portrait:
Dr. Franz Rohleder, ein begnadeter Lehrer und engagierter Heimatfreund
3.12.1888 Coesfeld - 17.3.1975 Warendorf
von Mechtild Wolff

Dr. Franz Rohleder war in Warendorf tief verwurzelt, ja, man konnte meinten, er sei ein eingefleischter Poalbürger. Dem war aber nicht so, er entstammte einer alten Lehrerfamilie aus Coesfeld, wo er 1888 geboren wurde. Nach dem Abitur studierte er Geographie, Geschichte und Deutsch in Straßburg, Leipzig und Münster und promovierte mit einer geographischen Arbeit über die Orometrie des Rothaargebirges.

Nach Warendorf kam Dr. Franz Rohleder 1919, weil er eine Anstellung als Seminar-lehrer am Warendorfer Lehrerseminar bekam. Hier war z.B. auch der später als Heimatdichter bekannte Hermann Homann sein Schüler.  Die Schüler dieses Nachkriegsjahres 1919 waren ehemalige Soldaten aus dem 1. Weltkrieg, die in ihren grauen Röcken, jetzt allerdings ohne Rang- und Ehrenabzeichen, als Seminaristen in den  Schulbänken saßen. Sie mussten und wollten ein neues Leben anfangen und strebten den Beruf des Lehrers an.

So mancher Seminarlehrer tat sich mit dieser Situation schwer. Nicht so der neue, junge Studienassessor Dr. Rohleder. Er trat in seiner betont ruhigen Art vor die Klasse und überragte den größten der Schüler um Haupteslänge. Dazu passte so gar nicht seine merkwürdig leise Stimme, mit der Rohleder die jungen Seminaristen in seinen Fächern Deutsch, Geschichte und Erdkunde an den spannend dargebotenen Unterrichtsstoff fesselte. Er praktizierte eine ganz neue Form des Unterrichts, den exemplarischen Unterricht. Eine wichtige Erfahrung für die zukünftigen Lehrer.

Als das Lehrerseminar 1924 aufgelöst wurde und in dem alt ehrwürdigen Gebäude an der Freckenhorster Straße ein Aufbaugymnasium eingerichtet wurde, setzte sich Dr. Rohleder mit aller Kraft für diese neue Schulgründung ein und es ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass das Aufbaugymnasium hier in Warendorf trotz vieler Widerstände ein so großer Erfolg wurde.

Als die Aufbauschule mit dem Gymnasium Laurentianum vereinigt wurde, wechselte auch Rohleder in das Kollegium dieser Schule über, dem er bis zu seiner Pensionierung 1956 angehörte.

Dr. Franz Rohleder war ein Meister des Wortes, des gesprochenen und geschriebenen. Wenn er sprach - im Unterricht oder als Redner oder auch in der persönlichen Unterhaltung - immer hatten seine Worte die letzte geschliffene Form und immer zeugten sie von seinem humanistischen Geist.

Schon 1916 gehörte Dr. Rohleder zu den Mitbegründern des Westfälischen Heimat-bundes und war westfalenweit ein gefragter Vortragsredner. Auch die Stadtverordnetenversammlung in Warendorf, der er bis 1933 angehörte, hat davon sehr profitiert.

Über fünf Jahrzehnte hat Franz Rohleder das kulturelle und bürgerschaftliche Leben unserer Stadt entscheidend geprägt, ja, er wurde zu einer anerkannten Autorität in Kultur- und Heimatfragen. Seine vielseitigen Kenntnisse und Begabungen stellte er großzügig seiner Heimatstadt Warendorf und der Heimatpflege zur Verfügung. Während der NS Zeit versuchte er die Kulturgüter unserer Stadt zu retten und zu bewahren und wurde schon 1946 von der Militär-regierung mit der Erstellung eines Kreishandbuches beauftragt. 1948 war er an der Einrichtung einer Volkshochschule beteiligt, die er viele Jahre lang durch seine heimatkundlichen Arbeitsgemein-schaften und Studienfahrten bereicherte.

1951 hatte Dr. Rohleder wesentlichen Anteil an der Gestaltung des 750jährigen Stadtjubiläums der Stadt Warendorf. Die damals von ihm zusammengestellte und herausgegebene Festschrift wurde für Lehrer und Schüler ein wichtiger Leitfaden zur Erforschung der Warendorfer Geschichte. Seine wissenschaftliche Auswertung des Sachsendorfes am Hohen Ufer der Ems in Neuwarendorf war von überregionaler Bedeutung.

1954 erschienen unter seiner Schriftleitung in der Tageszeitung „Die Glocke“ die „Neuen Blätter für Orts- und Heimatkunde im Kreis Warendorf“. Hier wurde nicht nur in der Vergangenheit geforscht, sondern auch die zeitnahe Heimatpflege dargestellt. Auch die Heimatvereine des Kreises hatten hier ein Forum, ihre Arbeit vorzustellen.

Im Heimatverein Warendorf war Dr. Rohleder über Jahrzehnte ein unverzichtbares Mitglied und wurde 1972 zum Ehrenmitglied ernannt. In den Nachkriegsjahren war ihm die Integration der Flüchtlinge und die Zusammenarbeit mit dem Tatenhausener Kreis ein wichtiges Anliegen. Dafür wurde er mit der Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen geehrt und mit der Agnes-Miegel-Plakette.

 

  

1963 wurde Dr. Rohleder mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Stadt Warendorf verlieh ihm 1955 den Kulturpreis und 1968, zu seinem 80. Geburtstag, den Ehrenring der Stadt Warendorf. Es war ihm eine besondere Freude, dass er im November 1974 die Eröffnung des Heimathauses im Warendorfer Rathaus erleben durfte, denn die Museumsarbeit war ihm immer ein zentrales Anliegen gewesen. 

 

Am 17. März 1975 starb der bedeutende Heimatfreund Dr. Franz Rohleder im Alter von 86 Jahren.

 

Der Warendorfer Heimatdichter Otto Nisch schrieb anlässlich seines Ausscheidens aus dem aktiven Schuldienst ein Gedicht, das wohl für sein Lebenswerk stehen darf:

„Der Heimat Bild gerecht zu prägen,

so wie es wurde, wie es ist,

der Jugend es ans Herz zu legen,

dass sie es liebend nie vergisst.

 

Dir war es Pflicht, Berufung, Glaube.

Ein Gärtner, der den Weinstock pflegt,

damit er fruchtend trägt die Traube,

die Gott schon in den Keim gelegt.“

Otto Nisch

 Mechtild Wolff  2018

 

Quellen:

Jürgen Gojny: Heimatgeschichtliches Engagement:

                       Dr. Franz Rohleder

                       im Jahrbuch des Kreises 51. Jg 2002 S 209-215

Hermann Homann: Dr. Rohleder und Warendorf

                              in WS 6/7 1977 S.178

Paul Leidinger: Dr. Franz Rohleder 85 Jahre

                              in WS 3 1973 S.85

Freckenhorster Hefte des HV Nr. 19 2009

 

Anmerkungen:

Franz Rohleder war verheiratet mit Elisabeth Böller (1895-1962), einer Tochter des angesehenen Kaufmanns und Drogisten Heinrich Böller, der auch Großaktionär und Verwalter der früheren Gasanstalt am Wilhelmsplatz war.

Franz und Elisabeth Rohleder bauten Anfang der 1930er Jahren ein schönes Haus an der Overbergstraße 6, die auf Wunsch der hier wohnenden Seminarlehrer nach dem Begründer der Normalschule und der Lehrerausbildung Bernard Overberg benannt worden war. Hier wuchsen die vier Töchter Anneliese, Ursel, Mechtild und Monika auf. Ursel heiratete später den Rechtsanwalt Bernhard Wolff, ein Bruder meines Schwiegervaters Hubert Wolff aus Freckenhorst. Dadurch wurde Franz Rohleder „unser Onkel Franz“, der auf allen Familienfesten ein gern gesehener Gast und Unterhalter war und es sich nicht nehmen ließ, mit einer Tischrede zu brillieren.

Tante Ursel erzählte immer gern, dass ihr Vater so gerne einen Sohn gehabt hätte und ganz und gar nicht begeistert war, wenn schon wieder „nur“ ein Mädchen geboren wurde. Bei der Geburt der Jüngsten war er gerade mit seinen Skatbrüder in der Gaststätte „Niemer Everding“. Als man ihm die Geburt seiner vierten Tochter Monika verkündete, konnte er seine Enttäuschung nicht verhehlen und sagte: „All wieer nen Röevenplücker!“ und setzte seine Skatrunde fort.

Ja, Franz Rohleder war ein Freund der direkten Aussprache!

Mein Schwiegervater Hubert Wolff erzählte, dass sein Lehrer Dr. Rohleder immer stolz darauf gewesen sein, einer der wenigen Lehrer zu sein, die keinen Spitznamen hatte. Er hat wohl nie erfahren, dass die Schüler ihn heimlich „Boef“ nannten. Wie das zu interpretieren ist, ist mir nicht so ganz klar.

Beim „Kommers“, dem fröhlichen Trinkgelage der Abiturienten, wurde ja nicht nur einfach Bier getrunken, nein jedes neue Bier wurde mit einem „Tost“ versehen, meistens auf einen Lehrer, etwa so: „Ein Tost auf unseren verehrten „Boef“, der uns viel beigebracht hat und uns am eigenen Leib vorführte, wie sich ein Wespenstich anfühlt!“ Wie machte er das? Er schnappte sich einen Schüler und drehte kurz ein kleines Stückchen Haut unter den Achselhöhlen - ja, genau so fühlte sich ein Wespenstich an.

 

Der Kulturpreis der Stadt Warendorf wurde 1951 im 750. Jubiläumsjahr der Stadt Warendorf gestiftet und war mit 5000 DM dotiert. Er wurde nur einmal verliehen und zwar im Jahr 1954 gemeinsam an

Anton Aulke, den in Warendorf lebenden Studienrat des Gymnasium Laurentianum, der sich als Dichter, insbesondere mit plattdeutschen Werken einen Namen gemacht hat,

Elli Grützner, die seit 1926 in Warendorf lebende Malerin, Dr. Rudolf Schulze aus Münster, der mit seiner „Geschichte der Stadt Warendorf“ eine Stadtgeschichte veröffentlichte und

Dr. Franz Rohleder, dem langjährigen Forscher und Pfleger der heimatkundlichen Belange der Stadt Warendorf.


Grabplatte Rohleder

 

Von Pastor sine Koh
von Franz Schulte Nahrup (10. 4. 2019)

So schallere et lesten Middewiärken düört Kolpinghuus. Ernst Ruhe ut Milte brach ne ganze Liternei von de Koh und de Besökers konnen nao jede Strophe „Von Pastor sine Koh“ daoto singen. De graute Top Lüe freiere sick üöwe de lustigen Vetellsels de de Vüödriägers metbracht harren. Mathilde Kempkes met  „April, April lockt urs in den Sunnenschien“ un „De Kavalier“ von Hannes Demming ut Mönster kam von üöhr. Josef Bussmann wuss wat von Dirk Schlaumeier, de so manch Pöstchen harr und up nen Aprilscherz biet Gericht rinfallen was. Von Heinz Beckhove kam“ Int Fröhjaohr mäk dat Wiär wat et will“ Tüschkendüör wour bie de Lieder „Warnduorp auk Du büs de Aolle nicht blierwen“  un „To du junge Pättkesmann“wiee derbe sungen, well dat de Lüe süs ümmer tohöen mossen.

Wieder gongt düört Programm  met Ernst Ruhe „ met Dynamit den Aalkump lierig maken“,  Helmut Brokamp harr „Bue Piepenbrink moss de Uhr ümstellen“ un „ de trompeter inne Blaoskapell moß ne niee Bükse hemmen“.Vierle kleine Vetellsels kammen von Roswitha Wienströer.  Dat Jans met Naobers Libbet ant frieen was, poss de Öllern nich, well dat se evangelsch was. Jans gong dann auk es met Libbet an son Diek baden. Biet uttrecken dreihere he  sick ümmer üm. Dao sägg Libbet, Wat kiks du so. Jau segg Jans, Ick häw nicht wusst dat de Unnerscheid tüschken evangelsch un katholsch so graut is. De neichste Krinknomdag is an 22. Mai wiee int Kolpinghuus.