Bürgermeister Dr. jur. Heinz Kreuzer 1889-1952
Bürgermeister vom 1932-1934
Vorgänger: Rudolph Isphording 1924-1932; Nachfolger: GeorgTewes 1934-1938
von Mechtild Woff

Am 27. Juni 1932 wurde Dr. Heinz Kreuzer als Warendorfer Bürgermeister in sein Amt eingeführt. Er wurde von der Zentrumsmehrheit gewählt. Dass Deutschland in einem halben Jahr ganz anders aussehen würde, damit hatte er sicher nicht gerechnet.

 

 

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.1.1933 begann der Weg in die NS-Diktatur. In Warendorf erreichte die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 nur eine marginale Bedeutung. Am Wahltag mussten sich die lokalen NS-Anhänger mit dem Hissen der Fahne im Elektrizitätswerk am Mühlenkolk begnügen, dessen Betriebsleiter mit der Partei sympathisierte. Das änderte sich aber schnell, als der dem Zentrum angehörende Oberpräsident Gronowski in Münster abgesetzt wurde, die Parteiversammlungen der SPD verboten wurden und der Landrat den Warendorfer Bürgermeister Dr. Kreuzer anwies, alle Plakate, Zeitungen und Schriften der SPD zu beschlagnahmen. Jeder merkte, die Nationalsozialisten verloren keine Zeit. Schon am 24. März 1933 setzte das Ermächtigungsgesetz, das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“,  auch in der Emsstadt alle Grundrechte außer Kraft. Schnell wurden SA-Leute als Hilfspolizisten „zum Schutz der öffentlichen Sicherheit vor kommunistischen Kräften“ rekrutiert. Allein in Warendorf waren 40 SA-Angehörige im Dienst, obwohl es hier kaum Kommunisten gab. Bald wurde klar, dass nicht nur die Kommunisten, sondern jeder, der sich gegen das NS-Regime aussprach, gefährdet war.

 

27. Juni 1932
Wahl von Bürgermeister Dr. Heinz Kreuzer, Stadtverordnetenvorsteher Franz Bernhard und
Stadtverordneter Hausmann
,

 

  

Aber die Warendorfer ließen sich nicht so schnell einschüchtern. Bei den Gemeinderatswahlen am 12. März 1933 wurden nur vier Abgeordnete der NSDAP gewählt, während das Zentrum elf Mandatsträger bekam, zu denen auch die Zentrumsabgeordneten Clara Schmidt, Josef Heinermann und Elisabeth Schwerbrock, sowie die Arbeiterzentrums-Abgeordneten Heinrich Schallück und August vor der Landwehr gehörten. Die SPD war gar nicht mehr vertreten, weil durch die erstmalige Kandidatur der KPD das linke Lager zersplittert war.

Nun begannen schwere Zeiten für Bürgermeister Dr. Kreuzer, denn er war ein überzeugter Zentrumsmann. Als Erstes setzten die lokalen Nationalsozialisten durch, dass ein NSDAP-Getreuer zum Beigeordneten bestimmt wurde. Das entsprach überhaupt nicht dem Wählerwillen, aber das spielte schon keine Rolle mehr. Dem Zentrum wurde immer mehr der Boden unter den Füßen weggezogen, nicht zuletzt durch das Ermächtigungsgesetz, dem das Zentrum auf Reichsebene zugestimmt hatte. Am 5. Juli 1933 löste sich die Zentrums-Partei dann auf. Die gewählten Abgeordneten hätten in der Gemeindeversammlung bleiben können, aber nur noch mit beratender Funktion. Das wollten die Warendorfer Zentrumsabgeordneten nicht, darum legten sie ihr Mandat nieder. Sie wollten nicht zu „Nickköppern“ der NSDAP werden.

 


Bürgermeister Kreuzer entschied sich für den anderen Weg, er versuchte sich zu arrangieren. Darum wurde er vorerst nicht durch einen linientreuen Funktionär ersetzt. Er hielt flammende Reden, die sich den völkischen Zielen der Nationalsozilisten anschlossen. War es Selbsterhaltungstrieb, war es Überzeugung? Das ist heute schwer zu sagen. Richtig ist, dass alle, die sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen ließen, schwere Diffamierung ertragen mussten, wie z.B. der Ortsvorsitzende der SPD, der Zigarrenmacher Gerhard Hansen. Er wurde unter Polizeiaufsicht gestellt und musste sich jeden Tag auf der Wache melden. Hätten mehr Bürger solch eine eindeutige Position bezogen, wohl wissend, welchen Repressalien sie dann ausgesetzt werden, hätte sich die Diktatur nicht so schnell etablieren können. Aber die wenigsten Menschen sind zu Helden geboren. Wie definierte es der große George Orwell: Am schwierigsten ist es, just das zu erkennen, was sich unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze befindet!

Bürgermeister Dr. Kreuzer sah sich als Bürgermeister nach der damaligen Gemeindeordnung erstrangig dem Staat verpflichtet. So rief er schon am 1. Mai 1933 mit markigen Worten zur Maikundgebung als Bekenntnis zum Führer auf. In SA-Uniform hatte er das Kommando, obwohl dies traditionell der Feiertag der Arbeiterbewegung war. Am Rathaus hingen neben der Stadtfahne die roten Hakenkreuzfahnen, an den Häusern dominierten aber noch die rot/weißen Kirchenfahnen. Die Entwicklung ging aber rasch voran, schon unter seinem Nachfolger hingen 1935 Hakenkreuzfahnen an Mariä Himmelfahrtsbögen. Das ist nicht verwunderlich, denn nur, wer sich dem NS-Regime bedingungslos unterordnete, hatte eine Chance auf berufliches Fortkommen, das galt für Lehrer, Schulleiter, Kaufleute und genauso für Beamte und für den Bürgermeister.

Dr. Kreuzer ließ nichts unversucht, verlieh sogar dem Nationalsozialisten Hermann Göring die Ehrenbürgerschaft der Stadt Warendorf, aber all das reichte nicht, um ihn im Amt zu halten. Er war eben doch nur ein Zentrumsmann, der sich mit dem NS-Regime zu arrangieren versuchte. Der Versuch Kreuzers, sich dem sich etablierenden NS-Regime anzupassen ist rückblickend betrachtet gescheitert. Im Gegensatz zu seinen Zielen war er als Zentrumsmann für die NSDAP in Warendorf ein Türöffner in bürgerliche Kreise.

Ende Mai 1934 wurde Dr. Kreuzer seines Amtes enthoben und als Trostpflaster ernannte man ihn zum Amtsbürgermeister des kleinen Amtes Bork im Kreis Lüdinghausen, eine eindeutige Degradierung. In das Bürgermeisterhaus an der Wallpromenade 6 (heute Ostwall 7) zog nun sein Nachfolger Bürgermeister Lorenz Tewes (1934 bis 1938), der schon seit 1932 NSDAP-Mitglied war.

 

 

Quellen: Jürgen Goyny: Warendorf in der NS-Zeit (1933-1945)

              in: Geschichte der Stadt Warendorf Band II

Bilder:    Bildarchiv der Stadt Warendorf

              Bildarchiv der Altstadtfreunde

 

Mechtild Wolff 2019

 

 

Bürgermeister
der Stadt Warendorf

Johann Caspar Schnösenberg

Wilhelm Diederich

Hugo Ewringmann

Heinz Kreuzer

Lorenz Tewes

Kurt Hachmann

Wilhelm Haase

Die Warendorfer Bürgermeister in den turbulenten Nachkriegsjahren ab 1945

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