
Das
Brinkhaus-Areal Letzte Industriebrache erkennt man gut die
Industriebrache Brinkhaus auf der Emsinsel zwischen Altstadt (rechts)
und Einssee (links). Seit Jahren herrscht hier Stillstand. Ob Politik,
Verwaltung, Insolvenzverwalter oder engagierte Bürger: Sie alle wollen,
dass endlich Bewegung in die Sache kommt. Nur wie, darüber ist man sich
uneinig.
Bild: Christian Ring
Warendorf (maf). Für den Arbeitskreis Emsinsel ergibt sich ihr
Ratsantrag „Die Emsinsel für alle! Raum für Natur und Erholung, Kultur
und Information, Begegnung und Unterhaltung" aus dem Leitsatz, den sich
die Stadt selbst gesetzt hat: „Die Verwaltung der Gemeinde wird durch
den Willen der Bürgerschaft bestimmt, die vom Rat der Stadt vertreten
wird." Dieses Mitbestimmungsrecht wollen die Initiatoren wahrnehmen.
„Wir wollen verhindern, dass Fakten geschaffen werden. Wir wollen
sicherstellen, dass unseren Vorschlägen eine faire Chance gegeben
wird", sagt Werner Starke. Parallel liefen Planungen bei der Stadt. Im
Frühsommer soll laut Baudirektor Peter Pesch der Politik eine Vorlage
vorgestellt werden. Der AK Emsinsel
dass
Die Firma Brinkhaus & Wie-mann ist 1847 an der Kirchstraße gegründet
worden, 1879 baute Brinkhaus auf der Bleichwiese an der Eins eine
Mechanische Buntweberei und Färberei. Bereits 1895 gab es eine
Erweiterung des Websaals. Bis 1978 wurde die Textilfabrik stetig größer,
zeitweise kamen Zweigwerke in Sassenberg und Freckenhorst hinzu.
Im 20. Jahrhundert wurde die Eins reguliert und Brinkhaus erweiterte
sich in das ehemalige Überschwemmungsgebiet hinein.dann - neben anderen
Lösungen für die Brache Brinkhaus - auch ihre Alternative ernsthaft
diskutiert wird. Denn: „Das Gelände ist die letzte Industriebrache in
Innenstadtnähe, für die eine Planung noch möglich ist." Und die
Planungshoheit, so Mechthild Wolff, habe die Stadt.
Nach dem Willen des AK Einsinsel passiert Folgendes: Die Stadt erwirbt
das Areal mit der „einzigartigen Lage zwischen Altstadt und Landgestüt",
um eine Flächenaufteilung zu vermeiden. Lediglich geschützte und
schutzwürdige Gebäude werden erhalten und in irgendeiner Form für die
Bürger nutzbar gemacht. Der Rest wird abgerissen. Neue Bebauung gibt es
nicht. Stattdessen wird durch frei werdende Flächen der Emsauenpark
vervollständigt.
Wegen des wenig tragfähigen Grunds mussten neue
Betriebsgebäude auf Pfählen gebaut werden. Unter anderem kamen ein
Webesaal, eine Färbereihalle, die Sheddach-Hallen und später ein
Hochregallager hinzu.
2003 wird die Produktion bei Brinkhaus endgültig eingestellt. Ab 2005
wird die Wagenhalle als Feuerwehrwache Nord benutzt. Seit 2011 läuft das
Insolvenzverfahren. 2013 erhielt die Stadt Warendorf das Vorkaufsrecht
auf das ehemalige Industriegelände.
Von unserem Redaktionsmitglied MARTINA FELDHAUS
Warendorf (gl). Grüne Freiflüchen mit hohem Freizeitwert statt
kleinteiligem Einzelhandel, eine Markt-, Spiel- und Sportstätte in
einigen schätzenswerten Gebäuden statt großflächige Wohnhe- bauting: So
oder so ähnlich stellt sich der Arbeitskreis Emsinsel die künftige
Nutzung des rund 42 000 Quadratmeter großen Areals vor, auf dem die
Brache der Fabrik Brinkhaus steht.
Neu sind die Ideen des AK - bestehend unter anderem aus Mitgliedern
von Heimatverein und Altstadtfreunden - nicht. 2014 hatte sich die
Initiative bereits mit einem Bürgerantrag an die Stadt gewandt und
Gespräche mit den Fraktionen geführt. Jetzt wollen die Initiatoren die
Öffentlichkeit mit ins Boot holen. Das Ziel: „Wir wollen zeigen, dass
unsere Vorschläge machbar und keine bloßen Utopien sind", erläutert
Werner Starke. Deshalb laden er und seine Gruppe für Dienstag, 27.
Januar, alle Interessierten zu der Veranstaltung „Natur geht auf der
Emsinsel! Umsetzung der Wasserrahmenschutzrichtlinien und
Finanzierungsmöglichkeiten" ein.
Bislang, so Mechthild Wolff, Vorsitzende des Heimatvereins, sei eine
Renaturierung von Eins und Emsauenpark immer mit dem Argument „zu teuer"
abgelehnt worden. „Und man ist in gewohnten Denkmustern
hängengeblieben", erklärt Karl-Heinz Elling. „Für viele ist
Wohnbebauung und / oder Einzelhandel die naheliegendste Lösung, wenn in
der Innenstadt Fläche frei wird."
Dass es aber auch anders gehen kann und unbedingt sollte, wollen die
engagierten Bürger nun beweisen. Dazu holen sie sich am 27. Januar
fachliche Unterstützung - etwa von der Bezirksregierung Münster. Dort
war Franz Reinhard unter anderem für das Einsauen-Schutzkonzept
zuständig. Und er konnte jetzt ehemalige Kollegen gewinnen, die
überdie EU-Wasserahmenrichtlinie informieren werden. Die existiert seit
2000 und sieht vor, dass alle natürlichen Oberflächengewässer in einen
„guten ökologischen und chemischen Zustand versetzt werden".
Genau das könnte helfen, die Vorschläge der Emsinsel-Initiative
finanzierbar zu machen. „Das Land nimmt für die Renaturierung Geld in
die Hand, auch für Gewässer zweiter Ordnung wie den Einsabschnitt in
Warendorf", sagt Reinhard. Bis zu 80 Prozent Förderung seien möglich.
Dieser Punkt ist dem AK wichtig. Denn die Mitstreiter wissen: Wer Ideen
hat, muss auch aufzeigen, wie diese finanziert werden können.
Eine weitere Möglichkeit sehen sie in der Städtebauförderung. Mit
Mitteln daraus könnten denkmalgeschützte BrinkhausGebäude für die
Bürger umgenutzt werden. Auch über dieses Thema will der AK demnächst
informieren. Den Auftakt aber macht der 27. Januar. Um 19 Uhr geht's
los im Hotel Einshof.
Hintergrund
Laden für den 27.
Januar 2015 zum Infoabend ein: (v. 1.) Werner Starke,
Franz Reinhard, Klaus Ring (sitzend), Mechthild Wolff, Karl-Heinz El‑
ling, Laurenz Sandmann und Sigfrid Krebse.
Bild: Feldhaus
