
Mit den sieben Gestüt-Leitern im 19. Jahrhundert befasste sich
ein Vortrag, zu dem der Heimatverein in Zusammenarbeit mit dem
Westpreußischen Landesmuseum eingeladen hatte. Der Vortrag stellte einen
der Beiträge des Heimatvereins zum Jubiläum „200 Jahre Landgestüt“ dar
und war zugleich in die Trakehnen-Ausstellung des Museums integriert.
F. Bernward Fahlbusch zeichnete aber nicht nur die Lebensläufe
der Direktoren, sondern vermittelte auch grundlegende Informationen über
die Organisation des preußischen Gestütswesens im 19. Jahrhundert und
die verwickelte Vorgeschichte der Warendorfer Institution, denn erst im
Juli 1825 wurde Warendorf als Standort überhaupt in Erwägung gezogen.
Erstmals konnte dabei ein Portraitbild des zweiten Leiters, des
Landstallmeisters August v. Schwichow, öffentlich gezeigt werden. Dieser
Leiter, der 1847 nach Trakehnen versetzt wurde, war ganz wesentlich
dafür verantwortlich, dass in Ostpreußen nun der Typ des Trakehner
Pferdes mit einem hohen (englischen) Vollblutanteil herangezüchtet
wurde. Unbekannt war bisher auch, dass August v. Schwichow mit der
Sassenbergerin Maria Gertrud Kock einen unehelichen Sohn hatte.
Waren es im Februar 1826 nur 24 Hengste, die erst einmal für
beide Westprovinzen Preußens ausreichen mussten, so wuchs die Hengstzahl
sehr schnell, um ab ca. 1870 regelmäßig knapp unter 100 zu betragen.
Naturgemäß befasste sich der Vortrag denn auch mit dem Neubau des
Gestüts ab 1883 auf dem heutigen Gelände. Zu verdanken war dieser dem
gemeinsamen Wirken des Leiters Erich v. Heuser (1877-1887) und des
Bürgermeisters Wilhelm Diederich, der trotz angespannter Haushaltslage
durchsetzte, dass städtische Mittel für den Grunderwerb bereitgestellt
wurden, - eine fürwahr weitsichtige Entscheidung.
Fünf der sieben Leiter hatten vorher als Kavallerie-Offiziere
unterschiedlich lange Truppendienste geleistet, alle sieben waren
evangelischer Konfession, aber ansonsten unterschieden sie sich in
vielerlei Hinsicht, so dass es nicht möglich ist, einen bestimmten Typus
zu entwickeln, - außer: Alle wurden seitens der Verwaltung intensiv auf
ihre verantwortungsvolle Tätigkeit vorbereitet.
Grundlage des Vortrags ist eine Darstellung, die mit allen
nötigen Nachweisen versehen in dem nächsten Band der Warendorfer
Schriften erscheinen wird.
Im Schrifttum über das Landgestüt stehen die Pferde zu Recht an
erster Stelle. Eher nur am Rande werden die Menschen erwähnt, die diese
Institution erst ermöglichten. Systematische Untersuchungen über das
Gestütspersonal liegen nicht vor. Der Vortrag stellt nun die sieben
Gestütsleiter des 19. Jahrhunderts in vergleichender Sicht vor. Dabei
wird (neben Grundinformationen zur preußischen Gestütsgeschichte) eine
Reihe bisheriger Annahmen präzisiert, teilweise korrigiert und bisher
unbeachtetes Material präsentiert.
Der Vortrag stellt einen Beitrag des Heimatvereins zum
zweihundertjährigen Bestehen des Landgestüts dar; ein weiterer Beitrag
wird der nächste Band der Warendorfer Schriften sein (Erscheinen im
Dezember 2026), dessen fünf Beiträge sich ausschließlich mit dem
Landgestüt befassen.
Der Vortrag findet in Zusammenarbeit mit dem Westpreußischen
Landesmuseum im Rahmen der momentanen Trakehner-Ausstellung statt:
Freitag, 11. September 2026, 18.00 (freier Eintritt)