Herzliche Einladung des Heimatvereins zu einem Vortrag über die jüdische Geschichte unserer Stadt
mit Dr. Ekkehard Gühne
Zeit: Donnerstag, 18. Oktober um 19.30 Uhr
Ort: „Tapetensaal“ des Hauses Klosterstraße 7
Thema: „Die Juden im bürgerlichen Leben der Stadt Warendorf“.

 

Wenige Tag vor dem achtzigsten Jahrestag der sogenannten „Reichskristallnacht“, in der auch Warendorfer Juden Gewalt erlitten, will der Vortrag den Blick weiten und sich dem Alltag vor Ort zuwenden.

Vor dem Hintergrund der besonderen Rechtsstellung der Juden, die im Laufe des 19. Jahrhunderts weitgehend beseitigt wird, geht es, beginnend mit dem späteren 18. Jahrhundert, um Konflikte und Reibungen zwischen Juden und Nichtjuden, die nicht immer religiöse Ursachen haben, aber auch um Beispiele guter Nachbarschaft. Beleuchtet werden die Vereine, in denen seit dem 19. Jahrhundert auch Juden erscheinen, von der „Gesellschaft Harmonie“ bis hin zu den Bürgerschützen. Schließlich geht es aber auch um die „Kleinkriminalität“ des Alltags, an der auch Juden beteiligt sind, als „Täter“ oder „Opfer“.Fern von abgehobenen Theorien zu den Juden „überhaupt“ soll an diesem Abend ein differenziertes Bild entstehen, das zu weitergehenden Fragen einlädt.

 

Zu diesem Vortrag lädt der  Heimatverein Warendorf alle interessierten Bürger herzlich ein.
Der Eintritt ist wie immer kostenfrei.

Auf Ihre Teilnahme freut sich Mechtild Wolff

Vorsitzende

 

Fettmarkt 2018: Mittwoch den 24. 10. 2018

Lange Tradition: 
Seit 1657: Fettmarkt in Warendorf

Heimatverein Warendorf: Fettmarkt 1934 - Gemüse auf dem MarktplatzEs war wohl auch eine Reaktion auf den vorangegangen 30 jährigen Krieg, der überall das Wirtschaftsleben zum Erliegen gebracht hatte. Jedenfalls sah sich Warendorfer Rat veranlasst, einen freien und für jedermann zugänglichen Viehmarkt ins Leben zu rufen. Die Genehmigung hierzu erhielt die Stadt Warendorf dann am 3. Februar 1657 durch den Fürstbischof Christoph Bernhard von Münster zu Coesfeld. Seit dieser Zeit findet in Warendorf jeweils am vorletzten Mittwoch im Oktober ein großer Markt statt, auf dem zunächst nur Vieh und Güter des landwirtschaftlichen Bedarfs gehandelt wurden.

Die heute gebräuchliche Bezeichnung "Fettmarkt" wurde erstmals im Jahre 1824 benutzt und ist  auf den Bürgermeister Schnösenberg zurückzuführen. Dieser veranlasste auch die Verlagerung eines Teils (Verkauf von Kappes) vom Marktplatz  in der Mitte der Stadt auf den heutigen Wilhelmsplatzes.

 

In dieser Zeit begann man auch neben Vieh alle möglichen Güter der Produktion und des Bedarfs der Landwirtschaft zu handeln, der Fettmarkt nahm allmählich  den Charakter eines überregionalen Marktes für Güter aller Art an. Kaufleute aus der weiteren Region begannen, den Markt zu beschicken. Naturgemäß fand dieses nicht die Zustimmung der Warendorfer Handwerker und Kaufleute, die versuchten, mit verschiedenen einschränkenden Vorschriften und Gebühren ihre Interessen zu schützen. So durften auswärtige Schmiede, für die der landwirtschaftliche Markt ein gutes Geschäft darstellte, sowie Goldschmiede und Zinngießer nur noch einen halben Tag ihre Dienste auf dem Markt feilbieten.

Heimatverein Warendorf: Kinder-Karussel 1928Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Fettmarkt überwiegend durch den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten sowie "fettem Vieh" bestimmt. Große Teile der Altstadt wurden in das Marktgeschehen einbezogen. Eine Kirmes und einen Trödelmarkt sorgten für Abwechslung und Unterhaltung nach erfolgreichen Geschäften.

Etwa seit den 60/70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich der Schwerpunkt des Fettmarktes allmählich mehr und mehr verschoben: Großvieh wird immer weniger gehandelt, dafür findet man aber landwirtschaftliche Maschinen, ein Reitturnier auf dem Lohwall ist eine weitere Attraktion.. Besonderer Anziehungspunkt des Fettmarkt ist aber ein großer Altstadttrödel, auf dem jeder Dinge verkaufen und kaufen kann. Mahr als 100 000 Besucher werden jedes Jahr hierzu erwartet, und echte Fettmarktkenner stehen an  diesem Tag sehr früh auf. Schon vor 6 Uhr in der Früh suchen sie mit Taschenlampen bewaffnet nach Raritäten und schönen Dingen, die das Herz erfreuen: Zukaufen gibt es fast alles, die Preise sind fast immer günstig, man muß nur der erste sein....

Der Fettmarkt in den 20er Jahren des 20 Jahrhunderts
 von Eugenie Haunhorst....klicke hier

Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf und Archiv Haunhorst
Quelle: Geschichte der Stadt Warendorf; Johannes Nowak: "Feste, Feiern, Märkte",
S. 317 ff, Ardey Verlag, Münster, 2000

Erlebte Geschichte in Warendorf von Eugenie Haunhorst
Fettmarkt in den Zwanziger Jahren

Eugenie als Schülerin 1921Fettmarkt, das war ein Höhepunkt in unserem Kinderleben. Ich bin am Münsterwall aufgewachsen und erlebte den Trubel aus nächster Nähe. Auf dem Wilhelmsplatz fanden der Viehmarkt und die Kirmes statt, die Straßenhändler auf dem Fettmarkt 1930 Münsterstraße war auf beiden Seiten mit den Ständen der Händler belegt und auf dem Marktplatz boten die Bauern Kartoffeln, Kappes und vieles mehr an. Direkt vor unserem Haus baute der Lebkuchenbäcker Dammann aus Harsewinkel seine große Bude auf. Er bekam von uns Strom für die Beleuchtung des Standes. Dafür gab es für uns Kinder am Abend eine große Tüte Pfeffernüsse, die Spezialität des Hauses.

 Heimatverein Warendorf: Bäckerstand auf der Münsterstraße 1930Ich erinnere mich noch heute an den köstlichen heißen Berliner, den Frau Werner meiner Schwester Maria und mir einmal schenkte. Sie hatte vor ihrem Haus an der Münsterstraße einen Stand aufgebaut und verkaufte Berliner für ihren Sohn, der eine Bäckerei in der Brünebrede hatte. Manchmal verkaufte der Sohn auch selber.Der Böttcher und Küfer Berger von der Molkenstraße bot seine Holzerzeugnisse an: Holzfässer für Sauerkraut, Butterfässer, Waschfässer und Wannen jeder Größe und alle Holzgeräte für Haus und Hof. Daneben stand in jedem Jahr der Wagenbauer Schwarte von der Brünebrede. Hier suchte man sich die neue Kutsche, den zweirädrigen Gig oder den neuen Bollerwagen aus.Heimatverein Warendorf: Kinder-Karussel 1928

Das alles registrierten wir nur im Vorbeigehen. Unser wichtigstes Ziel war die Kirmes. Von unseren Eltern hatten wir 50 Pfennig Kirmesgeld bekommen und unser Besuch bei Onkel Bernhard hatte uns noch einmal 50 Pfennig eingebracht. Eine ganze Mark – jetzt träumten wir von 10 mal Kettenkarussell fahren. Zuerst kamen wir an dem herrlich bunt bemalten Kinderkarussell vorbei, die kleinen Sitzbänkchen waren mit vielen Spiegeln zauberhaft verziert. Auf den Holzpferdchen ritten stolz die Kleinen ihre Runden. Opa fuhr zur Sicherheit mit und stützte den Rücken.
Schwerarbeit musste das Pferd leisten, das Heimatverein Warendorf: Kirmes mit Riesenrad 1920 den ganzen Tag um die Mittelachse des Kinderkarussells trottete und es so zum Drehen brachte. Nur beim Ein- und Aussteigen der kleinen Gäste hatte das Tier eine kurze Verschnaufpause. Erst Ende der Zwanziger Jahre gab es elektrischen Antrieb für die Karussells.

Unser erstes Ziel war die „Kaffeemühle“. In einer Trommel, etwa einen halben Meter hoch, saßen zwei Kinder auf dem Rand und drehten im Uhrzeigersinn das kleine Rad in der Mitte. Die Trommel drehte sich in Gegenrichtung. Mit dem Rad konnte man das Tempo bestimmen. Je schneller, um so schöner! Später gab es den „Teller“ auch die „Scheibe“ genannt. Das war ein besonderes Gaudi und für junge Leute eine Art Sport. In einem großen Zelt stand eine drehbare Scheibe mit einem Durchmesser von 7-8 Metern. Die Mitte war etwas erhöht. Rund um die Scheibe herum war ein gepolsterter, ca. 50 cm hoher Rand angebracht. Beim Startpfiff kletterten die Jugendlichen über diesen Rand und suchten sich einen Platz möglichst weit in der Mitte. Unter lauter Musikbegleitung begann sich die Scheibe zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller. Die außen Sitzenden wurden schnell an den Rand geschleudert. Das Gejuchze wurde immer lauter, die Platte drehte sich schneller und leerte sich schneller. Erst wenn der Letzte aufgeben musste, war das Spiel zu Ende und der Sieger wurde lautstark gefeiert. Eine spannende Attraktion!

Dann gingen wir zur Schiffschaukel ! Am schnellsten brachte man die Schaukel zu Zweit in Schwung. Wir schaukelten so lange, bis sie fast waagerecht stand. Unsere Mutter sagte uns immer, das sei ein Sport für Jungen! Ich glaube, sie wollte nicht gern, dass unsere Röcke so flogen. Hosen gab es damals für Mädchen noch gar nicht.

Und dann der Höhepunkt: Das Kettenkarussell! Wie herrlich war es, fest in dem Kettensitz sitzend, durch die Luft zu fliegen. Wir überblickten den Kirmesplatz, konnten unser Haus und die Marienkirche sehen - uns lag ganz Warendorf zu Füßen. Darauf hatten wir uns so lange gefreut und zahlten gern noch einmal 10 Pfennig für dieses Vergnügen.
Heimatverein Warendorf: Fettmarkt 1934 - Handwerker und Händler Eine unserer Freundinnen sagte einmal: „Ach wäre ich doch ein Kettenkarussellkind, dann könnte ich immerzu mit dem Kettenkarussell durch die Luft fliegen.“ In der Schule hielt sie dann Ausschau nach den „Kirmeskindern“, die während ihres Aufenthaltes in Warendorf unsere Schule besuchten. Vielleicht war ja ein Kettenkarussellkind dabei!

Schade, bald war unser Kirmesgeld zu Ende. Also gingen wir auf den eigentlichen „Fettmarkt“. Hier verkauften die Bauern ihre fetten Tiere. In Gehegen und Käfigen sahen wir eine reiche Auswahl von Schweinen, Schafen, Hühnern und Kaninchen. An Eisenstangen waren Pferde, Kühe, Kälber und Ziegen angebunden. Es wurde gehandelt und gefeilscht und jeder Kauf mit einem Schnaps begossen. Zur Stärkung gab es zwischendurch eine deftige Portion Töttchen mit einem Brötchen. Mutter Hagemeyer hatte vor der Metzgerei am Wilhelmsplatz einen Töttchen- und Knackwurststand aufgebaut.Heimatverein Warendorf: Werbung Textilhaus Hunkemöller 1925

Für den Erlös des verkauften Viehs deckten sich die Bauern sofort mit dem notwendigen Bedarf an Hausrat und Winterbekleidung ein. Im Textilhaus Hunkemöller an der Oststraße konnte man solide Wintersachen für die ganze Familie und auch Betten in guter Qualität einkaufen. Besonders beliebt war die warme Bleyle-Unterwäsche in unverwüstlicher Qualität. Kleine Jungen verteilten überall in der Stadt Reklamezettel und machten darauf aufmerksam, dass von der Stadtmitte aus kostenlose Kutschfahrten zu Hunkemöller am Osttor angeboten wurden.

Wir schoben uns mit viel Vergnügen und Drängeln – das machte uns besonders viel Spaß - durch die Menge auf der Münsterstraße. An der Ecke vor Breuers Haus stand viele Jahre lang eine ältere, wohlbeleibte Frau mit ihrer Drehorgel unter einem Sonnenschirm. Sie sang mit kräftiger Stimme moderne Schlager und altbekannte Moritaten. Für 10 Pfennig verkaufte sie den Text ihrer Lieder, damit die begeisterten Zuhörer mitsingen konnten, was wir auch kräftig taten. Daneben stand ein Entfesselungskünstler mit seinem Eisenkäfig, in dem er sich anketten und einsperren ließ. Zum Erstaunen der Zuschauer konnte er sich jedes Mal wieder befreien.  Zu dieser Gruppe gehörten auch zwei Ringer, die ihre Kräfte zeigten. An vielen Ständen in der Münsterstraße blieben wir stehen, um die lustigen Anpreisungen der Marktschreier hören.

Heimatverein Warendorf: Fettmarkt 1934 - Gemüse auf dem Marktplatz Unsere letzte Station war der Marktplatz. Hier trafen wir unsere Mutter, die gerade bei ihrem Kartoffelbauern 20 Zentner Kartoffeln für den Winter bestellte. Ihren Bollerwagen hatte sie schon hoch beladen mit Kappes-Köppen, die sie von dem großen Wagen vor der Apotheke gekauft hatte. Nun wussten wir: In den nächsten Tagen beginnt die Sauerkrautproduktion. Die Tontöpfe standen schon frisch gereinigt bereit, die kleinen Leinentüchlein waren fertig zugeschnitten. Für zwei Stunden mieteten wir dann bei Borgmann in der Königstraße die Sauerkrautschabe. Alle Kinder mussten beim Hobeln helfen und beim Stampfen des Krautes im Tontopf. „Es muss sich so viel Krautsaft bilden, dass die obere Schicht Kraut im eigenen Saft steht,“ schärfte uns unsere Mutter ein. War das geschafft, deckten wir alles mit dem Leinentüchlein ab und beschwerten die Krautmasse mit einem blitzblanken Marmorstein. Nach drei Wochen konnten wir das erste Sauerkraut essen.
Das waren bei uns die Nachwirkungen vom Fettmarkt.

Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf und Archiv Haunhorst
 

 

 

 

Eugenie Haunhorst wurde  als drittes von fünf Kindern am 12. 12. 1912 in Warendorf geboren. Ihre Eltern waren Eugenie und  Eduard Göcke, der als Lehrer an der Münsterwallschule  tätig war.

alle Rechte vorbehalten: Eugenie Haunhorst 2006

Emsinsel - Emsseepark
„Dem Fluss seine Insel - den Bürgern ihren Park!“
von Sigfrid Krebse und Alfred Kiel

Entwurf: Klaus G. RingUnter diesem Titel hat bereits vor über drei Jahren der Stadtplaner Friedrich Wolters im Warendorfer „Emshof“ einen engagierten Vortrag gehalten. Der „Arbeitskreis Emsinsel“ hatte ihn eingeladen. Die zentrale dringliche Empfehlung des Geschäftsführers des NRW- Projektes Regionale 2004 (auch in Warendorf) war: die Fluss- und Parklandschaft der Emsaue zwischen Alt- und Nordstadt dem Allgemeinwohl zuliebe wiederherzustellen bzw. zu bewahren, kein Wohn- und Geschäftsbau! Seitdem ist man kommunalpolitisch nach so manchem Beschluss zur Sache in Rat und Ausschüssen mit der Zukunftsplanung der Industriebrache auf der Ems- insel nicht so recht vorangekommen, so ist es jedenfalls immer wieder verärgert aus der Warendorfer Bürgerschaft zu hören.

 

Naherholung im Emsseepark
 

Genaueres weiß man derzeit nicht nur in der Öffentlichkeit nicht. Das darf aus den Statements des Bürgermeisters Axel Linke und des CDU- Fraktionsvorsitzenden Ralf Perlewitz in den Lokalpressen geschlossen werden. Zur Handvoll wichtiger Warendorfer Themenkomplexe zählt die "1a-Brache Brinkhaus" auf der Emsinsel; dazu der Bürgermeister unter den Schlagzeilen "Neigung, schlechte Dinge großzureden"/ "Mehr Fokus auf Sachentscheidungen": "…Ich wünsche mir, dass wir bei der Brache Brinkhaus zumindest wissen, was da hinkommen soll, hier müssen wir eine Warendorfer Position entwickeln." (WN 2018 09 08). Und der Fraktionschef unter der Überschrift  "Lebenswert: Kurs der Stadt stimmt“:  "…Ein auswärtiges Bauunternehmen hat mit dem Brinkhausgelände unser Filet-Grundstück erworben und wird – hoffentlich in naher Zukunft – ebenfalls in Warendorf kräftig investieren." (Glocke 2018 09 08). Der Erwerb ist knapp eineinhalb Jahre her, die Insolvenz des ehemaligen Besitzers aber schon sieben Jahre.

Der Rat der Stadt Warendorf hat nun beschlossen, zur Entwicklung der Emsinsel ein „Moderations- und Werkstattverfahren“ auszuschreiben. Ein fachkundiger externer Moderator soll eine breit angelegte Diskussion organisieren.  In dieses Verfahren soll nicht  nur die Industriebrache Brinkhaus, sondern auch die erweiterte Emsinsel zwischen Andre- Marie-Brücke im Westen und der Überlaufschwelle im Osten einbezogen werden. Der „Arbeitskreis Neue Emsinsel“ hatte bereits vor knapp einem Jahr einen entsprechenden Antrag gestellt. Ein Rahmenplan soll erstellt werden, der im Warendorfer Landschafts- und Naturschutzgebiet Emsaue auch von den nachfolgenden Generationen als gelungene Bereicherung empfunden wird. - So viel zum zwischenzeitlichen Sachstand "Neue Emsinsel" gegen Ende 2018.
 
Sigfrid Krebse, Alfred Kiel

Warendorf, 2018 09 11