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| Josephs-Hospital mit dem ersten Anbau 1846 | Das Josephs-Hospital inmitten von Wohnhäusern |
Am 16. November 1843 wurde das „Josephs-Hospital“
unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und sein Stifter
Franz Joseph Zumloh von den dankbaren Warendorfer Bürgern begeistert
gefeiert. Nun begann eine neue Ära in dem kleinen Landstädtchen mit
seinen 4.000 Einwohnern. 30 Kranke konnten in vier großen Zimmern mit je
sechs Betten und fünf kleineren Zimmern stationär behandelt und gepflegt
werden, dank des unermüdlichen Einsatzes der vom Gründer eingesetzten
Clemensschwestern, die auch im Haus wohnen konnten. Die sechs Schwestern
übernahmen die Pflege der Patienten, hielten das Krankenhaus in
peinlicher Sauberkeit und Ordnung, machten die Wäsche, sorgten für gutes
Essen aus eigener Küche und pflegten den Garten, wo Obst und Gemüse in
Hülle und Fülle wuchs. Wie gut, dass Franz Joseph Zumloh noch miterleben
konnte, dass sein Werk gedieh. Schon 1846 wurde das östlich gelegene
Nachbarhaus gekauft und umgebaut. Jetzt konnten 65 Kranke gepflegt
werden. Es ist überliefert, dass 1851, also drei Jahre vor dem Tod des
Stifters, 328 von 431 Patienten geheilt werden konnten, in einer Zeit,
als es noch kein Penizillin und nur ganz einfache OP-Möglichkeiten gab.
Durch die großzügige finanzielle Ausstattung der Stiftung war es
möglich, mittellosen Kranken eine kostenlose Behandlung zu gewähren. Die
Anzahl der Patienten wuchs und wuchs, sodass schon 1867 der zweite Anbau
nötig wurde. 90 Betten standen nun in geräumigen Zimmern zur Verfügung,
die sogar eine Gaslampen-Beleuchtung hatten. Das Krankenhaus konnte
einen zweiten Arzt einstellen, der ausschließlich für die Operationen
zuständig war. Die Clemensschwestern richteten nun auch eine kleine
Kapelle ein, in der jeden Morgen eine Hl. Messe gelesen wurde und wo die
Kranken Trost und göttlichen Beistand fanden. Die Oberaufsicht hatte
nach wie vor das Kuratorium.

Das Josephs-Hospital mit dem schönen Park (Photo Rosenstengel)
Zum 50jährigen Bestehen 1893 verkündete das Krankenhaus stolz,
dass bislang schon 14.000 Patienten behandelt wurden. Die Zahl der
Patienten wuchs, sodass 1902 eine erneute Erweiterung auf 120 Betten
stattfand. In den Folgejahren bekam Warendorf eine zentrale
Wasserversorgung und die Gaslampen wurden durch elektrisches Licht
ersetzt. Nun konnte auch ein Röntgengerät angeschafft werden und seit
1911 gab es sogar ein Telefon – welch ein Fortschritt.

Das Josephs-Hospital füllte nun fast das ganze Quartier zwischen
Lüningerstraße, Krückemühle und Hohe Straße aus. Es gab sogar eine
eigene Leichenhalle. Im Innenhof befand sich nun eine von den Nonnen
stets gepflegte Gartenanlage, wo die Patienten Erholung und Unterhaltung
finden könnten.
Für den Anbau von Obst und Gemüse war an der Lüningerstraße
allerdings kein Platz mehr, darum kaufte das Kuratorium des
Josephs-Hospitals den Josephshof an der Sassenberger Straße 37. Er wurde
von einem Ackerer bewirtschaftet. So wurde die Krankenhausküche immer
mit frischem Obst und Gemüse und Blumen versorgt. Die Lage des
Josephshofs hatten die Clemensschwestern klug gewählt. Er lag in
unmittelbarer Nachbarschaft zum Sophienstift, der vom Ehepaar Wiemann
1903 ererbten Villa, die den Clemensschwestern lange als Wohnsitz
diente.

Das Josephs-Hospital 1916 - so hat es zuletzt ausgesehen - man kann das
Gründungsgebäude mit der Eingangstür und die beiden ersten Anbauten gut
erkennen
Die 1920er Jahre brachten gute und schlechte Ereignisse. Eine
große Erleichterung war eine Zentralheizung, die 1922 eingebaut wurde.
Bislang musste in jedem Krankenzimmer ein Ofen geheizt werden und mehr
als ein Mann sorgte dafür, dass die Öfen nachgelegt und sauber gehalten
wurden. Nun musste nur noch der Kessel mit Koks gefüttert werden und
alte Warendorfer werden sich noch an Franz Vorderlandwehr erinnern, der
seit Kriegsende der Heizer vom Dienst war und gerne den Kinderschreck
spielte, wenn diese ihn durch das Kellerfenster wegen seines
rußgeschwärzten Gesichts veräppeln wollten.
Die Weltwirtschaftskrise 1923 ging auch nicht spurlos an
Warendorf vorbei. Das Josephs-Hospital geriet in finanzielle
Schwierigkeiten, die Patienten konnten nur noch in Naturalien bezahlen
und auch das Krankenhaus entlohnte sein Personal in Naturalien. Aber die
Warendorfer Bürger und Unternehmer wollten ihr Krankenhaus auf keinen
Fall gefährden und steuerten nach Kräften Geldmittel bei. Auch die
Bauern aus Gröblingen, Velsen und Vohren brachten Naturalien und
sicherten sich so die Aufnahme der Landbevölkerung in das Krankenhaus.
Im 2. Weltkrieg wurde das Hospital mit seinen religiös
fundierten und mutigen Nonnen von großer Wichtigkeit. Schon in der
Reichspogromnacht am 9. November 1938 nahmen die Clemensschwestern alle
verletzten Juden auf und die Warendorfer Ärzte behandelten sie. Von Dr.
Gronover, dem HNO-Arzt, wird erzählt, dass er den Juden Hugo Spiegel und
den Viehhändler Julius Ansbacher ärztlich versorgte und sogar eine Wache
vor das Krankenzimmer stellte, damit die SA keine Rache üben konnte.
Während des Krieges war das Josephs-Hospital für viele verletzte
Soldaten ein heimatnaher Zufluchtsort. Mutig retteten die Schwestern so
manchem Soldaten das Leben.

1950 - Das Kreiskrankenhaus an der Tönneburg
Nach dem Krieg war die Entwicklung rasant. Viele neue Abteilungen kamen
hinzu sodass zu den 28 Clemensschwestern noch 12 weltliche
Krankenschwestern eingestellt werden mussten.
Die Einwohnerzahl der Stadt Warendorf war durch die Flüchtlinge auf
12.000 angewachsen, kein Wunder, dass das Krankenhaus aus allen Nähten
platzte. Viele Kriegsverwundete und ausgemergelte Flüchtlinge verschärften
die Lage. Nun war guter Rat teuer, denn in der Innenstadt war für eine
Erweiterung kein Platz mehr. Als erste Notmaßnahme wurde an der Tönne-
burg
in den Gebäuden der Remonte das sog. „Kreiskrankenhaus“ eingerichtet,
das wegen seiner schönen Lage im Grünen bei den Patienten sehr beliebt
war. Das konnte aber keine Dauerlösung sein, denn spätestens seit der
Aufstellung der Bundeswehr wurden die Gebäude wieder für die Soldaten
gebraucht.
Anfang
der 1960er Jahre entschloss sich das Kuratorium, vor den Toren der Stadt
ein ganz neues Krankenhaus zu bauen. Auf dem Gelände des Josephshofs gab
es genug Platz und am 16. November 1968, pünktlich zum 125jährigen
Bestehen des Josephs-Hospitals, konnte der Neubau, für den 20 Millionen
Mark aufgewendet worden waren, bezogen werden. Nun standen 337 Betten
zur Verfügung, ein moderner Behandlungstrakt mit mehreren OP-Sälen, eine
Ambulanz mit Notfallversorgung und eine schöne, große Kapelle, in der
regelmäßige Hl. Messen gefeiert wurden. Neben dem Krankenhaus wurde ein
Heim für das Pflegepersonal gebaut, das so auch außerhalb der Dienstzeit
für Notfälle schnell zur Verfügung stand. Für die Organisation des
Hauses war der Rendant Paul Wemhoff verantwortlich, die ärztliche
Leitung lag für die Chirurgie bei Dr. Wilhelm Weritz und für die Innere
Medizin bei Dr. Karl Drerup und später bei Dr. Reinhard Kahlert. Die
Warendorfer Fachärzte hatten Belegbetten in Krankenhaus, wie der
Hausarzt Dr. Hermann Busse, der Augenarzt Dr. Dietrich Wesselmann, der
HNO-Arzt Dr. Heinz Schürmeyer, der Frauenarzt Dr. Alfred Voß und Dr.
Wolfgang Montag, der Urologe Dr. Eberhard Hallermann und Dr. Thomas
Weritz, der Orthopäde Dr. Rainer Eselgrim und viele mehr.
Der Neubau hatte natürlich eine moderne Ölheizung bekommen, da
wurde Franz Vorderlandwehr als Heizer nicht mehr gebraucht. Er wurde nun
„Kalfaktor“, eine Aufgabe, die er mit Herzblut ausfüllte. Er schippte
den Schnee, fegte die Treppen und Straßen und merkte sofort, wenn jemand
sein Tempotaschentuch auf die Straße geworfen hatte. Nie hätte es bei
ihm einen Grashalm in den Fugen oder Dreck in den Ecken gegeben. Das
wurde anders, als er in Rente ging – die professionellen Firmen sehen
das nicht so eng.
Das Haus wuchs und wuchs. Im Jahr 2000 hatte das
Josephs-Hospital schon 440 Mitarbeiter und war damit der größte
Arbeitgeber in Warendorf. Die moderne Medizin wurde immer perfekter,
stellte aber auch immer höhere Ansprüche. Die Stiftung von Franz Joseph
Zumloh war zwar eine solide Grundlage, reichte aber bei den neuen
Anforderungen bei weitem nicht aus. Woher das Geld nehmen, auch die
Einnahmen reichten nicht für die Modernisierungen. Darum verkaufte das
Kuratorim einen Teil des Grundstücks als Baugrundstücke. Auch vom
Josephshof trennte man sich, denn das Krankenhaus hatte keine eigene
Küche mehr. Der ehemalige Pächter Hardensett erwarb den ihm so
vertrauten Hof und machte einen schönen Pferdehof daraus. 2001 wurde das erste Gesundheitszentrum gebaut mit
Praxen für Fachärzte und einer Krankenhaus-Apotheke. Das
Josephs-Hospital arbeitete eng mit der Uni-Klinik zusammen und wurde
akademisches Lehrkrankenhaus.

Das Kuratorium 2019 mit dem Kurator Rainer Budde und Doris Kaiser als
Stellvertreterin, Peter GGoederler als Rendant Und Dr. Dorsel als
ärztlicher Direktor
Ende der 2010er Jahre investierte das Kuratorium 30 Mio. Euro
in einen achtstöckigen Anbau mit einer repräsentativen Empfangshalle und
mit einem zweiten Gesundheitszentrum. Auch die Geräte wurden auf den
modernsten Stand gebracht. Das Josephs-Hospital verfügte nun über 241
Betten und beschäftigte 950 Mitarbeiter. Das war ganz gewiss ein großer
Fortschritt. Allerdings zeigte sich jetzt, wie kurzsichtig die
Grundstücksverkäufe gewesen waren, denn durch die Ausweitungen ergab
sich ein gravierendes Parkplatzproblem, das auch durch
Parkraumbewirtschaftung nicht gelöst wurde und zu großem Unmut in der
Bevölkerung führte.


Das neue Entree des Joseph-Hospitals
Die Finanzlage wurde immer prekärer, sodass im Dezember 2024
erstmalig ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt werden musste.
Zähe Verhandlungen begannen um einen neuen Investor, die
Franziskus-Stiftung, die Uniklinik und die Alexianer lehnten leider ab
und im August 2025 wurde bekannt, dass die AMEOS Gruppe mit Sitz in
Zürich, ein Investor für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in
Deutschland, Österreich und der Schweiz, das Josephs-Hospital Warendorf
einschließlich aller Tochtergesellschaften übernehmen will. Im Oktober
2025 wurde Ameos neuer Besitzer des Krankenhauses. Nach 182 Jahren endet
die Eigenständigkeit des Josephs-Hospitals.
Leider trennte sich der neue Besitzer von dem
traditionsträchtigen Namen „Josephs-Hospital“ und seit dem 1. Januar
2026 heißt das Krankenhaus nun „AMEOS Klinikum Warendorf „Joseph
Zumloh“. Sehr schade – und nicht einmal der vollständige Name des
Gründers Franz Joseph Zumloh wurde übernommen.
Ob der neue Besitzer unserem Krankenhaus Erfolg bringt, wird
die Zukunft weisen.

Die großzügige Eingangshalle des Josephs-Hospitals
Mechtild Wolff 1. Januar 2025
Quellen:
Gabriele AusteDie Entwicklung des Medizinal- und
Gesundheitswesens in Warendorf von 1880-1945 in Geschichte der Stadt
Warendorf Band III 2000
Dr. Paul Leidinger: Warendorf in alten Ansichten 1977
Alfred Kaup und Rainer A. Krewerth: Warendorf, Bilder einer
Stadt 1979
Laurenz Sandmann: Warendorf, wie es früher war 2000
Christoph Ackfeld: Jetzt ist das Josephshospital Geschichte –
Artikel in der Tageszeitung „Die Glocke“ vom 31.12.2025 und andere
Pressebeiträge
Das Laurentianum
im Spiegel der Zeit
Geschichte
Abiturientien
Kollegien
Weihnachtskonzert
Mariengymnasium
1871 - 1945
1945 - 2007
Das Glockenspiel vom Münstertor
außerdem im Warendorfer Lexikon:
Portrait
Traditionen und Feste
Wissenswert
Straßennamen