Der Warendorfer Friedhof - Spiegel der Stadtgeschichte
Gebr. Hagedorn und Co, eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei
von Mechtild Wolff, 2021

 

 

Wer Friedhöfe besucht, kann sich Geschichte aus einer anderen Perspektive erschließen, insbesondere Stadtgeschichte. Auch auf unserem Friedhof finden sich Grabsteine von Familien und Persönlichkeiten, die einst für unsere Stadt von großer Bedeutung waren und die Entwicklung des kleinen Landstädtchens vorangetrieben haben. Diese Grabanlagen spiegeln in beeindruckender Weise  Großfamilien mit vielen Kindern. Die Gruft der Familie Hagedorn ist dafür ein lebendiges Beispiel.

       

 

Wer war die Familie Hagedorn?

Sie war eine alte Warendorfer Poalbürger-Familie. Schon 1837 eröffnete Heinrich Hagedorn seine eigene Werkstatt mit einer Schmiede am Münstertor, wo er landwirtschaftliche Gerätschaften baute und Reparaturen aller Art an Pflug oder Egge ausführte. Sein Sohn Anton Hagedorn war auch ein Tüftler und eröffnete schon früh an der Münsterstraße eine Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung. Wie man auf dem Bild sieht, machte es ihm Spaß, besondere Dinge zu entwickeln wie dieses Fahrrad für fünf Fahrer - damals noch ohne Freilauf und Bremsen.

 

Um 1900 brach auch bei den landwirtschaftlichen Geräten eine neue Zeit an, Henry Ford erfand den ersten Traktor, das Pferd und der Ochse konnten nun bei der Feldarbeit abgelöst werden. 1902 entschloss sich Anton Hagedorn (1874-1943) zusammen mit seinem Bruder Georg (1878-1961) Landmaschinen aller Art zu bauen. Sie firmierten unter Gebr. Hagedorn und Westfalia. Die Firma war sehr erfolgreich und 1939 fanden hier 150 Mitarbeitet Arbeit und Brot.

 
















Vom Motor-Mäher bis zum Ladewagen, alles, was der Bauer brauchte, wurde bei der Firma Hagedorn gebaut. Mit dem  Hagedorn’schen  Kartoffelsammelroder  „Wisent“ waren sie lange Marktführer. Die Firma entwickelte sich weiterhin prächtig, sodass man sich entschloss, ein repräsentatives Bürogebäude zu errichten. Das Münstertor wurde von der Firma Hagedorn geprägt. Die Privatvilla, die Anton Hagedorn an der Münsterstraße 48 erbaute, ist noch heute ein Zeitzeuge aus der Glanzzeit der Landmaschinenfabrik.


Die Hagedorn`sche Eisengiesserei (links)  und die Villa Hagedorn an der Münsterstraße (rechts)


Die Hagedornschen Landmaschinen und Ladewagen und der Kartoffel-Sammel-Roder machten die Firma Hagedorn zu einem der bedeutendsten Hersteller für Landmaschinen in Deutschland und Europa. In den 1970er Jahren konnte Hagedorn sich aber nicht mehr gegen die übermächtige Konkurrenz der Firma Claas in Harsewinkel und John Deere in den USA behaupten und musste 1972 Insolvenz anmelden. Ernst Weichel übernahm den Betrieb und führte ihn weiter unter „Hagedorn Landmaschinenbau GmbH“. Hagedorn hatte in der Kundschaft einen hervorragenden Ruf, deshalb war es für die gesamte Branche überraschend, als 1992 der Standort und die Produktion in Warendorf aufgegeben wurden.

Die Fabrikgebäude wurden abgerissen und es entstand ein neues Baugebiet mit Einfamilienhäusern auf dem ehemaligen Firmengelände. In Erinnerung an die so erfolgreiche Landmaschinenfabrik wurde eine Wohnstraße „Hagedorn-Weg“ genannt.

 

Gegenüber der Familiengruft Hagedorn liegt Benno Hagedorn begraben. Er trat 1945 zusammen mit seinem Bruder Hermann in die Geschäftsführung der Landmaschinenfabrik Hagedorn ein. Benno bewohnte bis zu seinem Tode 1982 die von seinem Vater, dem Firmengründer Georg Hagedorn erbaute Villa an der Freckenhorster Straße 70. Heute ist die einstmals elegante Villa zu einer Wohnanlage umgebaut. Benno Hagedorn war ein sehr engagierter Warendorfer Bürger, der schon 1948 die „Christliche Siedlungshilfe Warendorf“ begründete und als langjähriger Vorsitzender vielen Flüchtlingen zu Wohneigentum verhalf. Später machte er sich als rühriger Vorsitzender des Vereins Alter Laurentianer einen Namen.

 

 

 

 

 

 

Mechtild Wolff 2021

 

 

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