„Verbotene Bücher – was 1825 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.
von Dr. Ekkehard Gühne

Mit der jüdischen Geschichte Warendorfs befassten sich bereits mehrere Vorträge des Heimatvereins. Am Freitagabend fand die Serie im „Tapetensaal“ des Hauses Klosterstr. 7 eine Fortsetzung. Dr. Ekkehard Gühne sprach über das Thema „Verbotene Bücher- was 1826 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.

Es ging also um das frühe 19. Jahrhundert, denn von 1816 bis 1836 verdiente sich der besagte Jude ein kleines Zubrot mit einer Leihbücherei, übrigens der ersten überhaupt in unserer Stadt.

Grund genug, im ersten Teil des Abends einen Blick in die damalige Lesewelt zu werfen. Strenge Regeln waren zu beachten, fürchtete doch die neue preußische Regierung, es könnten Bücher unter das Volk geraten, die zur „Lüsternheit“ reizen, die Religion verhöhnen oder die bürgerliche Ordnung untergraben. Und tatsächlich, ein Schüler des Laurentianums wurde im Unterricht mit einem Buch von August von Kotzebue „erwischt“, ausgeliehen bei Elias Hirsch, das nach Meinung des Lehrers moralischer Prüfung nicht standhielt.

Die Untersuchungen gegen den Ausleiher begannen. Sie verliefen zwar im Sande, hinterließen aber in den Akten ein interesssantes Dokument, nämlich ein Verzeichnis der Bücher, die damals in Leihbüchereien nicht stehen durften.

Die meisten der hier genannten 51 Bücher sind heute vergessen. Wer kennt auch noch die Satire „Fünfzehn Freuden der Ehe“ oder „Die einsamen Gräber gemordeter Tugenden“?

So griff der zweite Teil einige Proben heraus. So gab es einige „freie“ Passagen aus den „Gefährlichen Stunden“, in denen die hübsche Lilli einige erotische Angriffe ihres Vetters abwehren muss.

Kurz beleuchtet wurden politische Schriften, insbesondere von Görres, der sich mit der preußischen Herrschaft im Rheinland nicht anfreunden konnte.

Den dritten Block bildeten religionsfeindliche Schriften; hier war es vor allem der „Judenspiegel“ (1819) von Hartwig Hundt, eine üble Hetzschrift gegen die Juden, die nach Meinung des Verfassers alle auch nur denkbaren schlechten Eigenschaften in sich vereinen.

Spätestens hier gab es keinen Grund mehr, über die angebliche Prüderie und Engstirnigkeit der damaligen Zeit zu schmunzeln, bloß weil wir heute gröberen Tabak gewohnt sind.

So klang der Abend nachdenklich aus. Denn die Frage bleibt: Was können wir heute in unserer Gesellschaft an Büchern und anderen „Medien“ nicht dulden, wenn wir Werte des ehemaligen Abendlandes bewahren wollen?

  

„Verbotene Bücher – was 1825 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.
Vortrag von Dr. Ekkehard Gühne
von Wolfgang Reisner

Mit der jüdischen Geschichte Warendorfs befassten sich bereits mehrere Vorträge des Heimatvereins. Am Freitagabend fand die Serie im „Tapetensaal“ des Hauses Klosterstr. 7 eine Fortsetzung. Dr. Ekkehard Gühne sprach über das Thema „Verbotene Bücher- was 1826 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.

Es ging also um das frühe 19. Jahrhundert, denn von 1816 bis 1836 verdiente sich der besagte Jude ein kleines Zubrot mit einer Leihbücherei, übrigens der ersten überhaupt in unserer Stadt. Grund genug, im ersten Teil des Abends einen Blick in die damalige Lesewelt zu werfen. Strenge Regeln waren zu beachten, fürchtete doch die neue preußische Regierung, es könnten Bücher unter das Volk geraten, die zur „Lüsternheit“ reizen, die Religion verhöhnen oder die bürgerliche Ordnung untergraben. Und tatsächlich, ein Schüler des Laurentianums wurde im Unterricht mit einem Buch von August von Kotzebue „erwischt“, ausgeliehen bei Elias Hirsch, das nach Meinung des Lehrers moralischer Prüfung nicht standhielt.

Die Untersuchungen gegen den Ausleiher begannen. Sie verliefen zwar im Sande, hinterließen aber in den Akten ein interesssantes Dokument, nämlich ein Verzeichnis der Bücher, die damals in Leihbüchereien nicht stehen durften.

Die meisten der hier genannten 51 Bücher sind heute vergessen. Wer kennt auch noch die Satire „Fünfzehn Freuden der Ehe“ oder „Die einsamen Gräber gemordeter Tugenden“?

So griff der zweite Teil einige Proben heraus. So gab es einige „freie“ Passagen aus den „Gefährlichen Stunden“, in denen die hübsche Lilli einige erotische Angriffe ihres Vetters abwehren muss.

Kurz beleuchtet wurden politische Schriften, insbesondere von Görres, der sich mit der preußischen Herrschaft im Rheinland nicht anfreunden konnte.

Den dritten Block bildeten religionsfeindliche Schriften; hier war es vor allem der „Judenspiegel“ (1819) von Hartwig Hundt, eine üble Hetzschrift gegen die Juden, die nach Meinung des Verfassers alle auch nur denkbaren schlechten Eigenschaften in sich vereinen.

Spätestens hier gab es keinen Grund mehr, über die angebliche Prüderie und Engstirnigkeit der damaligen Zeit zu schmunzeln, bloß weil wir heute gröberen Tabak gewohnt sind. So klang der Abend nachdenklich aus. Denn die Frage bleibt: Was können wir heute in unserer Gesellschaft an Büchern und anderen „Medien“ nicht dulden, wenn wir Werte des ehemaligen Abendlandes bewahren wollen?

 

 „Verbotene Bücher – was 1825 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.
Einladung zum Vortrag von Dr. Ekkehard Gühne
Zeit: Freitag, den 12. 12. um 19. 30 Uhr   Ort: Tapetensaal, Klosterstraße 7

 

Auch in diesem Jahr lädt der Heimatverein alle Interessierten zu einem Vortrag ein, der das jüdische Leben unserer Stadt berührt. Am kommenden Freitag (12. Dez.) spricht der stellvertretende Vorsitzende, Dr. Ekkehard Gühne, ab 19.30 Uhr im Tapetensaal (Klosterstraße7) über das Thema „Verbotene Bücher – was 1825 nicht in der Lesebibliothek des Elias Hirsch stehen durfte“.

Elias Hirsch (1788-1866), Handelsmann und Kantor der jüdischen Gemeinde, betrieb von 1816 bis 1836 die erste öffentliche Leihbücherei der Stadt. Welche Vorschriften des Staates dabei zu beachten waren, wer sich was ausleihen durfte, das behandelt der erste Teil des Abends.

Der zweite widmet sich einer Liste von 51 Büchern, deren Ausleihe Elias Hirsch nicht gestattet war, weil diese Literatur nach Auffassung der Obrigkeit „zur Lüsternheit reizte“, die Religion verhöhnte oder die bürgerliche Ordnung gefährdete. Einige Proben daraus werden kurz vorgestellt, von den „Neuesten Entdeckungen im Reiche der Weiber und Mädchen“ bis zum „Judenspiegel“, einem „Schand- und Sittengemälde“.

Manches wird in heutigen Ohren amüsant klingen, anderes aber auch nachdenklich stimmen, wenn es um die auch heute noch aktuelle Frage geht, wann die Meinungsfreiheit endet oder missbraucht wird.

 

 

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