Die Ausschmückung der Stadt zu Mariä Himmelfahrt
von Mechtild Wolff (August 2022)

 

Freckenhorster Straße alter Bogen Münsterstraße Brünebrede

Im Laufe der Jahre geschahen immer wieder Wunder und es wurde den Menschen zu einem großen Bedürfnis, der „Wundertätigen Muttergottes von Warendorf“ zu danken und sie zu ehren. 1753 genehmigte der Magistrat am Fest Mariä Himmelfahrt die erste Prozession. Alle Bewohner halfen mit, die Stadt für die Mariä Himmelfahrts-Prozession in ein Festgewand zu kleiden. Die Straßen, durch die die Prozession gehen sollte, wurden sauber gefegt und geharkt - viele Straßen waren damals nur einfache Sandwege. Die Gosse, durch die ja noch die Abwässer flossen, wurde mit Schilf vom Emsufer abgedeckt. Viele junge Birken und bunte Blumensträuße schmückten den Straßenrand. Ja, auch das Straßenpflaster wurde mit Blättern und bunten Blumen abgedeckt. In den Hauseingängen und in den Fenstern bauten die Warendorfer Altärchen auf und zündeten Kerzen an. Es war eine wahre Freude, wie schön die Stadt aussah, als die Prozession mit der „Glorreichen Muttergottes“ aus der Laurentiuskirche durch die Straßen zog.

  

Klaus Budde baut den Marktbogen nach Ein  Pater vom Prozessiönchen Bungen an den Häusern der Altstadt

  

In der Mitte des 18. Jahrhunderts kam eine ganz besondere Attraktion dazu: Man baute Bögen in der Stadt auf. Die Idee kam von dem Schreiner Johann Hermann Budde. Er war in seinen Gesellenjahren in Wien gewesen und hatte dort die Krönungsfeierlichkeiten für Kaiserin Maria Theresia miterlebt. Ihr zu Ehren waren in Wien „Triumpfbögen“ aufgebaut worden. Das wäre doch etwas für Warendorf zum Mariä Himmelfahrtsfest! Und als der Schreinergeselle Budde wieder in die Kunstschreinerei seines Vaters an der Brünebrede zurückkam, baute er den ersten Festbogen für den Marktplatz mit 12 Säulen. Es sah prächtig aus. Nach und nach wurden in allen Straßen, durch die die Mariä Himmelfahrtsprozession kam, Bögen aufgestellt.

Heute erstrahlen am Samstagabend bei der Innenstadt-Illumination neun Bögen in hellem Glanz, oft sogar mit der traditionellen Beleuchtung durch unzählige kleine Gasflämmchen. Die Bögen sind mittlerweile oft erneuert worden, leider nicht nach historischen Vorbildern. Besonders am Heumarkt vermissen viele alte Warendorfer das „Prozessiönchen“, das auf dem damals aus Holz gebauten Bogen gemächlich dahinschritt. Diese handgeschnitzten Figuren haben die Kinder besonders bestaunt und geliebt, den Pastor mit der Monstranz unter dem Baldachin, die Messdiener, die Kommunionkinder, die Franziskanerpaters und ganz viele Gläubige, die man zuweilen sogar erkennen konnte.

Der Aufbau und die Pflege der Bögen und die Ausschmückung der Straßen werden noch heute von den Bogengemeinschaften organisiert. Viele Bürger helfen mit ihren Spenden. Bei der Illumination am Samstagabend achten die Bogenväter darauf, dass alle Fenster mit roten „Bungen“ beleuchtet sind und kein elektrisches Licht eingeschaltet wird. Die Innenstadtbewohner und Kaufleute bauen in Schaufenstern und Hauseingängen liebevoll gestaltete Marien-Altärchen auf. Die Besucher können in jedem Jahr neue Kunstwerke mit herrlichem Blumenschmuck bestaunen.

 

 

 

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