Geschichte der Firma H. Brinkhaus  1879-2011
von Mechtild Wolff
Teil 1: Von der Gründung 1879  bis in das frühe 20. Jahrhundert

 

Bei der Firma Brinkhaus sind wir in der glücklichen Lage, dass die Firmenchefs eine sehr genaue Chronik geführt haben. Ein besonders fleißiger und sorgfältiger Chronist war Bernhard Brinkhaus.

Ein Glücksfall, dass Dr. Paul Casser nach dem 2. Weltkrieg die Redaktion von „Ketting und Einschlag“ übernahm. In vorbildlicher Weise erstellte er eine fortlaufende Chronik der Firma Brinkhaus und schlug gleichzeitig einen Bogen zu den Ereignissen in Warendorf, Westfalen und Deutschland. Der Schwerpunkt der kulturellen Beiträge lag in der Erforschung der für Warendorf sehr bedeutsamen Leinewebervergangenheit und der industriellen, textilen Gegenwart.

Nachdem sich Hermann Josef Brinkhaus und sein Kompagnon Eduard Wiemann getrennt hatten, gründete er 1879 die Firma „H. Brinkhaus“ und begann mit dem Neubau seiner Firma. Er hatte sich das Gelände der alten Emsbleiche ausgewählt, genau gegenüber der alten Firma, am nördlichen Ufer der Ems. Hier war einst das berühmte „Warendorfer Linnen“ gebleicht worden und hier hatte die „Firma Eickholt und Erben“ und die „Bleichanstalt Preckel“ ihre Fabrikation gehabt. Nun hatten die chemischen Bleichverfahren die Rasenbleichen überholt und die Fa. Eickholt hatte ihren Betrieb eingestellt.

Der Bau der neuen Firma H. Brinkhaus ging in großer Eile vonstatten, denn die Produktion durfte nicht unterbrochen werden und die Mitarbeiter mussten Geld verdienen, um ihre Familien zu ernähren. Darum war es sehr hilfreich, dass 1879, bei der Trennung der Kompagnons Brinkhaus und Wiemann, ein Teil der Webstühle und andere Produktionsmittel am H.J. Brinkhaus gefallen war. Die freundschaftlichen Beziehungen zu Christian Rath machten es möglich, dass diese Maschinen behelfsmäßig in der Rathschen Spinnerei in Sassenberg aufgestellt wurden. So war für die Brinkhaus Arbeiter eine Notlösung geschaffen und die Produktion lief weiter. Daneben wurden manche Arbeiten auch in Heimarbeit erledigt, wie z.B. das Anfertigen der Schussspulen.

 

Am 28. August 1879 legte die junge Frau von Hermann Brinkhaus, Hermine geb. Kracht (1851-1932), den Grundstein für die neue Fabrik an der Ems. In der Chronik der Fa. Brinkhaus steht „1879, den 28. August, legt Minchen den ersten Stein zur Fabrik auf der Emsbleiche.“ Die Bauausführung lag bei der Firma Carle´. Schon am 30. Oktober, nach nur 2 Monaten,  war das neue Fabrikgebäude unter Dach gebracht, sogar der 100 Fuß hohe Schornstein war fertig.

Am 31. Oktober 1879 wurde Richtfest gefeiert für das zweieinhalbstöckige Bürogebäude, den 26m hohen Schornstein und die einstöckigen Sheddach-Hallen. Im Giebel befindet sich noch heute ein Sandstein mit der Jahreszahl 1879.

In Januar 1880 wurde die Produktion aufgenommen. Der Gebäudewert wurde mit 60 000 Mark veranschlagt.

 

Nun hatte die Firma „H. Brinkhaus“ moderne einstöckige Produktionsgebäude, so, wie wir sie heute noch kennen und bald konnten auch noch moderne Webstühle dazu gekauft werden. Die neuartige Gasbeleuchtung sorgte für gleichmäßiges Licht, das im Websaal für eine qualitätsvolle Arbeit sehr wichtig war. Außerdem gab es einen sehr viel leistungsfähigeren Dampfkessel, den die „Gebr. Storck und Co“ aus Hengelo gebaut hatten. Alles war auf neuestem Stand. Die Weber und die Webstühle, die in der „Spinnerei Rath“ in Sassenberg untergebracht waren und die Heimarbeiter fanden alle Platz in der neuen Firma. Bald klapperten hier über 130 Webstühle und die Belegschaft war auf über 100 Mitarbeiter angewachsen.

Die Handweberei ging immer mehr zurück, sie war nicht mehr konkurrenzfähig. Die guten Weber wurden von den Industriebetrieben sehr umworben.

1881 kam mit der Gründung der „Mechanischen Weberei und Färberei Oberstadt und Ludorff“ später „Ludorff und Neuhaus“ ein drittes Textilunternehmen mit der gleichen Produktausrichtung auf den Markt. Diese drei Firmen lieferten sich einen erbitterten Konkurrenzkampf. Die Umsätze waren recht gut, aber die Jahresergebnisse eher traurig. Die Produktpallette wurde auf über 50 Gewebearten erweitert und bei Brinkhaus standen jetzt 180 Webstühle.

 

Hermann Josef Brinkhaus ((1819-1885) war nun schon 60 Jahre alt und hatte in der Firma tatkräftige Unterstützung von seinen beiden Söhnen.

Hermann (1847-1895) (Großvater von Hermann Gustav Brinkhaus) hatte eine textilwirtschaftliche Ausbildung in England und Belgien absolvierte und arbeitete schon seit 1869 in der Firma. Er hatte die Konzeption der neuen Fabrik und die technische Ausstattung wesentlich bestimmt. Sein Vater machte seinen ältesten Sohn zu Prokuristen mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark, alternativ 25% des Gewinns. Er war für den technischen Bereich zuständig.

 

Bernhard (1857-1935) (Großvater von Dieter Brinkhaus) hatte nach dem Einjährigen eine kaufmännische Lehre in Warendorf und Köln gemacht, sich dann aber für eine militärische Laufbahn entschieden und es zum Reserveoffizier und zum Rittmeister gebracht.  1878 entschied er sich aber trotzdem für die Textilindustrie und besuchte die Webschule in Mühlheim am Rhein, wo er sich speziell mit der Färbetechnik befasste. Sein Vater berief den 10 Jahre jüngeren Bernhard zum Commis, d.h. zum leitenden Angestellten mit einem Anfangsgehalt von 900 Mark. Er arbeitete zunächst als Reisender. 1884 erhielt auch Bernhard Prokura. Am 1.1.1885 wurden beide Söhne gleichberechtigte Gesellschafter. Den anderen Geschwistern gegenüber hatten sie eine Auszahlungspflicht. So war der Übergang in die nächste Generation gut geregelt, als Hermann Josef Brinkhaus am 24.2.1885 verstarb, erst 66 Jahre alt. Er hinterließ seine Frau Johanna geb. Ostermann und seine Söhne Hermann, Hugo, Paul und Bernhard, sowie seine erst 16 Jahre alte Tochter Sophie. Vier Kinder waren ihm schon im Tod vorausgegangen. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er in Warendorf auf dem Friedhof begraben.

Die Firma war wohlgeordnet, hatte aber mit dem ruinösen Wettbewerb der Firma “Wiemann & Bispinck“ und der Firma Oberstadt schwer zu kämpfen. Die drei Firmen hatten das gleiche Produkt und den gleichen Kundenstamm und Wiemann unterbot Brinkhaus generell um 10%.

1884 hatte Brinkhaus 50 verschiedene Produkte im Angebot: Rohnessel, Segeltuch, Bettdrell, Barchent, verschiedene Leinenarten, Nessel, Flanell, Kartune, Baumseide, Futterzeug, Blusenstoffe etc.

1888 wurde ein neuer Websaal gebaut. Jetzt ratterten 180 Webstühle.

 

1879 Erste Visitenkarte der neuen Firma

 

1892 kaufte die Fa. H. Brinkhaus die Preckelsche Bleicherei und Appretur-Anstalt, die sich westlich an das Firmengelände anschloss. Auf diese Weise wurde die Firma unabhängig von fremden Ausrüstern. Für die Belegschaft und die Warendorfer Bevölkerung ergab sich eine angenehme Begleiterscheinung: Die neue Anlage unterhielt eine Badeanstalt mit einer größeren Anzahl von Badewannen und Brausen, die gerne in Anspruch genommen wurden.

1895 ereilte die Firma ein neuer Schicksalsschlag: Hermann Brinkhaus, der ältere der beiden Inhaber, verstarb mit erst 48 Jahren an einem Nierenleiden. Mitten aus dem arbeitsamen Dasein wurde er herausgerissen. Er war, wie sein Vater, in der Stadtverordnetenversammlung für das öffentliche Leben Warendorfs gemeinnützig tätig gewesen, war Kurator im Josefs-Hospital und hatte seine Fähigkeiten als Kammermitglied in der Industrie- und Handelskammer eingebracht. Mit seiner Frau Hermine und seinen Kindern Hermann, Fritz, Paul, Carl und Josefine trauerten die gesamte Belegschaft und die Warendorfer Bürger.

Hermine und ihre Kinder lebten in westfälischer Gütergemeinschaft und waren Teilhaber in der Firma. Bernhard Brinkhaus musste nun die Geschäfte allein führen. Von den Nachkommen seines Bruders wollte nur Paul in die Textilbranche. Er musste aber erst eine Ausbildung bekommen.

1903 trat dann sein 26jähriger Neffe Paul Brinkhaus (1877-1930 verheiratet mit Jenny Brinkhaus Tochter seines Onkels Hugo) als Prokurist, 1908 dann als Inhaber in die Firma ein. Er hatte eine kaufmännische Ausbildung hinter sich.

Der Baumwollmarkt war hart umkämpft. Zu viele Betriebe standen in einem harten Konkurrenzkampf. Bernhard Brinkhaus kam zu der Erkenntnis, dass eine Produktsteigerung nicht mehr sinnvoll war. Darum stand das Bemühen, die Fabrikation zu vervollkommnen und rentabler zu gestalten und den Absatz zu sichern, im Mittelpunkt. Die Zukunft sah er in einer starken Spezialisierung auf bestimmte Produkte.

 

 

 

Die Geschichte der Firma Brinkhaus im Überblick
Teil 1: Von der Gründung 1879  bis in das frühe 20. Jahrhundert
Teil 2: Vom Beginn des 20. Jahrunderts bis in die 30er Jahre: Das Zweigwerk Sassenberg
Teil 3: Von den 30er Jahrern  bis zu den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts

 

 

Quellen:

„Ketting und Einschlag“ 1950-1963 Werkzeitung der Inlettwebereien

H. Brinkhaus Warendorf, Sassenberg, Freckenhorst

 

Paul Leidinger: Hermann Josef Brinkhaus (1819-1885) und die Anfänge der Industrialisierung in Warendorf  Verlag Aschendorff Münster 1996

 

Chronik der Familie Ostermann

Hermann Josef Brinkhaus und Dr. Paul Casser:

„Vom Werden und Wachsen der Brinkhaus Inlettwebereien“ Warendorf 1991

 

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