Theresia Kampelmann (1890-1985)
von Mechtild Wolff

 

Die Nachfolge der Marienschul-Direktorin Dr. Maria Moormann trat Theresia Kampelmann in dem geschichtsträchtigen und schwierigen Jahr 1948 an. Sie hatte lange und erfolgreich mit ihrer Vorgängerin zusammen gearbeitet.

Wer war Theresia Kampelmann?

Sie wurde 1890 in Marten bei Dortmund geboren, wuchs allerdings in Warendorf auf, denn nach dem frühen Tod ihrer Eltern lebte sie in der Familie des Bäckermeisters Heinermann.

Nach ihrer Ausbildung als Volksschullehrerin lehrte sie in Hamm und Meggen und kam 1918 an die Marienschule in Warendorf. Sie hatte noch keine akademische Ausbildung, das war damals nicht nötig, denn die Marienschule war noch keine vollakademische Schule. Als sich aber abzeichnete, dass auch die Marienschule zu einem Lyzeum ausgebaut werden sollte, entschloss sich Theresia Kampelmann 1924 Französisch, Englisch und Geschichte an der Universität in Münster zu studieren. 1930, nach dem 2. Staatsexamen, kehrte sie an die Marienschule zurück. Mit ihr hatte die Schule nun genügend vollakademisch ausgebildete Lehrer, um selbst die Prüfungen zur Mittleren Reife, also dem Einjährigen, abnehmen zu können. Das war für die Schule ein wichtiger Schritt zu  moderner Mädchenbildung. Hier auf dem Lande hatte die Ausbildung der Mädchen bislang das Hauptziel gehabt, die Schülerinnen für ihre Lebensaufgabe als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Viele junge Mädchen hatten damals aber gar nicht die Möglichkeit zu heiraten, weil zu viele junge Männer im 1. Weltkrieg gefallen waren.

Die Mittlere Reife war eine gute Grundlage für eine qualifizierte Berufsausbildung. Und wie wir bei Frau Dr. Moormann schon gehört haben, konnte ab 1941 auch an der Marienschule das Abitur gemacht werden.

Frl. Kampelmann war eine sehr zielstrebige, unnachgiebige Lehrerin. Die Mädchenausbildung an der Marienschule sollte dem Standard des Gymnasium Laurentianum in nichts nachstehen.

Als ich 1951 auf die Marienschule kam, habe ich Theresia Kampelmann als eine Direktorin erlebt, die nicht nur Autorität ausstrahlte, sie war Autorität, Persönlichkeitsautorität und Amtsautorität. Ihr widersetzte sich niemand!!! Wenn die Direktorin in Treppenhaus erschien, verstummten alle Gespräche und keine Schülerin hätte ein lautes Lachen gewagt, denn einen Tadel wollte sich niemand einhandeln. Jede Kleinigkeit hatte Frau Direktorin Kampelmann an ihrer Schule im Blick. Die Erfahrung musste ich als kleine Sextanerin auch eines Tages machen - ich wurde „11 Uhr 20 a`mon Büro“ bestellt. Ohne mir einer Schuld bewusst zu sein, ging ich mit schlotternden Knien in das Direktorinnenbüro und erfuhr von ihr, dass ich meinen Turnbeutel über Nacht an der Garderobe hängen gelassen hatte. Dafür bekam ich eine 10minütige Moralpredigt, die damit endete: Und das, wo doch schon deine Mutter Marienschülerin war!!

Auch in unserer Freizeit mussten wir Marienschülerinnen uns nach den strengen Schulregeln richten. Es war selbstverständlich, dass wir alle Lehrerinnen auf der Straße mit einem ordentlichen Knicks - mit dem rechten Knie bitte - grüßten und wehe der Schülerin, die auf der Straße mit einem Eis auf der Hand erwischt wurde - eine Marienschülerin leckt auf der Straße kein Eis!

Nur einmal im Jahr wagten wir es, uns den strengen Schulregeln zu widersetzen: Am Rosenmontag! Wir ignorierten das Schellen nach der großen Pause, formten einen wohlgeordneten Kreis auf dem Schulhof, schritten im Ringelrein und sangen die neuesten Karnevalslieder. Resi Windelen hatte wundersamer Weise ihre Quetschkommode dabei und spielte ein vielseitiges Karnevals-Potpourri. Frau Direktorin Kampelmann erschien an der Schultür, klatschte energisch mahnend in die Hände und rief: „Der Unterricht hat begonnen!“, was wir ungefähr 7½ Minuten lang ignorierten. Dann hatte die Rosenmontagsfreiheit ein Ende und wir stellten uns ordentlich zwei und zwei auf und gingen vorbei an den strafenden Lehrerblicken in unsere Klassen und freuten uns insgeheim schon auf den nächsten Rosenmontag.

Ihre Unterrichtsstunde dauerte genau 45 Minuten, in denen konzentriert gearbeitet werden musste. Ich bekam die Frau Direktorin Kampelmann in Quarta in Französisch und ich habe meine Leben lang von dieser guten Grundlage profitiert. Sie ließ keine Nachlässigkeiten durchgehen, e und e´ mussten fein auseinander gehalten werden und wir hätten es nie gewagt, die Vokabeln nicht zu lernen, sie hätte es sofort gemerkt.

Ihr ganzer Einsatz galt ihrer Schule. Bei all ihrer Strenge hatte sie für die Sorgen und Nöte der Schülerinnen stets ein offenes Ohr.  Nach außen hin repräsentierte sie ihre Marienschule durch ihre stattliche, immer dezent elegante Erscheinung sehr beeindruckend. Bei offiziellen Anlässen war sie, genau wie Frau Schwerbrock, schon von weitem an ihrem großen Hut zu erkennen.

Bei ihrer Pensionierung 1956 würdigte ihr Vetter, der Warendorfer Bürgermeister Josef Heinermann, ihre Verdienste um die Weiterentwicklung des Lyzeums und um die Bildung und Erziehung der Marienschülerinnen. 600 Schülerinnen nahmen im Theater am Wall Abschied von ihrer gestrengen, aber immer gerechten Direktorin, die 37 Jahre lang an der Marienschule unterrichtet hatte. Es war nicht zuletzt ihr Verdienst, dass die Marienschule Warendorf sich zu einer der angesehensten Mädchenschulen des Landes entwickelt hatte.

 

Theresia Kampelmann verließ Warendorf und verbrachte ihren Lebensabend in Hamm. Die Entwicklung „ihrer Schule“ verfolgte sie sehr genau und ließ es sich nicht nehmen, dem Kollegium zu jedem Nikolaustag eine Tüte Spekulatius zu schicken. Selbstverständlich nahm sie an den jährlichen Pensionärstreffen teil. Wie ein lebendes Geschichtsbuch erzählte sie dann anschaulich aus der bewegten Geschichte der Marienschule, die ja in der Kaiserzeit ihren Anfang genommen hatte.

1985, kurz vor ihrem 95. Geburtstag, verstarb Theresia Kampelmann und wurde in Hamm unter Anteilnahme vieler ehemaliger Kollegen und Schülerinnen zu Grabe getragen.

 

 

 

 Persönlichkeiten

Heinrich Blum, von allen "Mister Blum" genannt

Franz Joseph Zumloh, der Begründer des Josephshospitals

Maria Anna Katzenberger und Heinrich Ostermann

Hermann Josef Brinkhaus,
Gründer der Firma Brinkhaus

Eduard Wiemann und die Villa Sophia

Anna Franziska Lüninghaus, Gründerin der Marienstiftung

Wilhelm Zuhorn, Geheimer Justizrat und Geschichtsforscher

Bernard Overberg, der Lehrer der Lehrer

Arthur Rosenstengel, Seminarlehrer, Musikerzieher und Komponist

Pauline Hentze, Begründerin der Höheren Töchterschule

Theresa Kampelmann, die gestrenge Direktorin der Marienschule

Franz Strumann, Pastor und Förderer der höheren Mädchenbildung

Dr. Maria Moormann, die mutige Direktorin der Marienschule

Josef Pelster, der Schulrat und Naturfreund

Wilhelm Diederich, Bürgermeister von 1869-1904

Hugo Ewringmann, Bürgermeister von 1904-1924

Theodor Lepper, Stadtrendant und Retter in den letzten Kriegstagen

Clara Schmidt, Kämpferin für die Frauenliste im Stadtparlament

Elisabeth Schwerbrock, eine hochengagierte Stadtverordnete,

Eugenie Haunhorst, die Kämpferin für ihre Heimatstadt

Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland

Paul Schallück, der vergessene Nachkriegsschriftsteller

Heinrich Friedrichs, ein Warendorfer Künstler

Theo Sparenberg, Kinokönig und Tanz- und Anstandslehrer

Wilhelm Veltman, Retter der historischen Altstadt

Rainer. A. Krewerth, ein schreibender Heimatfreund

Josef Heinermann, Bäcker und Bürgermeister

Opa Niehues

Gymnasialdirektor
Prof. Dr. Alfons Egen

 
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