Am Freitag, den 17.2.1826 gegen 15.00, trafen in Warendorf die ersten
24 Hengste für das neu errichtete Hengstdepot (Landgestüt) ein. Sie
waren zuvor in Neustadt/Dosse zusammenzogen worden: 14 aus dem
Lithauischen Hauptgestüt, 2 aus Neustadt, 2 aus Graditz und 6 aus
Privatgestüten, zudem 2 Zugpferde. Per Wagen wurden v.a. die
Schmiedeutensilien transportiert. Wegen strenger Kälte war der Abmarsch
in Neustadt um einige Tage auf den 1.2. verschoben worden. Üblicherweise
war jeder 4. Tag ein Ruhetag, so dass im Schnitt pro Tag 30 km bewältigt
wurden. Da der Winter 1825/26 in Westfalen ungewöhnlich warm (und
regenreich) war, darf man von einem Transport ohne Zwischenfälle
ausgehen.
Seit 1816 hatten sich die Oberpräsidenten der neuen preußischen
Provinzen (Westfalen und Rheinprovinz), besonders der Münsterer
Oberpräsident Frhr. Vincke, bemüht, ein Landgestüt zur Verbesserung der
hiesigen Pferdezucht zu erhalten. 1824 genehmigte die Regierung in
Berlin endlich eine solche Einrichtung. Als Standort war lange Zeit
Schloss Benrath bei Düsseldorf vorgesehen, aber als im Frühjahr 1825 der
Warendorfer Kavalleriestall durch Verlegung der Kürassiereskadron in die
neu gebaute Kaserne in Neuhaus (bei Paderborn) frei geworden war, geriet
ab August 1825 Warendorf als sofort nutzbarer Standort in die
Überlegungen und bekam letztlich (gegen Liesborn) den Zuschlag.
Geführt wurde der Zug vom Neustädter Gestütsinspektor Heinrich Köhne.
Begleitet wurde er von seinem Sattelmeister August Ferdinand Huth und 9
aus Neustadt sowie 3 aus Graditz abgeordneten Gestütsknechten. Sie
trafen rechtzeitig ein, um die erste Decksaison in Westfalen und
Rheinland zu bestreiten. Voller Begeisterung meldete noch am 17.2. der
Warendorfer Landrat, dem die Dienstaufsicht vor Ort übertragen war, das
Eintreffen dem Oberpräsidenten Vincke in Münster und betonte besonders
den Gesundheitszustand und die Qualität der Hengste. Vincke selber traf
bereits am folgenden Sonntag in Warendorf ein, Köhne zu begrüßen und das
Ergebnis der jahrelangen Bemühungen in Augenschein zu nehmen.
F. Bernward Fahlbusch
Schrifttum: F. Bernward Fahlbusch, Die Warendorfer
Gestütsleiter im 19. Jh. – Biographische Anmerkungen, in: Warendorfer
Schriften 55/56, 2026 (im Druck).
Bild: M. Rinschen (2011)
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