Das Portrait:
Pauline Hentze (1848- 1928)

Genügend befähigt zur Leitung einer höheren Töchterschule von geringerem Umfang.

 

Warendorf 1872 – ein kleines Landstädtchen an der Ems mit einem humanistischen Gymnasium, an dem die Söhne der Stadt und des Umlandes seit 1856 das Abitur machen können. Pauline Hentze ist es zu verdanken, dass nun auch den Mädchen eine höhere Schulbildung angeboten wird.

Sie selbst hatte das Glück gehabt, eine „Höhere Erziehungs-Anstalt“ besuchen zu dürfen. Mit einem Privatstudium erlangte sie das Zeugnis für den Unterricht an Elementarschulen.

Im Sommer 1872 eröffnete Frl. Hentze an der Brünebrede 25 eine private Höhere Töchterschule mit einem Internat für auswärtige Kinder. Bürgermeister Diederich und der Schulvorstand unterstützten sie nach Kräften bei den Anfangsschwierigkeiten. Die Königliche Regierung in Münster stimmte der Schulgründung erst zu, als Pauline Hentze die „Prüfung für das Amt der Vorsteherin an einer weiblichen Unterrichts- und Erziehungsanstalt“ abgelegt hatte.

Die Privatschule musste sich selbst finanzieren. Das Schulgeld betrug 30 Taler im ersten Jahr und 24 Taler im zweiten. Etwa 15 katholische, evangelische und jüdische Schülerinnen wurden 1872 angemeldet.

Die Töchterschule vergab keine Berechtigungen. An ein akademisches Studium für Mädchen wurde damals noch nicht gedacht. Die bürgerlichen Familien im kaiserlichen Deutschland wünschten sich für ihre Töchter eine bessere Ausbildung, damit sie ihren späteren Aufgaben als Ehefrau, Hausfrau und Mutter besser nachkommen konnten. Die Töchterschulen sollten aber auch den ledigen Mädchen zu einer selbständigen und geachteten Existenz verhelfen, etwa als Privatlehrerin oder Erzieherin. Besonders beliebt war die Schule bei den Beamten, die ihren Töchtern keine hochwertige Aussteuer mitgeben konnten, wohl aber eine gute Ausbildung.

Der „Lectionsplan“ war sehr umfangreich: Deutsche Sprache, Aufsatz, Grammatik und Literatur, Kopf- und Tafelrechnen, Weltgeschichte und Geographie, Physik und Chemie, Zeichnen, Handarbeit und natürlich Religion. Einen Schwerpunkt setzte Pauline Hentze bei der französischen Sprache, der Sprache der feinen Salons. Jeden Tag wurde Französische Grammatik und Konversation gelehrt. Sie selbst beherrschte dank ihrer belgischen Mutter das Französisch wie eine Muttersprache.

Die Töchterschule hatte einen sehr guten Ruf und entwickelte sich so gut, dass drei Schwestern von Frl. Hentze an der Schule tätig wurden. 1876 besuchten 45 Mädchen die Schule.

Jetzt allerdings änderte sich Entscheidendes: Pauline Hentze heiratete am 16.10.1876 den Fabrikanten Oscar Eylardi. Eine verheiratete Lehrerin war damals nicht tragbar. Das Institut wurde von ihren Schwestern übernommen, leider nicht mit langfristigem Erfolg.

1881 musste die Höhere Töchterschule geschlossen werden.

 

Warendorf um 1881

Quellen: Geschichte der Stadt Warendorf

              Marienschule Warendorf  1991

              Archiv der Marienschule



[1] Zeugnisvermerk von 1867

 

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