Geschichte des Heimatvereins Warendorf e.V.
von Mechtild Wolff (4. 7. 2018)

 

„Der Fortschritt besteht nicht darin, das Gestern zu zerstören,

sondern seine Essenz zu bewahren,

welche die Kraft hat, das bessere Heute zu schaffen.“

Ortega y Gasset

   

1902 gründete der Geheime Justizrat Wilhelm Zuhorn, wohlbekannt durch seine intensive Geschichtsforschung in der Stadt Warendorf, den „Verein für Orts- und Heimatskunde im Kreis Warendorf“. Das sind die Wurzeln des heutigen Heimatvereins Warendorf. Seine Ziele sind die „Förderung der Kultur- und Heimatpflege in den Bereichen Geschichte, Denkmalpflege und Ortsgestaltung, Landschafts- und Naturschutz sowie Mundart und Brauchtum“. Der Heimatverein ist eine große Bürgerbewegung, die Traditionen der Vergangenheit und der Gegenwart sinnvoll bewahren und Perspektiven für die Zukunft erarbeiten will.
 

Mit viel Elan ging der Verein 1902 an die Arbeit. Durch die Publikationen der „Warendorfer Blätter für Orts- und Heimatskunde“, die als Beilage des Neuen Emsboten veröffentlicht wurden, ist uns ein breites Spektrum der Heimatgeschichte Warendorfs und seines Umlandes erhalten geblieben. Die Arbeiten waren breit angelegt und sollten alle Volksschichten erfassen. Diese Blütejahre ebbten 1930 mit der Weltwirtschaftskrise und der wachsenden Arbeitslosigkeit ab und kamen nach 1933 mit der Gleichschaltung der Vereine durch das Hitlerregime ganz zum Erliegen. Der Heimatverein löste sich auf und ging in dem 1938 gegründeten und nach dem Führerprinzip ausgerichteten „Heimatverein für den Kreis Warendorf“ auf.

In den schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Heimatvereinsgedanke wieder Rückenwind. Der erste frei gewählte Bürgermeister Otto Freund  setzte in seiner ersten Ratssitzung am 23.9.1946 einen besonderen Tagesordnungspunkt an: „Neugründung des Heimatvereins“. So ist es dem Bürgersinn und der Umsicht des Bürgermeisters zu verdanken, dass im September 1947 der „Ortsheimatverein Warendorf“ neu gegründet werden konnte. Erster Vorsitzender wurde Bürgermeister Freund selbst. Sein Ziel war es, eine Ortssatzung zur Pflege des Stadtbildes und zum Schutz gegen Verunstaltungen in der Stadt Warendorf zu schaffen.

Die Denkmalpflege zählte zu einer der Hauptaktivitäten des Heimatvereins. schon 1959 kam es zu einem ersten Kampf mit einer Mehrzahl der Stadtväter, die die 1823 errichtete barocke Säulenanlage des Münstertors einer Straßenverbreiterung opfern wollten. Dieser Kampf wurde gewonnen und noch heute sind wir stolz auf den schönen Stadteingang am Münstertor.

Die Stadtsanierung der 1960er und 70er Jahre brachten neue Konfrontationen mit sich. Der Flächenabriss an der Hohen Straße, die Beseitigung markanter Bürgerhaus-Ensembles aus dem 17. und 18. Jahrhundert an der Freckenhorsterstraße und der Abriss der Unterschichtenhäuser, der Gademe, am Ostwall und an der Molkenstraße fügten Warendorf großen Schaden zu. Erst der Abriss des Sophienstiftes 1974, für dessen Erhalt sich der Heimatverein vehement, aber leider erfolglos eingesetzt hatte, ließ die Bevölkerung aufschrecken.

Nun formierte sich bürgerlicher Widerstand gegen die Pläne der autogerechten Stadt. Wichtige Teile der Altstadt sollten abgerissen werden, um einer breiten Autoschneise Platz zu machen. Erbitterte Kämpfe mussten vom Heimatverein und vielen Bürgern ausgefochten werden, ehe diese Pläne zum Altpapier kamen. Der Heimatverein vergab sogar einen Planungsauftrag an einen Verkehrsplaner, um Alternativen zu entwickeln. Auf Druck des Heimatvereins wurde ein Altstadtbeirat eingerichtet, der von dem früheren Stadtplaner der Stadt Münster, Dr. Gerhard Rabeler, geleitet wurde. Schließlich kam mit der Schlaufenlösung eine zwar nicht immer perfekte, aber doch verträgliche Verkehrsgestaltung in der Altstadt zu Tragen.

Um die Rettung der historische Bausubstanz unserer Stadt zu unterstützen, gründeten  Mitglieder des  Heimatvereins 1980 den Verein der „Altstadtfreunde Warendorf“. Mit dem Pickhammer gingen sie unverzüglich an die Arbeit und verwandelten als erstes Objekt das baufällige Haus Kolkstiege 1 in ein schmuckes Fachwerkhaus. Das war der Start für eine lange Liste erfolgreicher Rettungen von Bürgerhäusern und Gademen in Warendorf. Beide Vereine arbeiteten bei allen Projekten eng zusammen.

Auch heute müssen wir sehr wachsam sein ! Die historische Bausubstanz wird jetzt – wie in den 1970er Jahren - leider von den Entscheidungsträgern eher als Belastung denn als Chance angesehen.

2009 sollte im Sophienpark, dort, wo einst die klassizistische Villa Sophia gestanden hatte, ein Feuerwehrgerätehaus gebaut werden. In mehreren Mahnwachen forderten der Heimatverein und sehr viele Bürger den Erhalt des alten Parks. Glücklicherweise hatte die Politik ein Einsehen und der Park ist noch heute eines der Schmuckstücke der Stadt.

Leider konnte der Abriss des Bürgerhofs nicht gestoppt konnte, obwohl sich sehr viele Bürger mit dem Heimatverein für den Erhalt des historischen Gebäudes am westlichen Stadteingang eingesetzt haben.

Und welch ein Schandfleck wäre die Eventgastronomie im Emspark geworden, gegen die der Heimatverein engagiert und erfolgreich gekämpft hat.

Ja, nicht nur historische Gebäude sind heute höchst gefährdet, auch der Emspark wird immer mehr zum Ziel der Begierde von Investoren. Warum setzen sich unsere Politiker nicht intensiver für den Erhalt der Schätze unserer Stadt ein? In unserer Stadt entsteht leider oft der Eindruck, dass der Bürgerwille die eine Seite der Medaille ist, die Inhaber der Entscheidungshoheit aber eine ganz andere Sichtweise haben.

Warendorf steht heute an einer wichtigen Schnittstelle. Wenn bei der Bebauung der Emsinsel, der Industriebrache der in Konkurs gegangenen Inlettweberei Brinkhaus, planerische Fehlentscheidungen getroffen werden, dann kann das die Lebensfähigkeit der Innenstadt gefährden. Unsere historische Altstadt ist das Pfund, mit dem wir wuchern müssen, nur so unterscheiden wir uns von der Beliebigkeit vieler anderer Städte.

Warendorf hat jahrhundertelang von der Weberei gelebt. Hier auf der Emsinsel müssen die historischen Firmengebäude der Weberei Brinkhaus mit dem ortseingangs-prägenden Garagenhaus und dem Pförtnerhäuschen erhalten bleiben und eine moderne  Nutzung finden.

Die Altstadt wird im Norden von der Ems und der Emsaue begrenzt. Das ist für eine Stadt besonders reizvoll, weil sich dadurch das Erholungsgebiet für Jung und Alt direkt an die Stadt anschließt. Der hier entstandene Emspark ist ein wichtiger Faktor für Warendorf als attraktive Wohnstadt, der nicht durch Investorenwünsche gefährdet werden darf.

 

Ein anderer Bereich unserer Arbeit ist die Aufarbeitung und Vermittlung der örtlichen Geschichte. Seit 1971 gibt der Heimatverein die „Warendorfer Schriften“ heraus. Zusammen mit dem jährlichen Mitteilungsblatt „Kiepenkerl“ sind diese Publikationen eine wahre Fundgrube für Geschichte und Geschichten aus unserer Region. Ergänzt wird diese Geschichtssammlung durch historische und volkskundliche Vorträge und Stadtrundgänge, zu der die gesamte Bürgerschaft eingeladen wird.

Spannende Einblicke in das Alltagsleben der Warendorfer Bürgerschaft sind in den insgesamt 12 Bänden der „Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen“ nachzulesen, die der frühere Kreisarchivar Siegfried Schmieder seit 1993 in mühsamer Kleinarbeit aus den niederdeutsch abgefassten Originalen übersetzt hat.

In den letzten Jahren haben wir uns auch intensiv mit der textilen Vergangenheit Warendorfs befasst und in der „Geschichtswerkstatt Textil“ und in Arbeitskreisen „Alltagswissen“ der Textiler gesammelt. Die sehr erfolgreiche Ausstellung „Kette und Schuss“ - von der Handweberei zur Textilindustrie“ im historischen Rathaus ließ das mit vielen Exponaten lebendig werden.

Ein anderes Schwergewicht der Heimatvereinsarbeit ist die Finanzierung und der Unterhaltung des Dezentralen Stadtmuseums zusammen mit den Altstadtfreunden. Jeden Sonntagnachmittag von 15 – 17 Uhr ist das Gadem am Zuckertimpen, das Torschreiberhaus, das Haus Klosterstraße 7 mit den historischen Bildtapeten und das Haus Bispinck an der Münsterstraße  geöffnet. Ehrenamtliche Helfer des Heimatvereins und der Altstadtfreunde zeigen den Besuchern gern diese Sehenswürdigkeiten.

Beliebt sind auch die naturkundlichen Exkursionen. Schon in den 1950er fand sich eine Gruppe von Heimatfreunden im „Trampelclub“ zusammen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad wurden Ausflüge ins gesamte Stadt- und Kreisgebiet unternommen. Zum 750-jährigen Stadtjubiläum, stellten die Wanderfreunde eine Wanderkarte mit 42 Wanderwegen in und um Warendorf vor. Diese Tradition wird bis heute weitergeführt. Zurzeit wird ein neuer Wanderweg rund um Warendorf ausgearbeitet. Naturkundliche Radtouren gehören ebenfalls zu diesem Bereich.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die jährlichen Friedhofsrundgänge, bei denen an den Gräbern von Persönlichkeiten, die sich um Warendorf verdient gemacht haben, deren Wirken und Bedeutung dargestellt wird.

Aus den Erfahrungen anderer Städte lernen, das ist das Motto der jährlichen Reisen in historische Städte. Bei sachkundigen Stadtführungen werden der Blick und das Verständnis für den Denkmalschutz geschärft. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz bei den sehr beliebten Studienreisen.

Zu den Gemeinden in der Umgebung wird durch eine jährliche Radtour unter dem Motto „Besuch bei unseren Nachbarn“ reger Kontakt gehalten. Einblicke in die örtliche Wirtschaft geben die jährlichen „Besuche in Warendorfer Betrieben“.

Der Plattdütske Krink trifft sich monatlich zu einem unterhaltsamen Nachmittag, bei dem „unser Platt“ gesprochen und gesungen wird. Ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Plattdeutschen Sprache.

 

Nur durch das unermüdliche Engagement vieler Heimatvereinsmitglieder können diese und viele andere Aktivitäten angeboten und durchgeführt werden. Auch weiterhin wollen wir aktuelle Warendorfer Themen bei den Gesprächen am „Runden Tisch“ mit der Bürgerschaft diskutieren.

 

Mechtild Wolff  2018

 

 

Mehr Infos über die Aktivitäten des Heimatvereins finden Sie hier auf unserer Homepage.

 

Eduard Wiemann baut die „Villa Sophia“, später „Sophienstift“ genannt
von Mechtild Wolff

Den größten Verlust erlitt Warendorf 1974 durch den Abriss der „Villa Sophia“ an der Sassenbergerstraße. Hier eine kleine Erinnerung an die Prachtvilla der Gründerzeit.

 

 

Aufsehen erregte der Bau der Wiemannschen „Villa Sophia“ in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Solch ein repräsentatives Haus war seit der Errichtung der Katzenbergerschen Villa an der Klosterstraße 7 (1812) nicht mehr gebaut worden. Neu war auch, dass Eduard Wiemann diesen Wohnsitz für sich und seine Gemahlin Sophia außerhalb der Innenstadt, also vor den Toren der Stadt, erbauen ließ. Er legte den Grundstein für die zukünftige Bebauung des ausgedehnten Gartengeländes im nördlichen Stadtfeld.

Der wohlhabende Textilkaufmann Eduard Wiemann (1817-1898) wurde 1847 von seinem Freund Hermann Josef Brinkhaus als Partner für sein Textilunternehmen gewonnen. Das Unternehmen firmierte unter dem Namen „Brinkhaus und Wiemann“. Aus den freundschaftlichen Banden wurden familiäre, als Eduard Wiemann 1851 Sophia Ostermann (1827-1903) heiratete. Sie war die jüngere Schwester von Johanna, der Ehefrau von Hermann Josef Brinkhaus. Beide Mädchen waren in dem prächtigen Haus an der Ritterstraße 692 heute Klosterstraße 7 bei ihren Großeltern, dem preußischen Hofrat Dr. med. Franz Josef Katzenberger (1767-1836) und seiner Gemahlin Anna Elisabeth geb. Schmitz (1781-1849), aufgewachsen.

Die „Mechanische Weberei Brinkhaus und Wiemann“ entwickelte sich zu einem erfolgreichen Unternehmen, was Eduard Wiemann in die Lage versetzte, sich um 1870 diese repräsentative Villa in der neoklassizistischen Architektur der Gründerzeit zu errichten. Er verpflichtete bedeutende Architekten, die die Villa am noch unbesiedelten Emstor innen und außen reich mit Stuck, Gemälden, Schnitzereien, prachtvollen Kaminen und Plastiken verzierten.

 

 

 An der Freitreppe begrüßten den Besucher zwei 160 cm große allegorische Figuren, die Göttin der Kunst und Musik und die Göttin der Dichtkunst und Literatur. Zwei kleinere, 130 cm große Musen schmückten die Ecken der Balustrade. Die „Villa Sophia“ war mit prachtvollen Räumen und Stuck verzierten Sälen im Stil des Rokokos und des Empire ausgestattet und bot viele Jahre lang den Rahmen für ein glanzvolles gesellschaftliches Leben und bereicherte Kunst und Kultur in Warendorf.

Ein Haus mit so viel Pracht und Eleganz, mit einem repräsentativen Park nach englischem Vorbild, der bis zum „Alten Emsarm“ reichte und von bekannten Gartengestaltern im Stil eines klassischen Englischen Gartens angelegt worden war, das war eine neue Dimension für Warendorf. Sophia Wiemann war eine begnadete Gastgeberin, glanzvolle Fest wurden gefeiert. Die „Villa Sophia“ wurde zum kulturellen Zentrum, in der besonders Musik und Literatur der Klassik und Romantik gepflegt wurden. Auch der westfälische Landadel ging hier ein und aus.

Am 16. Juni 1898 starb Eduard Wiemann im Alter von 81 Jahren nach einem erfolgreichen und erfüllten Leben. Er wurde im Mausoleum, das im Park der „Villa Sophia“ erbaut worden war, bestattet. Auch Sophia Wiemann wurde dort nach ihrem Tode am 30. April 1903 beigesetzt.


Da die Ehe der Wiemanns leider kinderlos blieb, vererbte das Ehepaar Wiemann die Villa an die Clemensschwestern aus Münster. Der Orden richtete 1903, nach dem Tod von Sophia Wiemann,  in der „Villa Sophia“ ein Pflegeheim für betagte Clemensschwestern ein, das „Sophienstift“ genannt wurde. 70 Jahre lang gehörten diese Schwestern zum Stadtbild von Warendorf und erfreuten sich hoher Beliebtheit. Die Auflagen des Testamentes, die Villa in unverändertem Zustand zu erhalten, befolgten die Schwestern strikt.


eine Clemensschwester mit der Schubkarre auf der Emsbrücke

 

1971 zogen die Clemensschwestern zurück ins Mutterhaus nach Münster. Die „Villa Sophia“ wurde für die symbolische eine Mark an die Stadt Warendorf verkauft. Einen anderen Käufer gab es nicht. In der Villa war in all den Jahren ein großer Sanierungsstau aufgelaufen. Die elektrischen Leitungen waren noch über Putz verlegt, Wasserrohre mussten saniert werden und vieles mehr. Die alte Pracht aber war unversehrt erhalten. Die Stadt Warendorf sah sich nicht in der Lage, die Sanierungskosten und spätere  Unterhaltungskosten zu finanzieren. Eine so prachtvolle Villa entsprach auch nicht dem Zeitgeist, Betonarchitektur war angesagt. So kam es 1972 zu dem Ratsbeschluss, der den Abriss des „Sophienstiftes“ festlegte. Von einigen Ratsmitgliedern, vom Heimatverein und aus der Bürgerschaft kam energischer Protest, der zwar gehört wurde, aber nichts ausrichten konnte. Das Denkmalschutzgesetz trat erst wenig später in Kraft, zu spät für Warendorf, das ein unwiederbringliches Zeugnis der Industrialisierung verloren hatte.

Ungläubig beobachteten viele Warendorfer Bürger 1974 den Abriss des „Sophienstiftes“. Unverständnis und Zorn über diese Entscheidung herrscht bis heute bei vielen Bürgern. Sogar das Mausoleum im Park, in dem das Ehepaar Wiemann begraben war, wurde beseitigt. Heute erinnert nur noch ein schlichter Findling im Sophienpark an das Fabrikantenehepaar Wiemann.

 

  

Einzig die vier allegorischen Figuren und die zwei Bronzehirsche aus dem Garten konnten gerettet werden. Sie wurden eingelagert und vergessen. 15 Jahre später forschte die Ratsfrau Eugenie Haunhorst nach dem Verbleib der Figuren und entdeckte sie im Bauhof, gut gehütet, aber eingestaubt und stark be-schädigt. Das Westfälische Amt für Denkmalpflege in Münster stufte die griechisch-römischen Figuren als wertvoll ein.

 

Diese allegorischen Figuren wurden vor über 100 Jahren von der Firma Marche in Berlin Charlottenburg aus Ton in einem Guss- und Blasverfahren gefertigt. Der Restaurator Willi Wienstroer aus Freckenhorst bekam die schwierige Aufgabe, die Figuren wieder in

ihren Originalzustand zu versetzen. Abgebrochene Köpfe und Finger wurden wieder angesetzt, beschädigte Sockelstücke und Gewandteile fachmännisch ergänzt, sodass die Figuren wieder standfest wurden. Andere fehlende Teile wurden nicht ergänzt, da keine gesicherten Erkenntnisse über das Aussehen vorlagen. Die Hauptarbeit des Restaurators lag im Reinigen der Figuren von Staubablagerungen und später aufgetragenen Farbschichten. Einen schönen Platz fanden die vier allegorischen Figuren im Januar 1990 im heutigen „Sophiensaal“ an der Kurzen Kesselstraße. An der Stirnwand sehen die Besucher die Göttin der Kunst und Musik, zu erkennen an der Lyra und dem Notenblatt und die Göttin der Dichtkunst und Literatur, die ein aufgeschlagenes Buch trägt. Diese beiden Figuren sind 1,60 m groß und standen an der Freitreppe der „Villa Sophia“.

An der Rückwand des Saales befinden sich die beiden 1,30 m großen Musen, die die Balustrade der Villa schmückten: Die Göttin der Handwerkskunst, zu er-kennen an dem Amboss, der Hammer fehlt leider. Die Göttin der Heilkunst ist zu erkennen an dem Kräuterbeutel, der Äskulapstab fehlt.

In Erinnerung an die „Villa Sophia“ beschloss der Kultur-Ausschuss am 12. Juni 2008, den Veranstaltungssaal in der jetzigen Bücherei „Sophiensaal“ zu nennen, denn hier sind die letzten Spuren der vergangenen Pracht der „Villa Sophia“ sichtbar.

Auch die zwei Hirsche, die wie zwei Wächter vor dem Mausoleum im Park der „Villa Sophia“ gestanden haben, konnten gerettet werden. Nach dem Abriss des Sophienstiftes und des Mausoleums wurden sie erst eingelagert, dann standen sie viele Jahre lang am Marienheim. Dort wurden sie leider oft ein Opfer von Vandalismus. Die Geweihe wurden stark beschädigt, darum verbrachten sie wieder viele Jahre lang ein tristes Dasein im Bauhof. Vor einiger Zeit nun wurde ein schöner Platz auf dem Warendorfer Friedhof gefunden, wo sie in einem geschützten Raum der Öffentlichkeit zugängig sind. Somit sind diese Hirsche ein Denkmal und Mahnmal für die vergangene Pracht der „Villa Sophia“.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Sassenbergerstraße befand sich der Nutzgarten der „Villa Sophia“; hier wurde Obst und Gemüse angebaut und die vielfältigen Blumen für den üppigen Blumenschmuck in der Villa. Die Straße in dem neuen, kleinen Baugebiet heißt „Am Sophiengarten“.

   

 

Villa Sophia

Unser Gebein deckt dieser zerbrochene Stein

des von uns errichteten Hauses.

Bald als fromme Stiftung einem Schwesternorden anvertraut,

wurde es neulich unter Missachtung seines Kunstwertes

aus Nützlichkeitserwägungen pietätlos zerstört.

Das beklagen die Stifter mit dem Landeskonservator

und vielen Bürgern.

 

 

Dies schrieb Karl Theodor Kusenberg

1977

in seinem Buch

„Bleibende Gegenwart in antikem Gewande“

 

Sophia Wiemann geb. Ostermann und Eduard Wiemann, Firmengründer