Otto Freund (1889-1977)
Engagierter Bürgermeister in den turbulenten Nachkriegsjahren
von Mechtild Wolff

„Der liebe Gott tut nix als Fügen!“, den Eindruck hatte ich, als ich auf dem „Stein-Friedhof“ unseres städtischen Friedhofs einen Grabstein mit der Aufschrift „Otto Freund“ sah. Das wird doch nicht unser ehemaliger Bürgermeister sein? Doch, er war es. Durch schnelle Kooperation unserer Friedhofsmitarbeiter konnte der Grabstein in Sicherheit gebracht werden und findet hoffentlich bald einen guten Platz in einem „Platz der Erinnerung“, denn Otto Freund sollte in Erinnerung bleiben.

Wer war Otto Freund?

Um seine Bedeutung zu verstehen, müssen wir uns die turbulenten Jahre nach dem 2. Weltkrieg vor Auge führen. Am 8. Mai 1945 brach mit der bedingungslosen Kapitulation das „Dritte Reich“ zusammen, die Herrschaft des Nationalsozialismus war auch in Warendorf beendet. Die Befehlsgewalt lag nun bei den Siegermächten. Wir gehörten zur britischen Besatzungszone. Obwohl Warendorf von Bombenschäden verschont geblieben war, hatte der Krieg viel Leid über die Bevölkerung gebracht. 500 Bürger hatten ihr Leben verloren und genauso viele wurden noch vermisst. Es herrschte Mangel an Nahrungsmitteln, an Kleidung, an Möbeln und an Wohnraum, der mit den Flüchtlingen und Evakuierten geteilt werden musste. Auch für die Besatzungsmacht mussten viele Häuser geräumt werden.

Nun sollte die politische Verantwortung wieder auf die deutschen Bürger übertragen werden. Dabei überprüfte die Militärregierung - das waren zuerst die Amerikaner, dann die Kanadier und Engländer - die politische Vergangenheit aller Bürger, die ein öffentliches Amt anstrebten. Diese Entnazifizierung wurde im ganzen Land durchgeführt.

Direkt nach Kriegsende, am 3. April 1945, ernannte die Besatzungsmacht Oberstudienrat Heinrich Blum zum Bürgermeister, an Blums Integrität gab es keinen Zweifel. Er sprach gut Englisch, denn er war Englischlehrer. Das war sehr hilfreich im Umgang mit den Alliierten. Heinrich Blum wollte aber auf keinen Fall Bürgermeister bleiben. Darum ernannte der amerikanische Ortskommandant am 5. April den Rechtsanwalt Aloys Zurbonsen zum Warendorfer Bürgermeister. Er konnte das Amt aber auch nicht behalten, da er zum Landrat des Kreises Warendorf bestimmt wurde. Nun wurde der Sassenberger Amtsbürgermeister Heinrich Temme zum neuen Bürgermeister in Warendorf berufen. Am 1. Februar 1946 erreichte dieser aber das Pensionsalter und der Ortskommandant übertrug die Amtsgeschäfte dem Warendorfer Stadtrentmeister Theodor Lepper, der sich ja schon in den letzten Kriegstagen in diesem Amt als sehr umsichtig erwiesen hatte.

Am 29. April 1946 wurde dann das Beiratsmitglied Otto Freund zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Er übernahm auch die Geschäfte des noch zu wählenden Stadtdirektors.

Otto Freund lag die Verschönerung seiner Heimatstadt sehr am Herzen. Darum setzte er in seiner ersten Ratssitzung den Tagesordnungspunkt: „Neugründung des Heimatvereins“ auf die Tagesordnung. Durch diesen Beschluss konnte im September 1947 der „Ortsheimatverein Warendorf“ neu gegründet werden. Erster Vorsitzender wurde Bürgermeister Otto Freund selbst. Sein Ziel war es, eine Ortssatzung zur Pflege des Stadtbildes und zum Schutz gegen Verunstaltungen in der Stadt Warendorf zu schaffen.

Am 1. August 1946 wurde dann Dr. Paul Menne zum Stadtdirektor gewählt. Nun endlich kehrt Ruhe und Kontinuität in der Führungsspitze der Stadt ein, so dachten die Warendorfer. Aber weit gefehlt, im Januar 1947 wurde Stadtdirektor Dr. Menne beurlaubt und Otto Freund übernahm erneut seine Amtsgeschäfte, bis am 1. Juli 1947 der neue, aus Berlin kommende  Stadtdirektor Dr. Alfred Schmitz in das Amt eingeführt werden konnte.

Trotz all dieser Schwierigkeiten wurden schwierige Aufgaben schnell und unbürokratisch gelöst, z.B. das Flüchtlingsproblem. 48500 Flüchtlinge und Vertriebenen kamen in den ersten Nachkriegsjahren nach Warendorf, wurden im Landgestüt für 2-3 Tage untergebracht und verpflegt. Dann wurden sie auf den gesamten Kreis verteilt.

Im Oktober 1948 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt und es galt als sicher, dass Otto Freund zum Bürgermeister gewählt werden würde, denn er stand bei der gerade gegründeten CDU auf Platz 1 der Reserveliste. Die Christdemokraten gewannen wider alle Erwartungen bei dieser Ratswahl alle Direktmandate, die Reserveliste zog nicht und Otto Freund  konnte nicht in den Rat einziehen und somit auch nicht zum Bürgermeister gewählt werden.

Aus den Reihen der Ratsmitglieder wurde nun Josef Heinermann zum Bürgermeister gewählt. Otto Freund aber blieb unermüdlich für seine Heimatstadt tätig.

Bürgermeister

Stadtdirektoren

Otto Freund

1946 – 1948

Dr. Paul Menne

1946 – 1947

Josef Heinermann

1948 – 1956

Dr. Alfred Schmitz

1947 – 1949

 

 

 

 

Quellen:

Heinrich Windelen: Neubeginn und Entwicklung des politischen Lebens 1945-1975 in Warendorf in: Geschichte der Stadt Warendorf Band II 2000

Bürgermeister Heinrich Temme: „Warendorf in der Zeit von 1890-1950“ in  „750 Jahre Warendorf – Stadt an der Ems“

Zeitungsbericht von Dieter Müller: „Die schöne Madonna der alten Zisterzienser-Abtei Marienfeld“

 Persönlichkeiten

Heinrich Blum, von allen "Mister Blum" genannt

Franz Joseph Zumloh, der Begründer des Josephshospitals

Maria Anna Katzenberger und Heinrich Ostermann

Hermann Josef Brinkhaus,
Gründer der Firma Brinkhaus

Eduard Wiemann und die Villa Sophia

Anna Franziska Lüninghaus, Gründerin der Marienstiftung

Wilhelm Zuhorn, Geheimer Justizrat und Geschichtsforscher

Bernard Overberg, der Lehrer der Lehrer

Arthur Rosenstengel, Seminarlehrer, Musikerzieher und Komponist

Pauline Hentze, Begründerin der Höheren Töchterschule

Theresa Kampelmann, die gestrenge Direktorin der Marienschule

Franz Strumann, Pastor und Förderer der höheren Mädchenbildung

Dr. Maria Moormann, die mutige Direktorin der Marienschule

Josef Pelster, der Schulrat und Naturfreund

Wilhelm Diederich, Bürgermeister von 1869-1904

Hugo Ewringmann, Bürgermeister von 1904-1924

Theodor Lepper, Stadtrendant und Retter in den letzten Kriegstagen

Clara Schmidt, Kämpferin für die Frauenliste im Stadtparlament

Elisabeth Schwerbrock, eine hochengagierte Stadtverordnete,

Eugenie Haunhorst, die Kämpferin für ihre Heimatstadt

Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland

Paul Schallück, der vergessene Nachkriegsschriftsteller

Heinrich Friedrichs, ein Warendorfer Künstler

Theo Sparenberg, Kinokönig und Tanz- und Anstandslehrer

Wilhelm Veltman, Retter der historischen Altstadt

Rainer. A. Krewerth, ein schreibender Heimatfreund

Josef Heinermann, Bäcker und Bürgermeister

Opa Niehues

Gymnasialdirektor
Prof. Dr. Alfons Egen

Siegfried Schmieder - engagierter Heimatfreund mit großem Fachwissen

Dr. Franz Rohleder -
ein begnadeter Lehrer und Heimatfreund

Dr. Franz Kroos

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