Heimatverein aktiv für Warendorf:
Die Emsinsel : Was wird aus der Industriebrache?
Wagenhalle und Pförtnerhaus der Firma Brinkhaus, Zwischen den Emsbrücken.
von Claus Ring

 

   Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Verkehr hat in seiner jüngsten Sitzung per Beschluss die Wagenhalle und das damit verbundene Pförtnerhaus der Firma Brinkhaus zum Abriss freigegeben. In den Erläuterungen zu diesem Beschluss heißt es, dass diese Häuserzeile weder historisch noch Stadtbild prägend sei und auch nicht als typisches Gesicht der Firma Brinkhaus wahrgenommen werden könne. In diesem Zusammenhang mag ein kurzer Blick auf den Planverfasser dieser Gebäude interessant sein. (Vgl. freie Enzyklopädie Wikipedia sowie Gutschow/Stiemer, Dokumentation Wiederaufbau Münster, Münster 1982, S.43).

   Der Architekt der Anlage aus dem Jahre 1950 war Heinrich Bartmann (1898-1982), der von 1945 bis 1948 Stadtbaurat von Münster war und hier die Stadtentwicklung und den Wiederaufbau in der besonders wichtigen Anfangszeit maßgeblich und nachhaltig prägte. Er konnte es durchsetzen, den „Charakter der Stadt zu wahren, ohne neuzeitliche Entwicklungen aus den Augen zu verlieren.“ Das heutige Bild der Stadt Münster ist also letzten Endes Heinrich Bartmann zu verdanken. Er forderte für den Wiederaufbau der Stadt Sparsamkeit, Gesundheit und Schönheit und für die Gestaltung unter anderem Maßstab, Proportion, Gefüge, Einheit. Als diese Ziele formuliert, die Richtlinien beschlossen und grundlegende Planungen fertig waren, zog sich Bartmann 1948 wieder in die Privatpraxis zurück. In dieser Zeit arbeitete er außer an einigen für das Stadtbild und die Baukultur Münsters prägenden Bauten an einer Reihe von Industriebauten und Werksiedlungen, baute aber auch Kirchen und  bis 1950 für die Firma H.Brinkhaus in Warendorf. Sein Weg führte ihn schon 1949 zur Technischen Hochschule Darmstadt, deren Rektor er 1959/60 war.

    Die Prominenz des Architekten allein könnte weniger wichtig sein, aber kann man von ihr her die Sorgfalt ablesen, mit der Bartmann 1950 den Warendorfer Auftrag bearbeitete. Die Wagenhalle und das Pförtnerhaus markieren die straßenseitige Eingangsfront der Firma, prägen also gegenüber dem weit zurückliegenden Verwaltungsbau durchaus seit 1950 das Gesicht der Weberei. Der Eindruck ist nur scheinbar so bescheiden, weil Baukörper und Dachform auf die Grundformen reduziert und mit Backstein und Einfassungen aus Sandstein an Fenstern und Türen zwar  zwei verschiedene Wandmaterialien, aber keine Bauzier zugelassen wurden. Anderes wäre in der damaligen Zeit nicht im Sinne des Architekten gewesen. Die beiden vorspringenden Treppenhäuser in Verbindung mit der Symmetrie des gesamten Baus und den sorgfältig bemessenen Achsen erfüllen seinen hohen architektonischen Anspruch. Der Bau der Wagenhalle war meiner Erinnerung nach besonders schwierig, denn ihre Errichtung mitten im Gelben Kolk, dem dritten Emsarm, machte eine umfangreiche Pfahlgründung erforderlich. Das einzige weitere Gebäude in Warendorf aus dieser Zeit mit einem vergleichbaren Architekturwert ist das Theater am Wall. Beide Gebäude sind bei völlig unterschiedlicher Funktion im besten Sinne ihrer Zeit gemäß entstanden und deshalb wichtige Zeitzeugen. Das Theater am Wall wurde aus diesem Grund ja auch unter Schutz gestellt, während die Wagenhalle bisher lediglich als erhaltenswert eingestuft wurde. Das dritte namhafte Bauwerk Warendorfs aus jener Zeit ist die Marktbrücke, die mit der benachbarten Wagenhalle und dem Pförtnerhaus nahezu als ein städtebauliches Ensemble angesehen werden kann.

    Das bisher Gesagte wird sicher einen eventuellen Abriss von Wagenhalle und Pförtnerhaus nicht zwingend verhindern können, es sei denn, es fänden sich weitere triftige Gründe gegen den Abbruch.

   Ihre harmonische Einbindung in das Stadtbild hat die Wagenhalle seit nunmehr fast sechzig Jahren einwandfrei nachgewiesen. Sie und das Pförtnerhaus bilden nach dem Abbruch der angrenzenden Betriebsgebäude ein wichtiges Identität stiftendes Ensemble mit dem historischen Verwaltungsgebäude. Sie kann mit ihrer Gestaltqualität und ihrem Maßstab nahtlos auf das Neubaugebiet dahinter überleiten. Wenn man die störende Hecke beseitigt, wird die Fassade zur der gedachten Allee hin wieder zu einem Teil des attraktiven Stadteingangs. Das ist wichtig, zumal der größte Teil der Warendorfer Gäste hier seinen ersten Eindruck von der Stadt gewinnt. Genau in diesem Zusammenhang kann die Wagenhalle eine neue öffentliche Bedeutung bekommen, denn sie ist dank ihrer offenen Rückseite bei einer Fläche  von nahezu 300 Quadratmetern und einer Raumhöhe von 3,62 in Verbindung mit ihren Anbauten vielfältig gastronomisch und kommerziell nutzbar, ob mit oder ohne eine räumliche Erweiterung. So bringt sie Nutzungen ins Plangebiet, die hier sowieso gefordert sind. Mit einer Toilettenanlage im Zwischentrakt kann sie, mit Verlaub gesagt, für alle auswärtigen Gäste zum ersten Anlaufpunkt werden.

   Das alles ist im Vergleich mit andererseits zu erwartenden Baukosten besonders preiswert zu bewerkstelligen. Wenn hier einmal unvoreingenommen geplant, aber mit spitzem Bleistift gerechnet wird, könnte das dazu führen, dass Eigentümer, Planer, Investoren und Entscheidungsträger von der hier vorgebrachten Lösung überzeugt werden; andernfalls sind triftige Gründe gefragt.

 

 

                                                                                                    Claus G. Ring 10.12.2009

 

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