Das Portrait:
Der Geheime Justizrat Wilhelm Zuhorn   (1849-1914)  - Amtsgerichtsrat in Warendorf
von Mechtild Wolff

  

 

Dieses schöne Sandsteinkreuz wurde 1914 nach dem Tode des Geheimen Justizrates Wilhelm Zuhorn errichtet. Auf der Vorderseite des überdachten, stelenartigen Monuments, das mit einem Kreuz überhöht wird, ist zu lesen: „Grabstätte der Familie Zuhorn“. Die Namen und Daten der hier bestatteten Familienmitglieder sind auf Tafeln verzeichnet, die im Grabbereich liegen.

Das Grabmal wurde wegen seiner schönen Gestaltung unter Denkmalschutz gestellt, aber auch, weil Wilhelm Zuhorn war ein bedeutender Bürger unserer Stadt war. Er hat sich intensiv mit der örtlichen Geschichtsforschung befasst. Vielen ist er als Autor der „Kirchengeschichte der Stadt Warendorf“ bekannt.

Seinem Sohn Prof. Dr. Karl Zuhorn ist es zu verdanken, dass wir über das Leben und Wirken von Wilhelm Zuhorn eine authentische Beschreibung haben. Dr. Karl Zuhorn wurde 1933 von den Nationalsozialisten seines Amtes als Oberbürgermeister von Münster enthoben. Diesen unfreiwilligen Freiraum benutze er, um sich intensiv mit dem Leben seines Vaters zu befassen.

 

 

Wilhelm Zuhorn wurde 1849 in Warendorf geboren. Er entstammte einer alten Kaufmannsfamilie, die schon seit über 200 Jahren in dem schönen Bürgerhaus an der Brünebrede ansässig war. Der junge Wilhelm besuchte das Gymnasium Laurentianum und studierte Rechtswissenschaften in Berlin, Bonn und Greifswald. Nachdem er an vielen Amtsgerichten reiche Erfahrungen gesammelt hatte, erfüllte sich 1894, damals war er 45 Jahren alt, sein langgehegter Wunsch, an das Amtsgericht seiner Vaterstadt versetzt zu werden. Hier wurde er Amtsrichter und 1903 Amtsgerichtsrat, also Aufsichtsrichter. Er verzichtete auf eine Karriere im höheren Richterdienst, um in Warendorf Amtsrichter bleiben zu können. Seine große Hingabe zum Richteramt und seine außerordentlichen Fähigkeiten fanden 1911 Anerkennung, als der König ihm den Ehrentitel „Geheimer Justizrat“ verlieh. Wegen seiner großen Ernsthaftigkeit, aber auch wegen seines Humors und seiner Menschlichkeit war er sehr beliebt. Er besaß in hohem Maße das Vertrauen der Bevölkerung und sprach im Gerichtssaal gerne „Platt“ mit den Leuten, wenn es die Verhandlung erleichterte.

Neben seiner dienstlichen Tätigkeit, widmete er sich mit ganzer Hingabe einer zweiten Aufgabe: der Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt. Er wurde der beste Kenner der Warendorfer Stadtgeschichte. Nach seinem Tode gab sein Sohn 1918, also nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, die zwei von ihm vorbereiteten Bände der „Kirchengeschichte der Stadt Warendorf“ heraus. Sie erschienen mit tatkräftiger Hilfe des Verlegers Carl Leopold in der Schnellschen Buchhandlung. Eigentlich sollten drei Bände erscheinen, aber wegen des Krieges gab es großen Mangel an Papier. Man musste auf den Druck von vielen Bildern verzichten und das Werk auf zwei Bände dezimieren.

Diese Kirchengeschichte war das einzig Werk über Warendorfer Geschichte und immer, wenn wir zu Hause etwas zur örtlichen Geschichte nachschlagen wollten, hieß es: „Guck mal im Zuhorn nach“. Dieses Werk war sehr begehrt, darum auch bedauerlicherweise schnell vergriffen. Gern hätte Wilhelm Zuhorn noch eine „Stadtgeschichte“ geschrieben, obwohl er in die Kirchengeschichte schon viele politische Nachrichten eingearbeitet hatte. Aber dazu kam er nicht mehr. Er wurde durch seine zunehmenden Kränklichkeiten daran gehindert und starb 1914 im Alter von 65 Jahren.

Die Geschichtsschreibung der Stadt Warendorf war damit erst einmal auf Eis gelegt, bis Prof. Leidinger sich zum 800jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2000 dieser Aufgabe stellte. Seitdem steht den Bürgern eine hervorragende, dreibändige „Geschichte der Stadt Warendorf“ zur Verfügung.

Der Heimatverein Warendorf ist Wilhelm Zuhorn in besonderer Weise verbunden, denn er gründete 1902 den „Verein für Orts- und Heimatkunde im Kreis Warendorf“. Zuhorn war der erste Vorsitzende von 1902 bis zu seinem Tode 1914. Die Vereinszeitschrift „Warendorfer Blätter für Orts- und Heimatkunde“ wurde von Wilhelm Zuhorn liebevoll gestaltet. Sein Ziel war es, möglichst weiten Volkskreisen die ereignisreiche Vergangenheit zugängig zu machen. Mit den beliebten Wintervorträgen aus Literatur und Kunst förderte der Verein das kulturelle Leben der Kleinstadt. Der „Altertumsverein“, wie er damals kurz genannt wurde, übernahm wohl die Aufgaben einer „Literarischen Gesellschaft“ in dem Landstädtchen Warendorf.

Neben seinen vielen Tätigkeiten als Ortshistoriker, als Westfälischer Geschichtsforscher, als Familiengeschichtsforscher, als Präsident der „Gesellschaft Harmonie“, als Mitbegründer des „Schulvereins zur Gründung einer höheren Schule für Mädchen“, als Mitglied der „Gesellschaft zum Bau einer Badeanstalt“ und vielem mehr, lag Wilhelm Zuhorn die Förderung der Wohltätigkeitsveranstaltungen sehr am Herzen. Durch seine Herkunft aus einer alten Warendorfer Kaufmannsfamilie fühlte er sich seiner Vaterstadt und deren Bewohnern tief verpflichtet. Warendorf war reich an Stiftungen, die den notleidenden Menschen halfen. Er betrachtete es als Bürgerehre, in der Verwaltung dieser Stiftungen tätig zu sein. So war er im Kuratorium des Josefs-Hospitals, das 1843 von Franz Josef Zumloh als Stiftung gegründet worden war, der Karl-Borromäus-Stiftung und der Marienstiftung.

1977 stiftete der Heimatverein Warendorf die „Wilhelm-Zuhorn-Plakette“, benannt nach dem Gründer des Heimatvereins und dem „verdienstvollen Geschichtsschreiber der Stadt Warendorf“. Mit dieser Plakette werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich für die Heimat- und Kulturpflege der Stadt verdient gemacht haben“.

 

 In Erinnerung an die verdienstvolle Kaufmannsfamilie Zuhorn wurde die Straße zwischen Oststraße und Brünebrede „Zuhornstraße“ genannt.

 

Wilhelm Zuhorn war der Großvater von dem uns allen wohlbekannten Wilhelm Veltman.

 

 

Quelle:

Warendorfer Schriften 1977 Band 6/7  S. 13 ff

„Georg Anton Wilhelm Zuhorn (1849-1914)“

Aufzeichnungen seines Sohnes Prof. Dr. Karl Zuhorn,

Oberbürgermeister der Stadt Münster

 

 

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