Das Portrait:
Dr. Franz Rohleder, ein begnadeter Lehrer und engagierter Heimatfreund
3.12.1888 Coesfeld - 17.3.1975 Warendorf
von Mechtild Wolff

Dr. Franz Rohleder war in Warendorf tief verwurzelt, ja, man konnte meinten, er sei ein eingefleischter Poalbürger. Dem war aber nicht so, er entstammte einer alten Lehrerfamilie aus Coesfeld, wo er 1888 geboren wurde. Nach dem Abitur studierte er Geographie, Geschichte und Deutsch in Straßburg, Leipzig und Münster und promovierte mit einer geographischen Arbeit über die Orometrie des Rothaargebirges.

Nach Warendorf kam Dr. Franz Rohleder 1919, weil er eine Anstellung als Seminar-lehrer am Warendorfer Lehrerseminar bekam. Hier war z.B. auch der später als Heimatdichter bekannte Hermann Homann sein Schüler.  Die Schüler dieses Nachkriegsjahres 1919 waren ehemalige Soldaten aus dem 1. Weltkrieg, die in ihren grauen Röcken, jetzt allerdings ohne Rang- und Ehrenabzeichen, als Seminaristen in den  Schulbänken saßen. Sie mussten und wollten ein neues Leben anfangen und strebten den Beruf des Lehrers an.

So mancher Seminarlehrer tat sich mit dieser Situation schwer. Nicht so der neue, junge Studienassessor Dr. Rohleder. Er trat in seiner betont ruhigen Art vor die Klasse und überragte den größten der Schüler um Haupteslänge. Dazu passte so gar nicht seine merkwürdig leise Stimme, mit der Rohleder die jungen Seminaristen in seinen Fächern Deutsch, Geschichte und Erdkunde an den spannend dargebotenen Unterrichtsstoff fesselte. Er praktizierte eine ganz neue Form des Unterrichts, den exemplarischen Unterricht. Eine wichtige Erfahrung für die zukünftigen Lehrer.

Als das Lehrerseminar 1924 aufgelöst wurde und in dem alt ehrwürdigen Gebäude an der Freckenhorster Straße ein Aufbaugymnasium eingerichtet wurde, setzte sich Dr. Rohleder mit aller Kraft für diese neue Schulgründung ein und es ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass das Aufbaugymnasium hier in Warendorf trotz vieler Widerstände ein so großer Erfolg wurde.

Als die Aufbauschule mit dem Gymnasium Laurentianum vereinigt wurde, wechselte auch Rohleder in das Kollegium dieser Schule über, dem er bis zu seiner Pensionierung 1956 angehörte.

Dr. Franz Rohleder war ein Meister des Wortes, des gesprochenen und geschriebenen. Wenn er sprach - im Unterricht oder als Redner oder auch in der persönlichen Unterhaltung - immer hatten seine Worte die letzte geschliffene Form und immer zeugten sie von seinem humanistischen Geist.

Schon 1916 gehörte Dr. Rohleder zu den Mitbegründern des Westfälischen Heimat-bundes und war westfalenweit ein gefragter Vortragsredner. Auch die Stadtverordnetenversammlung in Warendorf, der er bis 1933 angehörte, hat davon sehr profitiert.

Über fünf Jahrzehnte hat Franz Rohleder das kulturelle und bürgerschaftliche Leben unserer Stadt entscheidend geprägt, ja, er wurde zu einer anerkannten Autorität in Kultur- und Heimatfragen. Seine vielseitigen Kenntnisse und Begabungen stellte er großzügig seiner Heimatstadt Warendorf und der Heimatpflege zur Verfügung. Während der NS Zeit versuchte er die Kulturgüter unserer Stadt zu retten und zu bewahren und wurde schon 1946 von der Militär-regierung mit der Erstellung eines Kreishandbuches beauftragt. 1948 war er an der Einrichtung einer Volkshochschule beteiligt, die er viele Jahre lang durch seine heimatkundlichen Arbeitsgemein-schaften und Studienfahrten bereicherte.

1951 hatte Dr. Rohleder wesentlichen Anteil an der Gestaltung des 750jährigen Stadtjubiläums der Stadt Warendorf. Die damals von ihm zusammengestellte und herausgegebene Festschrift wurde für Lehrer und Schüler ein wichtiger Leitfaden zur Erforschung der Warendorfer Geschichte. Seine wissenschaftliche Auswertung des Sachsendorfes am Hohen Ufer der Ems in Neuwarendorf war von überregionaler Bedeutung.

1954 erschienen unter seiner Schriftleitung in der Tageszeitung „Die Glocke“ die „Neuen Blätter für Orts- und Heimatkunde im Kreis Warendorf“. Hier wurde nicht nur in der Vergangenheit geforscht, sondern auch die zeitnahe Heimatpflege dargestellt. Auch die Heimatvereine des Kreises hatten hier ein Forum, ihre Arbeit vorzustellen.

Im Heimatverein Warendorf war Dr. Rohleder über Jahrzehnte ein unverzichtbares Mitglied und wurde 1972 zum Ehrenmitglied ernannt. In den Nachkriegsjahren war ihm die Integration der Flüchtlinge und die Zusammenarbeit mit dem Tatenhausener Kreis ein wichtiges Anliegen. Dafür wurde er mit der Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen geehrt und mit der Agnes-Miegel-Plakette.

 

  

1963 wurde Dr. Rohleder mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Stadt Warendorf verlieh ihm 1955 den Kulturpreis und 1968, zu seinem 80. Geburtstag, den Ehrenring der Stadt Warendorf. Es war ihm eine besondere Freude, dass er im November 1974 die Eröffnung des Heimathauses im Warendorfer Rathaus erleben durfte, denn die Museumsarbeit war ihm immer ein zentrales Anliegen gewesen. 

 

Am 17. März 1975 starb der bedeutende Heimatfreund Dr. Franz Rohleder im Alter von 86 Jahren.

 

Der Warendorfer Heimatdichter Otto Nisch schrieb anlässlich seines Ausscheidens aus dem aktiven Schuldienst ein Gedicht, das wohl für sein Lebenswerk stehen darf:

„Der Heimat Bild gerecht zu prägen,

so wie es wurde, wie es ist,

der Jugend es ans Herz zu legen,

dass sie es liebend nie vergisst.

 

Dir war es Pflicht, Berufung, Glaube.

Ein Gärtner, der den Weinstock pflegt,

damit er fruchtend trägt die Traube,

die Gott schon in den Keim gelegt.“

Otto Nisch

 Mechtild Wolff  2018

 

Quellen:

Jürgen Gojny: Heimatgeschichtliches Engagement:

                       Dr. Franz Rohleder

                       im Jahrbuch des Kreises 51. Jg 2002 S 209-215

Hermann Homann: Dr. Rohleder und Warendorf

                              in WS 6/7 1977 S.178

Paul Leidinger: Dr. Franz Rohleder 85 Jahre

                              in WS 3 1973 S.85

Freckenhorster Hefte des HV Nr. 19 2009

 

Anmerkungen:

Franz Rohleder war verheiratet mit Elisabeth Böller (1895-1962), einer Tochter des angesehenen Kaufmanns und Drogisten Heinrich Böller, der auch Großaktionär und Verwalter der früheren Gasanstalt am Wilhelmsplatz war.

Franz und Elisabeth Rohleder bauten Anfang der 1930er Jahren ein schönes Haus an der Overbergstraße 6, die auf Wunsch der hier wohnenden Seminarlehrer nach dem Begründer der Normalschule und der Lehrerausbildung Bernard Overberg benannt worden war. Hier wuchsen die vier Töchter Anneliese, Ursel, Mechtild und Monika auf. Ursel heiratete später den Rechtsanwalt Bernhard Wolff, ein Bruder meines Schwiegervaters Hubert Wolff aus Freckenhorst. Dadurch wurde Franz Rohleder „unser Onkel Franz“, der auf allen Familienfesten ein gern gesehener Gast und Unterhalter war und es sich nicht nehmen ließ, mit einer Tischrede zu brillieren.

Tante Ursel erzählte immer gern, dass ihr Vater so gerne einen Sohn gehabt hätte und ganz und gar nicht begeistert war, wenn schon wieder „nur“ ein Mädchen geboren wurde. Bei der Geburt der Jüngsten war er gerade mit seinen Skatbrüder in der Gaststätte „Niemer Everding“. Als man ihm die Geburt seiner vierten Tochter Monika verkündete, konnte er seine Enttäuschung nicht verhehlen und sagte: „All wieer nen Röevenplücker!“ und setzte seine Skatrunde fort.

Ja, Franz Rohleder war ein Freund der direkten Aussprache!

Mein Schwiegervater Hubert Wolff erzählte, dass sein Lehrer Dr. Rohleder immer stolz darauf gewesen sein, einer der wenigen Lehrer zu sein, die keinen Spitznamen hatte. Er hat wohl nie erfahren, dass die Schüler ihn heimlich „Boef“ nannten. Wie das zu interpretieren ist, ist mir nicht so ganz klar.

Beim „Kommers“, dem fröhlichen Trinkgelage der Abiturienten, wurde ja nicht nur einfach Bier getrunken, nein jedes neue Bier wurde mit einem „Tost“ versehen, meistens auf einen Lehrer, etwa so: „Ein Tost auf unseren verehrten „Boef“, der uns viel beigebracht hat und uns am eigenen Leib vorführte, wie sich ein Wespenstich anfühlt!“ Wie machte er das? Er schnappte sich einen Schüler und drehte kurz ein kleines Stückchen Haut unter den Achselhöhlen - ja, genau so fühlte sich ein Wespenstich an.

 

Der Kulturpreis der Stadt Warendorf wurde 1951 im 750. Jubiläumsjahr der Stadt Warendorf gestiftet und war mit 5000 DM dotiert. Er wurde nur einmal verliehen und zwar im Jahr 1954 gemeinsam an

Anton Aulke, den in Warendorf lebenden Studienrat des Gymnasium Laurentianum, der sich als Dichter, insbesondere mit plattdeutschen Werken einen Namen gemacht hat,

Elli Grützner, die seit 1926 in Warendorf lebende Malerin, Dr. Rudolf Schulze aus Münster, der mit seiner „Geschichte der Stadt Warendorf“ eine Stadtgeschichte veröffentlichte und

Dr. Franz Rohleder, dem langjährigen Forscher und Pfleger der heimatkundlichen Belange der Stadt Warendorf.


Grabplatte Rohleder

 

Besuch in Freckenhorst am 13. 4. 2019:
"Einmal im Jahr läuten sie alle"
von Beatrix Fahlbusch

Auf dem Stiftshof begrüßte am Samstag der stellv. Vorsitzende des Heimatvereins Freckenhorst, Friedrich Graf von Westerholt, die Mitglieder des Heimatvereins Warendorf, um dann die Gruppe in die Obhut des Ortskenners, Friedel Rose, zu geben. Mit Blick auf den gewaltigen Westturm der romanischen Kirche verfolgten die Warendorfer gespannt Roses Ausführungen über die Stiftung im 9. Jahrhundert und die weitere Geschichte. Der Freckenhorster Dom hat Schätze der Superlative, u.a. hängen unter dem Dach des Westwerks zwölf Glocken, die nur an Krüßing alle gemeinsam hocherhoben über die Dächer ihren Jubelklang erschallen lassen. Nach einem Rundgang über Gevastr., Westernfelderstr., Industriestr., Dreesstr., Baumstr. führte Rose die Interessierten durch den Kirchenraum und zeigte auch die weiteren Kunstschätze in der Petrikirche. Sichtlich beeindruckt dankte der Heimatverein Friedel Rose für die anschauliche Stadtführung.

  

 

Von Pastor sine Koh
von Franz Schulte Nahrup (10. 4. 2019)

So schallere et lesten Middewiärken düört Kolpinghuus. Ernst Ruhe ut Milte brach ne ganze Liternei von de Koh und de Besökers konnen nao jede Strophe „Von Pastor sine Koh“ daoto singen. De graute Top Lüe freiere sick üöwe de lustigen Vetellsels de de Vüödriägers metbracht harren. Mathilde Kempkes met  „April, April lockt urs in den Sunnenschien“ un „De Kavalier“ von Hannes Demming ut Mönster kam von üöhr. Josef Bussmann wuss wat von Dirk Schlaumeier, de so manch Pöstchen harr und up nen Aprilscherz biet Gericht rinfallen was. Von Heinz Beckhove kam“ Int Fröhjaohr mäk dat Wiär wat et will“ Tüschkendüör wour bie de Lieder „Warnduorp auk Du büs de Aolle nicht blierwen“  un „To du junge Pättkesmann“wiee derbe sungen, well dat de Lüe süs ümmer tohöen mossen.

Wieder gongt düört Programm  met Ernst Ruhe „ met Dynamit den Aalkump lierig maken“,  Helmut Brokamp harr „Bue Piepenbrink moss de Uhr ümstellen“ un „ de trompeter inne Blaoskapell moß ne niee Bükse hemmen“.Vierle kleine Vetellsels kammen von Roswitha Wienströer.  Dat Jans met Naobers Libbet ant frieen was, poss de Öllern nich, well dat se evangelsch was. Jans gong dann auk es met Libbet an son Diek baden. Biet uttrecken dreihere he  sick ümmer üm. Dao sägg Libbet, Wat kiks du so. Jau segg Jans, Ick häw nicht wusst dat de Unnerscheid tüschken evangelsch un katholsch so graut is. De neichste Krinknomdag is an 22. Mai wiee int Kolpinghuus.

 

Die warme Frühlingssonne bringt wieder Leben auf den Marktplatz (7. 4. 2019)

Arbeitskreis Emsinsel und Heimatverein Warendorf: "Die Emsinsel ist für alle da"
Bürgerinfo des Heimatvereins über die Pläne der Stadt für die Emsinsel und das Brinkhausgelände


 

Infos zur Neuen Ems: Unerwartet starkes Bürgerinteresse
Aus den Westfälischen Nachrichten vom 11. 3. 2019 v
on Jörg Pastoor

Der immer wieder stärker werdende Regen war lästig, aber die Wissbegier offenbar größer: Rund 100 Interessenten ließen sich von Mitgliedern des Arbeitskreises Neue Ems am Sonntagvormittag über die Ausmaße der geplanten Eingriffe ins Ems-Bett und den Emsseepark informieren. Mit so viel Interesse hatten die Sprecher nach eigenen Angaben nicht gerechnet. 

Sigfrid Krebse (l.) und Alfred Kiel (kl. Bild l.) spannten ein Flatterband, um die Breite des geplanten Emslaufs im Nordosten des Lohwalls zu verdeutlichen. Mechtild Wolff (kl. Bild r.) befürchtet unter anderem Grundwasser-Senkungen.
Sigfrid Krebse (l.) und Alfred Kiel (kl. Bild l.) spannten ein Flatterband, um die Breite des geplanten Emslaufs im Nordosten des Lohwalls zu verdeutlichen. Mechtild Wolff (kl. Bild r.) befürchtet unter anderem Grundwasser-Senkungen. Foto: Jörg Pastoor

  

Das hätten die Mitglieder des Arbeitskreises Neue Ems nicht erwartet: Rund 100 Interessenten gingen Sonntagmorgen den Informations-Spaziergang vom Lohwall bis in Bootshaus mit. Davon ließen sie sich auch nicht durch die immer wieder stärker werdenden Schauer des vorgezogenen April-Wetters abhalten.

Eigentlich, das machte AK-Sprecher Sigfrid Krebse über den mobilen Lautsprecher am Startpunkt Teufelsbrücke klar, erwarte er Information von der Stadt. Stattdessen übernehme es jetzt der Arbeitskreis zu zeigen, „welche Dimensionen die Entscheidungen des Rates haben.“ Das dazu mitgebrachte Flatterband kam sowohl am Lohwall als auch später im Brinkhaus-Park zum Einsatz. Heimatvereinsvorsitzende Mechtild Wolff verglich die „gravierenden Veränderungen“, die der Ems an Teilen ihres alten Betts bevorstehen, mit der durch Warendorf geplanten Straße, die Mitte der Siebziger des letzten Jahrhunderts nur durch entschiedenen Widerstand der Bürger aufgehalten werden konnte. „Jetzt ist es wieder so weit“, so Wolff zu den langsam zahlreicher werdenden Teilnehmern, „es soll alles von rechts auf links gezogen werden“. Sie fragte sich, ob der Schaden einer Laufveränderung nicht größer werde als der Nutzen. Unter anderem drohe der Verlust eines ganzen Hektars Lohwall-Fläche, den  „wir für unsere Kirmes brauchen“. Zudem befürchte sie Grundwasser-Absenkungen. Und das bei vielen Altstadt-Häusern, die noch auf Holzpfählen stehen.

Ich kann mir das nur so erklären, dass man den Sack zumachen will. Mechtild Wolff kritisiert mangelnde Diskussionsbereitschaft der Politik.

 Wolff erkannte an, dass die Renaturierung im westlichen Teil, also zwischen Wiesengrund und Andreasstraße, „bestimmt sehr sinnvoll“ sei. Doch durch die östliche Umleitung flussaufwärts leide entweder der alte Teil der Ems oder der Emssee. Dass man jetzt gar nicht mehr über den Emsumbau diskutieren wolle, könne sie sich nur so erklären, „dass man den Sack zumachen will!“ Unter den Regenschirmen erklang Beifall. Mechtild Wolff forderte die Bürger auf, mit den Politikern zu reden, „die das Ohr doch am Volk haben müssten“.

Rund 100 Bürger neugierig auf Details
Informations-Spaziergang Arbeitskreis Neue Ems:
Rund 100 Bürger neugierig auf Details 
Fotos: Jörg Pastoor

Wie breit das neue Bett der Ems aus dem See Richtung Linnenwiese geplant ist, verdeutlichten Sigfrid Krebse und Alfred Kiel dann durch das rot-weiße Folienband. 30 Meter Fluss plus je zehn Meter Uferzone, dazu Richtung Lohwall ein mehrere Meter hohe Damm – so seien die Dimensionen. Diese Art der Veranschaulichung, das mahnte Krebse nochmals an, wünsche man sich von der Verwaltung. Er hoffte, dass es im Mai noch einen weiteren Informationstermin gebe, zumal am 11. Mai die Auslegung der Pläne ende.

 

Rund 100 Bürger neugierig auf DetailsFlatterband simuliert Breite der Neuen Ems

Stellvertretender Landrat Franz-Ludwig Blömker bemühte sich in einer kurzen Meldung um die Trennung von Planfeststellung für die Neue Ems und die Pläne für die Emsinsel, für die der Arbeitskreis bekanntlich eine öffentliche Nutzung als Bürgerpark fordert. Doch Sigfrid Krebse verwies darauf, dass beides zusammenhänge.

Im Brinkhaus-Park diente das Flatterband als Nachempfindung des künftigen Westufers des Schwenks, den die Ems hier durch die jetzige Obstwiese nehmen soll. Dieser Durchstich sei so weit nach Westen verlagert worden, dass das Westufer nun einen Teil des Park abschneide – eines Bürgerparks, „der Ihnen gehört“, so Krebse. Am Ende des rund zweistündigen Spaziergangs machten sich viele Teilnehmer noch auf den Weg ins Bootshaus, um weitere Detailfragen zu stellen. Eine Frau bedankte sich bei den Organisatoren ausdrücklich dafür, einmal vor Ort Informationen erhalten zu haben.

 

Pressebericht von Jörg Pastoor, Westfälische Nachrichten

Bilder der Bürgerinformation des Heimatvereins von Tonias Wolff

 

Aus: "Die Glocke",  Warendorf vom 11. 3. 2019
Emsarm ein Brutgebiet für Mücken?
von Andreas Poschmann

Warendorf (ap) - Verfolgt die Stadt Warendorf einen interessanten Ansatz, dem Insektensterben auf der einen Seite und Investoreninteressen auf der anderen Seite mit kreativen Mitteln zu begegnen? Diesen Eindruck konnte man am Sonntag bei einer Präsentation des Arbeitskreises Neue Emsinsel gewinnen.

 

Bild: Poschmann
Rund 70 interessierte Bürger ließen sich nicht vom Regen abhalten, an der Veranstaltung teilzunehmen.
Bild: Poschmann

 

Mechtild Wolff, Alfred Kiel, Sigfried Krebse und Klaus Koglin nahmen rund 70 interessierte Bürger mit auf einen Sonntagsspaziergang der besonderen Art. Dabei verdeutlichten die Organisatoren, welche Auswirkungen die geplante Renaturierung der Ems für die Stadt ihrer Meinung nach haben wird.

Demnach würde der Durchstich beim Malteser-Marienheim erfolgen und die Ems von dort durch die Apfelbaumwiese in Richtung Emssee und weiter über den Lohwall bis zur André-Marie-Brücke umgeleitet werden. Erst hinter der Brücke würde die Ems wieder in ihr heutiges Bett zurückfinden.

Der so entstehende „Emsarm“ zwischen dem Wehr am Jugendzentrum HoT und der André-Marie-Brücke könnte bei Trockenheit im Sommer so wenig Wasser führen, dass daraus ein stehendes Gewässer werden könnte, das dann ein ideales Mückenbrutgebiet wäre. Inklusive Uferbereich wäre die neue Ems rund 50 Meter breit und würde damit den unteren Lohwall regelrecht halbieren, sagten die Aktiven.

„Die Emslandschaft soll gravierend verändert werden. Es scheint so, als wolle man wieder einmal Warendorf von links auf rechts drehen. Die Emsrenaturierung ist ja eigentlich eine begrüßenswerte Sache. Doch auf Stadtgebiet muss man die Frage stellen, ob der Schaden nicht größer als der Nutzen ist“, sagte Mechtild Wolff. Die Vorsitzende des Heimatvereins wünscht sich vor allem, dass Verwaltung und Politik eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen, die für Warendorf auf lange Sicht nachhaltig und gut ist.

Allerdings befürchtet der Arbeitskreis Neue Emsinsel, dass genau das nicht passieren wird, sondern vielmehr den Interessen von Bauinvestoren in Sachen Brinkhaus-Brache der Weg geebnet werden soll. Den Bürgern werde vorgegaukelt, dass alle Entscheidungen bereits gefallen seien und nichts mehr zu ändern wäre. „Man will den Sack gerne zumachen“, kritisiert Mechtild Wolff aus ihrer Sicht offensichtliche Fehlinformationen seitens der Verwaltung.

Überrascht zeigten sich die Teilnehmer des Sonntagsspaziergangs von den Dimensionen der Emsrenaturierung.

Teilnehmer kritisieren Brückenbauten

„Damit man sich das vorstellen kann, reicht es eben nicht, ein paar Din-A3-Zettel auszulegen, um die Bürger zu informieren. Um das Ausmaß aufzuzeigen, haben wir zu diesem Spaziergang eingeladen. Eigentlich hätte ich diese Infoveranstaltung jedoch von der Stadt erwartet“, sagte Klaus Koglin.

Viele Teilnehmer übten am Rande des Spaziergangs Kritik an der Planung. So stand zum Beispiel die Befürchtung im Raum, dass es bei Trockenheit im Emssee ein Fischsterben geben könnte, wie 2018 in Münsters Aasee. Ebenso kritisiert wurden die massiven Brückenbauten, die mit der Renaturierung entstehen und zudem durch die Maßnahme eine Wohnbebauung des Brinkhaus-Geländes ermöglicht würde.

Bereits am Samstag hatte das von der Stadt beauftragte Büro Stadtraumkonzept in der Innenstadt die Bürgerbeteiligung gestartet, in der gefragt wird, was sich die Warendorfer in Sachen Brinkhaus-Brache wünschen. Diese Umfrage wurde von einigen als „Aktionismus“ und „Augenwischerei“ bezeichnet.

Pressebericht von Andreas Poschmann in „Die Glocke“ am 11.3.2019

 
 

 

Das Portrait:
Siegfried Schmieder - engagierter Heimatfreund mit großem Fachwissen
* 9.2.1939  in Marienberg/ Erzgebirge  + 2.11.2010 in Warendorf
von Mechtild Wolff

Siegfried Schmieder war in unserer Zeit einer der besten Kenner der geschichtlichen Zusammenhänge im Kreis Warendorf. Er war kein Westfale, sondern kam aus dem Erzgebirge, wo er 1939 in der Bergbaustadt Marienberg geboren wurde. Seine Eltern flohen 1945 an den Niederrhein, so wurde er Rheinländer. Auf dem renommierten Gymnasium Gaesdonck bei Goch legte Siegfried Schmieder 1961 sein Abitur ab und studierte in Freiburg und Münster Geschichte und Germanistik.

Als der ehemalige Kreis Beckum 1967 für den Aufbau seines Archivs einen Archivar suchte, fand er in Siegfried Schmieder den richtigen Mann, der mit Akribie und unermüdlicher Arbeit aus kleinen Anfängen in der alten Abtei Liesborn ein regionales Zentralarchiv aufbaute. Bei der Kommunalreform 1975 wurden die alten Akten des Kreises Warendorf und des Kreises Beckum zusammengeführt und in dem großen Zentralarchiv im neu erbauten Kreishaus in Warendorf fachgerecht gelagert. Fast alle Kommunen im Kreis übergaben nun ihre alten Akten dem Kreisarchiv, so auch die Stadt Warendorf. Es ist Siegfried Schmieder zu verdanken, dass das Archiv sich allen Bürgern öffnete.

 

Schon 1967 hatte Siegfried Schmieder die Reihe „Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf“ begründet, in der bisher 59 Bände erschienen sind. Damals erarbeiteten viele Gemeinden im Kreis Warendorf ihre Stadt- und Dorfgeschichte, die sie mit Hilfe des Kreisarchivs in dieser Reihe veröffentlichen konnten.

Ja, es war ein Glücksfall, dass Siegfried Schmieder als Archivar nach Warendorf kam. Bald erkannte er, welches Potential in den Akten der Stadt Warendorf schlummerte. Insbesondere die gut erhaltenen Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen faszinierten ihn.

1993 begründete Schmieder die Reihe „Warendorfer Geschichtsquellen“, in der die Ratsprotokolle und Kämmerei-rechnungen der Stadt Warendorf aus den Jahren 1573-1803 veröffentlicht werden sollten. Nach seiner Pensionierung 1997 intensivierte er die Bearbeitung der Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen, denn es war ihm ein Herzensanliegen, diesen spannenden und aufschlussreichen Teil des Warendorfer Alltagsgeschehens der Bevölkerung zugängig zu machen.

Das hört sich so einfach an, war es aber mitnichten, denn die Berichte aus den Ratssitzungen waren in Niederdeutsch abgefasst, einer Sprache, die heute nur noch von Fachwissenschaftlern entziffert werden kann. Es ist Siegfried Schmieder zu verdanken, dass wir heute die vielfältigen Nachrichten über das Leben in einer Kleinstadt auf Hochdeutsch lesen können und auch nicht mit der oft unleserlichen Handschrift der Protokollanten zu kämpfen haben. Nicht nur wir Warendorfer lesen uns fest in diesen alten Protokollen, auch viele Forscher und Wissenschaftler haben diese Quelle mit den insgesamt 10 Bänden entdeckt und können sich damit ein lebendiges Bild des frühneuzeitlichen Lebens in einer Kleinstadt machen. Ja, man kann mit Fug und Recht sagen, dass in kaum einer anderen deutschen Stadt eine so tiefe Erkenntnisgrundlage vorliegt. Dafür sind wir Siegfried Schmieder zu tiefem Dank verpflichtet.

Auch der Heimatverein Warendorf konnte aus Schmieders fundierter Kenntnis der Geschichte unserer Stadt großen Nutzen ziehen. Er bereicherte die Vorstandssitzungen mit seinem vielseitigen Wissen und hatte bis zum Schluss die Schriftleitung der Heimatvereins-Zeitschrift „Kiepenkerl“ inne.

Siegfried Schmieders allzu früher Tod 2010 mit nur 71 Jahren war ein herber Verlust.

Sein Lebenswerk wird auch für künftige Generationen von großem Nutzen sein.