Der Warendorfer Friedhof: Spiegel der Stadtgeschichte
Die Fabrikantenfamilie Bispinck
von Mechtild Wolff 2021

1891 Briefkopf Wiemann und Bispinck
1888 Briefkopf der Firma Wiemann und Bispinck


ChristophBispinck.JPEG1879 kam der kapitalkräftige Christoph Bispinck (Bild links)aus Münster nach Warendorf, um mit seinem Verwandten Eduard Wiemann die Weberei „Brinkhaus und Wiemann“ weiter zu führen. Diese Firma hatte Wiemann mit seinem Compagnon Hermann Josef Brinkhaus 1861 gegründet, jetzt aber hatten sich die Partner getrennt. Die neue Firma „Wiemann & Bispinck“ produzierte in den alten Gebäuden an der Kirchstraße, die bis heute erhalten sind.  Die gemeinsame Firma gedieh prächtig und weitete ihre Produktpallette auf über 50 Gewebearten aus. Als Eduard Wiemann 1898 starb, hatte Christoph Bispinck schon die alleinige Geschäftsführung inne und verlegte die vergrößerte Firma „Wiemann und Bispinck“ an die Brinkstraße. 80 Mitarbeiter produzierten hier bis 1966 Baumwollstoffe aller Art.

 

Schnell wurde Christoph Bispinck zu einem angesehenen Warendorfer Bürger und die Mitarbeiter waren froh, dass durch sein Engagement in der Firma „Wiemann und Bispinck“ viele Arbeitsplätze entstanden.


Bild links: Villa Bispinck an der Münsterstraße, heute abgerissen; Bild rechts: Altenteil der Familie Bispinck

Christoph und Elisabeth Bispinck bauten 1887 an der Münsterstraße eine prächtige Villa, die mit eleganten Stuckdecken und repräsentativen Räumlichkeiten ausgestattet wurde. Hier lebte die Familie Bispinck mit ihren vier Kindern. Als Christoph 1924 und Elisabeth 1926 starben, ging die Firma und auch die Villa in den Besitz des einzigen Sohnes Hermann über. Er wohnte in der Villa mit seiner Frau Sophie und seinen Kindern Doris, Carla und einem Sohn bis zu beider Tod 1964. Die Nachkommen hatten kein Interesse an dem repräsentativen Fabrikantenwohnhaus, die Sparkasse wollte aber gern an diesem attraktiven Innenstadtstandort eine neue Hauptstelle errichten. Also wurde die Villa 1967 abgerissen und durch ein modernes Sparkassengebäude in Betonarchitektur ersetzt. Die Münsterstraße bekam ein ganz neues Gesicht.

Erhalten blieb das Nachbarhaus Münsterstraße 19. 1903 hatte Christoph Bispinck es neben seiner Villa als Altenwohnsitz erbaut. Dieses rote Backsteinhaus im Stil des Historismus war zwar nicht so prächtig wie das Fabrikantenwohnhaus, aber doch mit schönen Jugendstilfenstern, einem eleganten Treppenhaus und wunderschön bemalten Stuck-decken ausgestattet. In den 1960er Jahren entsprach der Jugendstil aber nicht dem Zeitgeist und die Stuckdecken wurden eher in die Ecke „Kitsch“ gestellt und darum mit einer Rigips-Decke abgehängt. Das war dann langfristig ein Glücks-fall, denn so blieben die kunstvoll gestalteten Decken unbeschadet erhalten. Es war auch ein Glücksfall, dass die unverheiratete Tochter Therese dieses Haus erbte und darin gut und gerne lebte. Sie widerstand den sehr lukrativen Angeboten der Sparkasse und sagte damals: „Ich verlasse dieses Haus nur mit den Füßen voraus!“ So verging die Zeit und der Zeitgeist änderte sich. Als „Tante Threschen“, wie sie liebevoll von den Warendorfern genannt wurde, 1982 im gesegneten Alter von 88 Jahren starb, war auch der Historismus denkmalwürdig geworden und man wusste die Schönheit des Hauses mit dem unverändert erhaltenen Raumgefüge, mit den ursprünglichen Rahmentüren, den Jugendstilfenstern und dem kunstvoll gestalteten Treppen-haus zu schätzen. Bei der Restaurierung des Gebäudes wurden unter abgehängten Decken wunderschöne Decken-Stuckornamente freigelegt, die nach Farbbefunden wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurden. Heute zeigt dieses Haus sehr anschaulich, wie man als Textilfabrikant auch auf dem Altenteil repräsentativ wohnte. Das „Fabrikantenwohnhaus Bispinck“ ist jetzt ein Teil des Dezentralen Stadtmuseums, denn es gibt in Warendorf kein zweites Gebäude aus der Zeit des Historismus, das auch im Inneren noch originalgetreu erhalten ist.

 

    

 

 

Auf dem Warendorfer Friedhof findet sich im südlichen Teil die Familiengruft der Fabrikantenfamilie Bispinck - ein Stück Warendorfer Textilgeschichte.

 

 

 

 

Mechtild Wolff 2021

 

 

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