Dezentrales Stadtmuseum
Das Gadem am Zuckertimpen 4
Bilder aus dem Gadem hier

Die historische Altstadt Warendorf besitzt viele Häuser, die eine sehr alte Bausubstanz haben. Diese Altstadtgebäude sind unterschiedlich gestaltet. Neben den vielen Bürgerhäusern an den "Hauptstraßen", in denen damals wohlhabende Kaufleute und Handwerker wohnten, gibt es die Gademe. Hier lebten die sogenannten 'Kleinen Leute', die zu den unterbürgerlichen Schichten zählten. Sie waren unvermögend, nicht selten verarmt.

Der Begriff 'Gadem' bezeichnet im Ndt. einen Raum oder ein Einraumhaus. Begüterte Bürger bauten sie auf ihrem Grundstück, oft hinten im Hof, besonders auch an den Stadtmauern und in den Nebengassen. Diese Mietshäuschen weisen Grundflächen von 25-60 qm auf. Alle waren im Fachwerk errichtet und bestanden ursprünglich nur aus einem Raum. Sie hatten eine offene Kochfeuerstelle auf dem Boden und keinen Rauchfang. Später wurden sie unterteilt in kleine Räume. Eine Geschossdecke wurde eingezogen, über eine steile Treppe erreichte man die oberen Zimmer.

Bis zu 600 solcher Gademe gab es in Warendorf. Keine andere westfälische Stadt hat diese Zahl erreicht. Heute sind noch ca. 60 dieser kleinen Häuser vorhanden.

Meist wurden sie an die ärmeren Leute vermietet. Zu ihnen zählten kleine Handwerker, Tagelöhner, städtische Angestellte, Nachtwächter, Torwärter, Witwen, aber auch Chirurgen.

Das Gadem Zuckertimpen 4 wurde 1692 zunächst als Einraumhaus direkt an die Stadtmauer gebaut. 1993/94 restauriert ist es heute Teil des dezentralen Stadtmuseums. Das Museum zeigt die Lebensweise und Wohnsituation um 1925. Zu dieser Zeit wohnten im dem 'Kleine-Leute-Häuschen' zwei Familien mit neun Personen.

Geöffnet ist es von März bis Dezember an Sonn- und Feiertagen von 15:00 bis 17:00 Uhr (Eintritt frei).
Wer im Aufsichtsteam mitarbeiten möchte, meldet sich bitte (vorstand@heimatvereinwarendorf.de).

Leben und Wohnen der 'kleinen Leute' vor hundert Jahren

Das Leben und Wohnen war nicht einfach. Für uns ist es heute unvorstellbar, ohne Waschmaschine, Kühlschrank, Elektroherd, Fernseher zurechtzukommen. Es gab damals keine Heizung, kein warmes, fließendes Wasser. Vor der Haustür war der Misthaufen. Schmutziges Wasser wurde vor dem Haus in die "Gosse" gekippt.

Wer wohnte im Gadem Zuckertimpen 4?

1925 hatte der Fuhrmann Heinrich Rolf (geb. 1870) dieses kleine Häuschen erworben. Hier wohnte er mit seiner Familie: seiner Frau und seinen drei Kindern. Sein Geld verdiente er mit dem Transport von Waren. Dafür hatte er einen Pferdewagen, einen Handwagen und eine Schubkarre.
Das reichte zum Leben nicht, deshalb hatte er einen 'Einlieger', also eine Familie, die mit in dem Haus wohnte: den Lokomotivputzer August Droste mit seiner Frau und zwei Kindern.

Es wohnten also 9 Personen in dem Gadem.

Welche Räume gab es?

Wenn man ins Haus eintrat, war man sofort in der Flurküche. Dahinter befand sich die Wohnstube, die die Familien gemeinsam nutzten. Gleich rechts neben der Haustür lag die "Gute Stube" des Hausbesitzers Rolf. Direkt gegenüber auf der linken Seite war die "Gute Stube" des Mieters Droste. Diese Stuben wurden nur für besondere Anlässe genutzt wie Weihnachten, Ostern, bei Familienfesten und bei hohem Besuch.

Gekocht wurde auf der "Kochmaschine" in der Flurküche, die mit Holz oder Kohle beheizt wurde. Rechts daneben war die Vorratskammer. Hier lagerten Eingemachtes, Marmelade, Schmalz. Unter dieser Kammer befand sich ein kleiner Keller.

Zu den Schlafräumen ging es über die enge Treppe nach oben. Der Hausbesitzer hatte ein Elternschlafzimmer und ein Kinderzimmer. Die Mieterfamilie schlief in einem Raum.

Unten lagen im hinteren Teil die Waschküche und ein Stall, in dem zumeist Hühner und ein Schwein gehalten wurden. Der Nutzgarten hatte einen kleinen Schuppen, in dem das Plumpsklo war.

Bilder des Gadems


links: vor der Renovierung, ca. 1995 (Bild: Laurenz Sandmann); rechts: Zustand heute (Bild: Marie Louise Mönnigmann)

mehr Bilder aus dem Gadem hier 

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