Von der Rasenbleiche zur Schnell- und Kunstbleiche
von Mechtild Wolff

 

Zu Ruhm und Wohlstand kam Warendorfer durch das Leinen. Es war von hoher Qualität, nicht nur wegen der feinen Webtechnik, auch wegen der optimalen Bedingungen der Bleiche auf den Emswiesen. Das weiche, eisenarme Emswasser war zum Bleichen hervorragend geeignet. In der 500 Meter breiten Flussaue war genug Platz zum Auslegen des Leinens. Die Fachkenntnisse der Bleicher machten Warendorf zu einem über-regional bedeutenden Bleich-platz. Sogar Kunden aus Bielefeld und Schlesien ließen ihre Waren in Warendorf bleichen. Auf den Bleichwiesen standen kleine Hütten, die als Unterstand für die Wächter dienten. Das Leinen, das hier zum Bleichen ausgelegt und ausgehängt wurde, stellte ja einen beträchtlichen Wert dar und böse Buben gab es auch damals schon. Noch heute erinnert der Name „Linnenwiese“ an die Zeit der Rasenbleiche

Die Qualität der Stoffe wurde von den Gilden kontrolliert. Vor dem Verkauf musste jedes Tuch gestempelt werden. Dafür gab es die Leinentuchgilde, die Baumseidengilde u.a. Die Legge-Ordnung von 1765 schrieb vor, dass auf den Warendorfer Bleichen nur Waren mit einem Akzise-Stempel gebleicht werden durften. Hiermit sollte vermieden werden, dass minderwertiges Leinen als „Warendorfer Leinwand“ gehandelt wurde und ein Überangebot hervorrief.


Besuchskarte der Firma Brinkhaus
mit der Preckelschen Schnell- und Kunstbleiche im Hintergrund

  

Ab 1826 wurde die Rasenbleiche mehr und mehr von der Kunstbleiche verdrängt, die mit Hilfe von Chlor arbeitete. Vor den Toren der Stadt entstand die „Schnell- und Kunstbleiche“ der Firma Preckel, die zur Musterbleiche für Westfalen ausgebaut wurde. Sie wurde vom Ministerium für Gewerbe gefördert und mit kostenlosen Maschinen ausgestat-tet. Diese Schnell- und Kunstbleiche der Firma Preckel wurde 1892 von der Firma H. Brinkhaus übernom-men. Sie lag hinter dem Neubau der Firma Brinkhaus auf der Emsbleiche, dort, wo später „Haus Bleiche“ gebaut wurde.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Warendorf der wichtigste und größte Sammel- und Handelsplatz für Leinengewebe im Münsterland.

Die feine „Warendorfer Leinwand“ wurde überall in Europa und auch in Amerika gehandelt. Da war es von großer Bedeutung, dass Warendorf von 1370-1623 Mitglied der „Hanse“ war, die den Kaufleuten Schutz bot. Die Gilden waren leistungsfähige Handels-organisationen. Ein Schatzungsregister von 1685 nennt allein in Warendorf sechs Textilgilden: Tuchmacher, Wandmacher, Linnen-tuchmacher, Bomsidenmaker, Grobweber und Tuchscherer. Die Leinentuchmacher hatten das höchste Ansehen, darum war ihre Dienstelle, die „Legge“, im Rathaus. Nur mit dem Legge-Stempel, dem städtischen Gütesiegel, durfte Leinen als „Warendorfer Leinen“ gehandelt werden. Der Leggemeister war einer der angesehenen Bürger der Stadt und zumeist Mitglied des Rates.

 

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