Das Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ende
von Mechtild Wolff (5. 1. 2026)

Josephs-Hospital mit dem ersten Anbau 1846 Das Josephs-Hospital inmitten von Wohnhäusern

 

Am 16. November 1843 wurde das „Josephs-Hospital“ unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und sein Stifter Franz Joseph Zumloh von den dankbaren Warendorfer Bürgern begeistert gefeiert. Nun begann eine neue Ära in dem kleinen Landstädtchen mit seinen 4.000 Einwohnern. 30 Kranke konnten in vier großen Zimmern mit je sechs Betten und fünf kleineren Zimmern stationär behandelt und gepflegt werden, dank des unermüdlichen Einsatzes der vom Gründer eingesetzten Clemensschwestern, die auch im Haus wohnen konnten. Die sechs Schwestern übernahmen die Pflege der Patienten, hielten das Krankenhaus in peinlicher Sauberkeit und Ordnung, machten die Wäsche, sorgten für gutes Essen aus eigener Küche und pflegten den Garten, wo Obst und Gemüse in Hülle und Fülle wuchs. Wie gut, dass Franz Joseph Zumloh noch miterleben konnte, dass sein Werk gedieh. Schon 1846 wurde das östlich gelegene Nachbarhaus gekauft und umgebaut. Jetzt konnten 65 Kranke gepflegt werden. Es ist überliefert, dass 1851, also drei Jahre vor dem Tod des Stifters, 328 von 431 Patienten geheilt werden konnten, in einer Zeit, als es noch kein Penizillin und nur ganz einfache OP-Möglichkeiten gab. Durch die großzügige finanzielle Ausstattung der Stiftung war es möglich, mittellosen Kranken eine kostenlose Behandlung zu gewähren. Die Anzahl der Patienten wuchs und wuchs, sodass schon 1867 der zweite Anbau nötig wurde. 90 Betten standen nun in geräumigen Zimmern zur Verfügung, die sogar eine Gaslampen-Beleuchtung hatten. Das Krankenhaus konnte einen zweiten Arzt einstellen, der ausschließlich für die Operationen zuständig war. Die Clemensschwestern richteten nun auch eine kleine Kapelle ein, in der jeden Morgen eine Hl. Messe gelesen wurde und wo die Kranken Trost und göttlichen Beistand fanden. Die Oberaufsicht hatte nach wie vor das Kuratorium.


Das Josephs-Hospital mit dem schönen Park (Photo Rosenstengel)

Zum 50jährigen Bestehen 1893 verkündete das Krankenhaus stolz, dass bislang schon 14.000 Patienten behandelt wurden. Die Zahl der Patienten wuchs, sodass 1902 eine erneute Erweiterung auf 120 Betten stattfand. In den Folgejahren bekam Warendorf eine zentrale Wasserversorgung und die Gaslampen wurden durch elektrisches Licht ersetzt. Nun konnte auch ein Röntgengerät angeschafft werden und seit 1911 gab es sogar ein Telefon – welch ein Fortschritt.


Das Josephs-Hospital füllte nun fast das ganze Quartier zwischen Lüningerstraße, Krückemühle und Hohe Straße aus. Es gab sogar eine eigene Leichenhalle. Im Innenhof befand sich nun eine von den Nonnen stets gepflegte Gartenanlage, wo die Patienten Erholung und Unterhaltung finden könnten.

Für den Anbau von Obst und Gemüse war an der Lüningerstraße allerdings kein Platz mehr, darum kaufte das Kuratorium des Josephs-Hospitals den Josephshof an der Sassenberger Straße 37. Er wurde von einem Ackerer bewirtschaftet. So wurde die Krankenhausküche immer mit frischem Obst und Gemüse und Blumen versorgt. Die Lage des Josephshofs hatten die Clemensschwestern klug gewählt. Er lag in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sophienstift, der vom Ehepaar Wiemann 1903 ererbten Villa, die den Clemensschwestern lange als Wohnsitz diente.

 
Das Josephs-Hospital 1916 - so hat es zuletzt ausgesehen - man kann das Gründungsgebäude mit der Eingangstür und die beiden ersten Anbauten gut erkennen

Die 1920er Jahre brachten gute und schlechte Ereignisse. Eine große Erleichterung war eine Zentralheizung, die 1922 eingebaut wurde. Bislang musste in jedem Krankenzimmer ein Ofen geheizt werden und mehr als ein Mann sorgte dafür, dass die Öfen nachgelegt und sauber gehalten wurden. Nun musste nur noch der Kessel mit Koks gefüttert werden und alte Warendorfer werden sich noch an Franz Vorderlandwehr erinnern, der seit Kriegsende der Heizer vom Dienst war und gerne den Kinderschreck spielte, wenn diese ihn durch das Kellerfenster wegen seines rußgeschwärzten Gesichts veräppeln wollten.

Die Weltwirtschaftskrise 1923 ging auch nicht spurlos an Warendorf vorbei. Das Josephs-Hospital geriet in finanzielle Schwierigkeiten, die Patienten konnten nur noch in Naturalien bezahlen und auch das Krankenhaus entlohnte sein Personal in Naturalien. Aber die Warendorfer Bürger und Unternehmer wollten ihr Krankenhaus auf keinen Fall gefährden und steuerten nach Kräften Geldmittel bei. Auch die Bauern aus Gröblingen, Velsen und Vohren brachten Naturalien und sicherten sich so die Aufnahme der Landbevölkerung in das Krankenhaus.

Im 2. Weltkrieg wurde das Hospital mit seinen religiös fundierten und mutigen Nonnen von großer Wichtigkeit. Schon in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nahmen die Clemensschwestern alle verletzten Juden auf und die Warendorfer Ärzte behandelten sie. Von Dr. Gronover, dem HNO-Arzt, wird erzählt, dass er den Juden Hugo Spiegel und den Viehhändler Julius Ansbacher ärztlich versorgte und sogar eine Wache vor das Krankenzimmer stellte, damit die SA keine Rache üben konnte. Während des Krieges war das Josephs-Hospital für viele verletzte Soldaten ein heimatnaher Zufluchtsort. Mutig retteten die Schwestern so manchem Soldaten das Leben.


1950 - Das Kreiskrankenhaus an der Tönneburg


Nach dem Krieg war die Entwicklung rasant. Viele neue Abteilungen kamen hinzu sodass zu den 28 Clemensschwestern noch 12 weltliche Krankenschwestern eingestellt werden mussten.
Die Einwohnerzahl der Stadt Warendorf war durch die Flüchtlinge auf 12.000 angewachsen, kein Wunder, dass das Krankenhaus aus allen Nähten platzte. Viele Kriegsverwundete und ausgemergelte Flüchtlinge ver
schärften die Lage. Nun war guter Rat teuer, denn in der Innenstadt war für eine Erweiterung kein Platz mehr. Als erste Notmaßnahme wurde an der Tönne-

burg in den Gebäuden der Remonte das sog. „Kreiskrankenhaus“ eingerichtet, das wegen seiner schönen Lage im Grünen bei den Patienten sehr beliebt war. Das konnte aber keine Dauerlösung sein, denn spätestens seit der Aufstellung der Bundeswehr wurden die Gebäude wieder für die Soldaten gebraucht.

Anfang der 1960er Jahre entschloss sich das Kuratorium, vor den Toren der Stadt ein ganz neues Krankenhaus zu bauen. Auf dem Gelände des Josephshofs gab es genug Platz und am 16. November 1968, pünktlich zum 125jährigen Bestehen des Josephs-Hospitals, konnte der Neubau, für den 20 Millionen Mark aufgewendet worden waren, bezogen werden. Nun standen 337 Betten zur Verfügung, ein moderner Behandlungstrakt mit mehreren OP-Sälen, eine Ambulanz mit Notfallversorgung und eine schöne, große Kapelle, in der regelmäßige Hl. Messen gefeiert wurden. Neben dem Krankenhaus wurde ein Heim für das Pflegepersonal gebaut, das so auch außerhalb der Dienstzeit für Notfälle schnell zur Verfügung stand. Für die Organisation des Hauses war der Rendant Paul Wemhoff verantwortlich, die ärztliche Leitung lag für die Chirurgie bei Dr. Wilhelm Weritz und für die Innere Medizin bei Dr. Karl Drerup und später bei Dr. Reinhard Kahlert. Die Warendorfer Fachärzte hatten Belegbetten in Krankenhaus, wie der Hausarzt Dr. Hermann Busse, der Augenarzt Dr. Dietrich Wesselmann, der HNO-Arzt Dr. Heinz Schürmeyer, der Frauenarzt Dr. Alfred Voß und Dr. Wolfgang Montag, der Urologe Dr. Eberhard Hallermann und Dr. Thomas Weritz, der Orthopäde Dr. Rainer Eselgrim und viele mehr.

Der Neubau hatte natürlich eine moderne Ölheizung bekommen, da wurde Franz Vorderlandwehr als Heizer nicht mehr gebraucht. Er wurde nun „Kalfaktor“, eine Aufgabe, die er mit Herzblut ausfüllte. Er schippte den Schnee, fegte die Treppen und Straßen und merkte sofort, wenn jemand sein Tempotaschentuch auf die Straße geworfen hatte. Nie hätte es bei ihm einen Grashalm in den Fugen oder Dreck in den Ecken gegeben. Das wurde anders, als er in Rente ging – die professionellen Firmen sehen das nicht so eng.

Das Haus wuchs und wuchs. Im Jahr 2000 hatte das Josephs-Hospital schon 440 Mitarbeiter und war damit der größte Arbeitgeber in Warendorf. Die moderne Medizin wurde immer perfekter, stellte aber auch immer höhere Ansprüche. Die Stiftung von Franz Joseph Zumloh war zwar eine solide Grundlage, reichte aber bei den neuen Anforderungen bei weitem nicht aus. Woher das Geld nehmen, auch die Einnahmen reichten nicht für die Modernisierungen. Darum verkaufte das Kuratorim einen Teil des Grundstücks als Baugrundstücke. Auch vom Josephshof trennte man sich, denn das Krankenhaus hatte keine eigene Küche mehr.  Der ehemalige Pächter Hardensett erwarb den ihm so vertrauten Hof und machte einen schönen Pferdehof daraus. 2001 wurde das erste Gesundheitszentrum gebaut mit Praxen für Fachärzte und einer Krankenhaus-Apotheke. Das Josephs-Hospital arbeitete eng mit der Uni-Klinik zusammen und wurde akademisches Lehrkrankenhaus.


Das Kuratorium 2019 mit dem Kurator Rainer Budde und Doris Kaiser als Stellvertreterin, Peter GGoederler als Rendant Und Dr. Dorsel als ärztlicher Direktor

Ende der 2010er Jahre investierte das Kuratorium 30 Mio. Euro in einen achtstöckigen Anbau mit einer repräsentativen Empfangshalle und mit einem zweiten Gesundheitszentrum. Auch die Geräte wurden auf den modernsten Stand gebracht. Das Josephs-Hospital verfügte nun über 241 Betten und beschäftigte 950 Mitarbeiter. Das war ganz gewiss ein großer Fortschritt. Allerdings zeigte sich jetzt, wie kurzsichtig die Grundstücksverkäufe gewesen waren, denn durch die Ausweitungen ergab sich ein gravierendes Parkplatzproblem, das auch durch Parkraumbewirtschaftung nicht gelöst wurde und zu großem Unmut in der Bevölkerung führte.


Das neue Entree des Joseph-Hospitals

Die Finanzlage wurde immer prekärer, sodass im Dezember 2024 erstmalig ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt werden musste. Zähe Verhandlungen begannen um einen neuen Investor, die Franziskus-Stiftung, die Uniklinik und die Alexianer lehnten leider ab und im August 2025 wurde bekannt, dass die AMEOS Gruppe mit Sitz in Zürich, ein Investor für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, das Josephs-Hospital Warendorf einschließlich aller Tochtergesellschaften übernehmen will. Im Oktober 2025 wurde Ameos neuer Besitzer des Krankenhauses. Nach 182 Jahren endet die Eigenständigkeit des Josephs-Hospitals.

Leider trennte sich der neue Besitzer von dem traditionsträchtigen Namen „Josephs-Hospital“ und seit dem 1. Januar 2026 heißt das Krankenhaus nun „AMEOS Klinikum Warendorf „Joseph Zumloh“. Sehr schade – und nicht einmal der vollständige Name des Gründers Franz Joseph Zumloh wurde übernommen.

Ob der neue Besitzer unserem Krankenhaus Erfolg bringt, wird die Zukunft weisen.


Die großzügige Eingangshalle des Josephs-Hospitals

 

Mechtild Wolff   1. Januar 2025

Quellen:

Gabriele AusteDie Entwicklung des Medizinal- und Gesundheitswesens in Warendorf von 1880-1945 in Geschichte der Stadt Warendorf Band III  2000

Dr. Paul Leidinger: Warendorf in alten Ansichten 1977

Alfred Kaup und Rainer A. Krewerth: Warendorf, Bilder einer Stadt 1979

Laurenz Sandmann: Warendorf, wie es früher war  2000

Christoph Ackfeld: Jetzt ist das Josephshospital Geschichte – Artikel in der Tageszeitung „Die Glocke“ vom 31.12.2025 und andere Pressebeiträge