Vorschläge des Heimatvereins Warendorf: Wanderungen in Zeiten von Corona
Wandern mit Kindern im Nordwesten Warendorfs
von Norbert Funken

Karte: "Wandern im Münsterland" Hrsg.: Westfälischer Heimatbund

  

Manches ist in Zeiten Coronas verboten, von vielem wird abgeraten. Wandern aber, ohnehin immer empfehlenswert, ist erlaubt. Der Heimatverein Warendorf unterbreitet Ihnen

Vorschläge, das Mehr an Zeit sinnvoll zu nutzen und zudem die Heimat näher kennenzulernen. Der Text ist so abgefasst, dass Sie ihn den Kindern anvertrauen können. Diese werden sich freuen, den Eltern einmal zu zeigen, „wo’s langgeht“.

Die Wanderung, 8 km lang, lässt  sich an vielen Stellen abkürzen und beginnt am Lohwall.  Folgen Sie am rechten Ufer dem x- und <>-Wanderzeichen flussabwärts.

Vor 90 Jahren sah dieser Fluss ganz anders aus: in großen Bögen schlängelte er sich in einer breiten Talebene, weil  sein Wasser nicht gestaut wurde, träge dahin. Dann grub man ihm ein neues, tieferes Bett und begradigte seinen Lauf. Er wurde eingezwängt und konnte bei Hochwasser, wenn es nicht zu schlimm kam, nicht mehr über die Ufer treten. Jetzt ließ sich die Talaue (Aue = Flussebene) als trockenes Weideland und Ackerland nutzen. Das war nötig geworden, um die zahlenmäßig schnell wachsende Bevölkerung ernähren zu können.

Hinter dem „Emskamp“ (Kamp = alter Name für neu gewonnene Ackerfläche), nach der grün-blauen Brücke geht es vor dem alten Emsarm rechts ab. Unter dem Uferweg hindurch verläuft ein dickes Rohr, das den alten Flusslauf bei hohem Wasserstand mit „Frischwasser“ versorgt. Am Ende des alten Flussarms liegt ein kleiner Teich, der keinen Zulauf hat und deshalb kaum Leben aufweist. Die abgestorbenen Bäume zeigen es an.

 Der Teich  ist der traurige Rest der alten Ems, die man bis in die 70er Jahre als städtische Müllkippe missbraucht hat. Vor fünfzig Jahren dachte man anders, das Wort „Naturschutz“ war nicht in aller Munde. Heute plant man, diesen alten Flusslauf wieder an eine re-naturierte Ems anzubinden, nachdem man dem Fluss ab hier wieder seinen natürlichen Lauf zurückgegeben hat.

Nach einem Rechtsknick verlassen wir die Niederterrasse und es geht  „bergauf“ auf die vor Hochwasser sichere Mittelterrasse. Terrassen nennt man die von einem Fluss in großen Zeitabständen geschaffenen  Flächen. Am Ende dieses idyllischen Weges biegt man links ab und geht durch Lippermanns Knäppen weiter.

 Knäppen nennt man in Westfalen die kleinen Sandhügel, die der Wind nach der Eiszeit aus den Sandflächen der Flussaue aufgeweht hat. Da der Wind hierzulande auch damals aus südwestlicher Richtung kam, findet man die Dünen immer am Nordufer.

 

 

Vor dem Hof Dahlmann muss man sich entscheiden, ob man nach rechts zur Milter Straße die Abkürzung nimmt oder den Wanderweg weiter geht.  Hinter Dahlmann („dahl“  bedeutete früher „nieder“)  folgt eine schöne Eichenallee. Danach verlässt unser <>-Weg den X-Weg und biegt rechts ab zur Straße nach Einen. Bevor wir zur Milter Straße kommen , die Kinder an die Hand nehmen und diesen „Schnellstraße“ vorsichtig überqueren, werfen wir einen Blick auf eine weitere Situation, wie heute mit der Natur umgegangen wird.

 Bei dieser Flachentsandung schiebt man den Ackerboden zunächst zur Seite, baggerten den Sand ab, den die Eiszeit abgelagert hat und den man zum Bauen verwenden kann. Danach schiebt man den Mutterboden, nachdem man das Loch mit minderwertigem Material  verfüllt hat, wieder zurück. Es verschwinden damit die für das Münsterland so typischen flachen Buckel, die die Eiszeit uns hinterlassen hat.

Der Weg führt auf der anderen Seite der Straße weiter. Nach einem knappen Kilometer folgen wir dem Schild „ Velsen 18, 3a“ nach rechts. Sagen Sie Ihren Kindern, dass man „Velsen“  auch mit „F“ schreiben kann…! (Hier kommt es von „Veltseten“  und bedeutet „Wohnsitz auf dem Feld“.)

Der Weg führt über den schnurgeraden Ortsteinbach, der früher Ohrenbecke hieß und aus nicht bekannten Gründen einen neuen Namen bekommen hat.  „Becke“ ist ein altes Wort und bedeutete früher „Bach“. Der Wortteil ist heute noch in vielen Familiennamen zu finden.

Am Hof Heuer vorbei zwischen dem Feld links und den Bäumen rechts geht es auf breitem Weg weiter in einen Wald hinein. Nach 100 m hinter einer großen Buche links  gehen wir an einer Gabelung weiter geradeaus, um nach 50 m einen kleineren Weg nach rechts einzuschlagen. Aus den Spuren im Sandboden lässt sich lesen, dass sich auf diesen Hügelchen  Mountain-Biker  ausgetobt haben.

 Kooks Heide nennt man dieses Waldgebiet und der Name verrät schon, dass der Mensch auch hier in die Natur eingegriffen hat: Die Sturmschäden der letzten Jahre zeigen es deutlich! Die Heide, auf der früher das Vieh weidete, wurde aufgegeben und mit flachwurzelndem Nadelholz aufgeforstet. Fichten und Kiefern, auch Föhren genannt, waren vorher in Westfalen nur selten vertreten.

Viele Wege führen, so eine Redensart, nach Rom, in diesem Wald (fast) alle zur Milter Straße. Wir überqueren sie und haben zur Linken den Hof Lippermann vor uns, der bis 1920 eine Gaststätte hatte, für die Warendorfer das sonntägliche Wanderziel zu „ihrer“ Kaffeewirtschaft.

Wir lassen den Hof rechts liegen und gehen zur Ems runter, wo wir auf den Hinweg treffen, der zum Lohwall führt.

Nach etwas über zwei Stunden geht die Wanderung, vielleicht  unter zunehmendem „Geknötter“ der Kinder, zu Ende. Sie erscheint aber für die Eltern erträglicher und zudem für die Kinder kürzer, wenn man unterwegs ein Picknick einlegt und den Kindern immer wieder bestätigt, dass ihre Freunde das wohl nicht geschafft hätten und dass auf sie, zu Hause angekommen, ein großes Eis wartet. Spätestens am  nächsten Morgen freuen sie sich auf die folgende Wanderung. Oder erst viel später in einer Erdkundestunde, in der sie auffallend viel über ihre Heimat berichten können.

 

 

 

 

 

 

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