Auf der Emsinsel darf nicht gebaut werden
von Walter Schmalenstroer (23. 7. 2021)

Die Bilder der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz, NRW und Bayern zeigen die zerstörerische Gewalt des Wassers und die riesigen Schäden, die es anrichten kann. Solche extremen Ereignisse hatte man nicht erwartet. Es kam schlimmer, als man es je gedacht und berechnet hatte. Solche durch Starkregen und Überflutungen verursachte Katastrophen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten häufiger, sagen die Experten. Was man einst „Jahrhunderthochwasser“ nannte, wird nun mehrmals im Jahrhundert stattfinden. Seltener als einmal im Jahrhundert stattfindende Extremhochwasser hielt man bislang für wenig wahrscheinlich (niedrige Wahrscheinlichkeit HQextrem). Doch diese Wahrscheinlichkeiten haben sich geändert. Wahrscheinlich werden wir Extremhochwasser noch in  den kommenden Jahrzehnten erleben. Bereits in den Jahren 2002, 2010, 2013, 2014, 2016 gab es in Deutschland schwere, in dieser Stärke nicht erwartete Hochwasser. Wir brauchen eine realistischere Einschätzung bezüglich Plötzlichkeit und Gewalt von Unwettern, die auch Leben kosten können, so Ortwin Renn, Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeit in Potsdam. Zum Realismus gehört es auch wahrzunehmen, dass sich die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Risiken erhöht.

 

Die Bilder der Flutkatastrophe beunruhigen mich, wenn ich an Warendorf denke. Auch in Warendorf kann es Hochwasser im Bereich der Ems geben. Aktuell existiert ein guter Hochwasserschutz, wo große Wassermengen durch den Emssee an der Stadt vorbei auf den Lohwall geleitet werden. Es entsteht kaum Schaden. Doch in Zukunft sollen bislang seltene extreme Hochwasserlagen zunehmen. Dann wird es auch in Warendorf Überschwemmungen geben. Nützlich ist ein Blick auf die Hochwassergefahrenkarte des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz: www.flussgebiete.nrw.de/system/files/atoms/files/3_ems-system_a02_rk_nw_b009.pdf. Bestimmte Gebiete unserer Stadt erweisen sich auf dieser Karte bei Extremhochwasser als gefährdet (z.B. die dem Emssee zugewandte Seite der Sassenberger und Milter Straße, die Bleichstraße usw.). Deutlich wird auch, dass die Emsinsel mit dem Brinkhausareal Überschwemmungsgebiet ist. Die geplante Umlegung des Emsverlaufs („neue Ems“) kann daran wohl nur wenig ändern. Die „neue Ems“ ist ja nicht anderes als eine weitere, unökologische Kanalisierung der Ems und besteht aus einer einfachen Betonrinne. Sie wird wohl kaum reißende Wassermassen zurückhalten können, wenn diese sich zerstörerisch einen Weg bahnen. Eventuell wirkt sich der durch die Rinne geänderte Strömungsverlauf des Wassers in diesem Falle negativ auf sonst nicht betroffene Gebiete aus, die dann überflutet werden. Das Brinkhausareal ist also durch Hochwasser gefährdet. Eine solche Katastrophe wie in Rheinlandpfalz, NRW und Bayern sollte es in Warendorf nicht geben. Deshalb gilt: Auf dem Brinkhausareal darf nicht gebaut werden. Auch wenn nicht gebaut wird, ist eine Gartenschau möglich und kann gut gelingen.

 Lesen Sie hierzu auch den ausführlichen Brief an die Stadt Warendorf...

Walter Schmalenstroer

 

 

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