Carl Leopold und die Schnellsche Verlagsbuchhandlung 1909 - 1986
von Mechtild Wolff (14. 11. 2021)

     

Carl Leopold 
Vier Generationen vereint:Carl Leopold (Baby), rechts sein Vater Joseph Leopold, links Großvater Carl Leopold,
Urgroßvater Carl Leopold in derMitte
 
Carl Leopold mit seiner Mutter und  seinen sechs Schwestern 

Die Grabanlage der Familie Leopold erinnert an einen bedeutenden Sohn unserer Stadt, der das Kulturleben wesentlich geprägt hat, an Carl Leopold.

Er wurde 1909 als Sohn des Verlagsbuchhändlers Josef Leopold (1883-1922) und seiner Frau Laura im Stammhaus Leopold an der Oststraße geboren. Er machte 1929 sein Abitur am Gymnasium Laurentianum und hätte sich gern den Geisteswissenschaften gewidmet, aber eine Berufswahl nach seinen eigenen Wünschen und seiner Begabung konnte er sich nicht leisten. Schon 1922 - also 7 Jahre zuvor - war sein Vater im Alter von 39 Jahren gestorben. Er hatte die Leitung der Schnellsche Buchhandlung, des Verlages und der Buchdruckerei inne gehabt, die seit 1884 im Familienbesitz waren. Zurück blieb Mutter Laura mit dem 13jährigen Carl und seinen sechs jüngeren Schwestern. Seine Mutter Laura nahm zusammen mit dem betagten Großvater Carl Leopold (1853-1934) die Geschäftsführung der Schnellschen Buchhandlung und des Verlages in die Hand. Nur so konnte der Lebensunterhalt für die große Familie gesichert werden und nur so war es möglich, dass Carl Leopold sein Abitur machen und anschließend noch ein Jahr Germanistik an der Universität München studieren konnte, um dann ein Jahr lang die Buchdruckerkunst am Technikum in Leipzig zu erlernen. Mit 22 Jahren übernahm er die Leitung der Schnellsche Buchhandlung, des Verlages und der Buchdruckerei. Er nahm diese Aufgabe mit ganzem Herzen an und gab dem Verlag für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen eine neue Prägung. Die Schnellsche Buchdruckerei wurde zu einem bedeutenden Verlag für schöngeistige, religiöse und heimatliche Literatur im Münsterland. Junge, noch unbekannte und oft eigenwillige Schriftsteller und Künstler fanden bei Carl Leopold Unterstützung, auch, wenn er damit ein Risiko einging. Auch Heimatdichter wie Augustin Wibbelt, Anton Aulke, Hermann Löns fanden in ihm einen verständnisvollen Verleger. Außerdem versorgte er die Warendorfer Bevölkerung täglich mit allen Neuigkeiten durch die Herausgabe der Tageszeitung „Der Neue Emsbote“ und er verlegte mehrere Kirchenblätter.

Als auch hier im kleinen Warendorf das Dritte Reich viele Bürger mit nationalsozialistischem Stolz erfüllte, positionierte sich Carl Leopold als katholischer Verleger klar gegen die Blut-und-Boden Politik und den Rosenbergschen Mythos. Mehrfach wurde er aufgefordert, die Politik Adolf Hitlers zu vertreten. Kurz und bündig lehnte er ab mit den gefährlichen Worten: „Ich bleibe katholischer Verleger!“ Diese Gegnerschaft musste sich natürlich schmerzlich auf seine verlegerische Tätigkeit auswirken. Wegen politischer Unzuverlässigkeit wurde ihm die Verlegereigenschaft an seinen Zeitungen aberkannt, die Buchproduktion wurde lahm gelegt und auch die Buchhandlung wurde durch die Behörden boykottiert.

Das Schlimmste aber, das KZ, blieb ihm erspart, nicht zuletzt, weil die Warendorfer Bevölkerung in der überwiegenden Mehrheit hinter ihm und seinem Verlag stand. Es gab damals in Warendorf eine Handvoll gefährliche Nazis, eine Gruppe gutgläubiger National-sozialisten und die große Masse derer, die aus Angst um ihre Stellung oder um ihr Geschäft widerwillig mitmachten. Carl Leopold aber leistete offenen Widerstand gegen das NS Regime, diese Zivil-courage hatten nur ganz wenige.

Den Krieg musste er von Anfang bis Ende mitmachen, aber er hatte das Glück, schon 1945 wieder nach Warendorf zurückkehren zu können. Er baute seinen Verlag sofort wieder auf, wurde ein Verleger, dem es wichtig war, dass Deutschland ganz neue, demokratische Wege fand. 1949 brachte er den „Neuen Emsboten“ wieder heraus, wurde Mitbegründer der CDU und bereicherte das Kulturleben in Warendorf wesentlich. Er war bestimmt nicht immer ein bequemer Partner, er sagte frank und frei, was er für richtig hielt und prangerte Missstände deutlich an - das war weder damals noch heute etwas, womit man sich bei der herrschenden Schicht beliebt machte. Nach seinem Tode 1986 gewürdigt seine Heimatstadt Warendorf seine Bedeutung und widmete ihm im Baugebiet Heustraße die Haupterschließungsstraße, die „Carl-Leopold-Straße“.

 Mechtild Wolff

 

 

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