die alte Emsbrücke vor 1945
![]() Theo Lepper |
Alle Verantwortung für ein möglichst friedliches Kriegsende lag beim Stadtrentmeister Theodor Lepper, der seit den 1920er Jahren die Stadtkasse leitete. Er war ein verantwortungsbewusster Beamter und als geborener Warendorfer fühlte er sich seiner Heimatstadt in besonderer Weise verpflichtet. In den letzten Kriegstagen, kurz vor der alliierten Besetzung, musste er „als Rang ältester Beamter der Stadt“ die Amtsgeschäfte der Stadtverwaltung übernehmen, denn am 31. März 1945, es war Karsamstag, hatten Landrat Gerdes und Bürgermeister Haase in Sanitäter-Uniformen die Stadt fluchtartig verlassen. Auch die gesamte Polizei war geflohen. „Das Schicksal der Stadt liegt jetzt in ihrer Hand. Bei einem Angriff auf Warendorf werden Sie jetzt entscheiden müssen. Bedenken Sie dabei aber, dass eine evtl. Besetzung der Stadt nur kurze Zeit dauern wird, denn vom Teutoburger Wald aus, wo erhebliche Truppenverbände bereit stehen, erfolgt der Rückschlag.“ Mit diesen Worten hatte Bürgermeister Hase die Verantwortung für die Stadt dem Stadtrendanten Theodor Lepper und dem Standortältesten Oberst Winkel übertragen. Alles war kopflos und führungslos. Viele Bürger verließen die Stadt und brachten sich auf Bauerhöfen in Sicherheit.
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Oberst Winkel nach dem Krieg |
Theodor Lepper reagierte umsichtig und klug. Als erstes ließ er die am Münstertor bei der Gaststätte Höner angelegten Panzergräben beseitigen, denn damit wäre den anrückenden Truppen signalisiert worden, dass Warendorf verteidigungswillig ist. Um sich mit den alliierten Truppen verständigen zu können, bat er Oberstudienrat Blum, sich als Dolmetscher bereit zu halten. Auch Blum erkannte den Ernst der Lage und willigte sofort ein. In der Polizeistation im Rathaus wurde eine ständige Wache eingerichtet. Hier bezog auch Stadtrendant Lepper sein Standquartier.
Etwa gegen 17.30 Uhr hängte Kathrinchen Wonnemann am Haus Markt
12 eine weiße Fahne heraus und schnell wurden viele weiße Fahnen, also
weiße Betttücher, in der ganzen Stadt gehisst. Der Schreinermeister
Heinrich Webbeler kletterte in den Turm der Laurentiuskirche und hängte
die weiße Fahne aus, damit weit sichtbar war, dass Warendorf sich nicht
verteidigen will. Dieses Zeichen der Ergebung wurde von zwei alliierten
Aufklärungsfliegern, die gegen 18.30 Uhr über die Stadt flogen,
verstanden und die vier Bomber drehten wieder ab. Die Zerstörung
Warendorfs war abgewendet.
Die weißen Fahnen wollte der zuständige Offizier der Waffen-SS
jedoch nicht dulden. Die Warendorfer weigerten sich, sie einzuziehen.
Als aber der Hauptsturmführer drohte, die Häuser zu beschießen, wurden
die weißen Fahnen dann doch eingezogen.
Die SS wollte noch „jede Straße, jedes Haus, jede Treppenstufe“
verteidigen. Zwei Lastwagen mit SS-Truppen trafen in Warendorf ein und
besetzten jeden Stadteingang und jede Kreuzung. Der übereifrige
Hauptsturmführer, der die Befehle gegeben hatte, wurde noch in derselben
Nacht bei einer Erkundungsfahrt nach Hoetmar verwundet und gefangen
genommen. Sein Adjutant wurde durch Schüsse aus einem Panzerspähwagen
getötet.
Jetzt übernahm ein junger Leutnant, der nicht so fanatisch war,
die Führung der SS-Truppen in der Stadt. Ein Glück für Warendorf!
Der folgende Ostersonntag war ruhig, die meisten Warendorfer
hatten ihre wichtigste Habe auf Bollerwagen und Fahrräder gepackt und
waren in die Bauernschaften geflohen, um den Gefahren einer Beschießung
zu entgehen.
Am Ostermontag kam ein Pionierkommando nach Warendorf, das den
Auftrag hatte, die Emsbrücken zu sprengen. Alles wurde für die Sprengung
vorbereitet. Theodor Lepper versuchte, sie von dem Vorhaben abzubringen,
was ihm aber nicht gelang. Es wird erzählt, dass in der Zwischenzeit
zwei mutige Warendorfer unter den Brücken die Zündschnüre
durchgeschnitten hätten. Eine heroische Tat, denn die Brücken wurden
streng bewacht. Wie gefährlich eine solche Tat damals war belegt das
Schicksal des versprengten Pioniers Otto Hermann aus Gelsenkirchen. Er
hatte die vorgesehene Sprengung der Brücke als Blödsinn bezeichnet und
war deshalb von der SS kurzerhand erschossen worden. Die Leiche des
38jährigen Soldaten legte die SS zur Abschreckung an das Kriegerdenkmal.
Später wurde Otto Hermann auf dem Warendorfer Friedhof begraben.
Als der Führer des Sprengkommandos am Ostermontag gegen 11.30
Uhr das Signal zur Sprengung gab, fiel nur ein Teil der dreibogigen
Emsbrücke der Detonation zum Opfer. Die Brücke an der Gartenstraße und
die Teufelsbrücke kamen ohne Schaden davon. Die Sabotagemaßnahmen der
mutigen Warendorfer Bürger waren erfolgreich gewesen. Trotzdem erlitt
die städtische Wasserleitung und das Dachgeschoss des Hauses Wulff
schwere Schäden. Fast alle Fensterscheiben der umliegenden Häuser und in
der Firma Brinkhaus gingen zu Bruch.
Am Osterdienstag kam gegen 10.15 Uhr die Meldung, dass
amerikanische Truppen soeben in Warendorf eingerückt seien und an der
Ecke Münsterstraße/Freckenhorster Straße bei Pletzer stünden.
Stadtrendant Lepper ging eilig zum Kommandanten der amerikanischen
Truppe und brachte ihn zum inzwischen installierten Bürgermeister
Schmücker. Mit Hilfe von Oberstudienrat Blum als Dolmetscher gab der
Kommandeur der amerikanischen Truppe den Bürgern von Warendorf die
Anweisung, die Straßen sofort zu räumen. Ein Ausgang war nur von 9-12
Uhr zum Einkauf der nötigen Lebensmittel erlaubt. Der Verkauf von
Spirituosen wurde sofort verboten.
Mit Hilfe des Beigeordneten Schmücker als Bürgermeister, dem
Stadtrendanten Lepper und Oberst Winkel und dem engagierten Einsatz von
Oberstudienrat Blum gelang es, in diesen ersten kritischen Tagen Ruhe
und Ordnung zu bewahren und einen reibungslosen Umgang mit der
Besatzungsmacht zu erreichen. Ihrem Mut ist es zu verdanken, dass
Warendorf das Kriegsende so glimpflich überstanden hat. Dafür müssen wir
noch heute dankbar sein, denn ohne ihre Umsicht sähe unsere Stadt heute
anders aus.
Der Warendorfer Nachkriegsschriftsteller Paul Schallück hat in
„Weiße Fahnen im April“ mit dichterischer Freiheit aus den Ereignissen
dieser letzten Kriegstage eine sehr treffende Erzählung gemacht,
erschienen in „Kleine Westfälische Reihe“ Heft 3 aus dem Jahr 1955.
Quelle:
mündliche Überlieferung
Theo Lepper: Die letzten Tage des 2. Weltkrieges in Warendorf
in: Warendorfer Schriften 6/7 1977 S. 155-159
Paul Schallück hat in „Weiße Fahnen im April“ mit
dichterischer Freiheit aus den Ereignissen diese letzten Kriegstage eine
sehr treffende Erzählung gemacht.
Kleine Westfälische Reihe Heft 3 1955
Kreuzung Münsterstraße: hier traf der Stadtrendant Lepper auf die Amerikanischen
Truppen
1941
wurde der linientreue Nationalsozialist Wilhelm Haase in Vertretung für
den Soldat gewordenen Kurt Hachmann kommissarischer Bürgermeister von
Warendorf. Haase war schon 1930 in die NSDAP eingetreten und hatte eine
steile Parteikarriere gemacht. Seit 1938 war er Amtsbürgermeister in
Ostbevern und nun konnte er auch in Warendorf ein strikteres NS-Regime
durchsetzen. Er versetzte die Warendorfer Bevölkerung in Angst und
Schrecken. Im Dezember 1941 sorgte er dafür, dass die letzten sechs in
Warendorf lebenden Juden Arnold, Ella, Frieda, Hugo und Walter Spiegel
und Berta Samuel deportiert wurden. Sie kehrten nie wieder heim. Obwohl
Warendorf jetzt „judenfrei“ war, setzte Haase die antisemitische Hetze
fort.
Um den NS-Einfluss auf die Warendorfer Gymnasien zu verstärken,
verfolgte Bürgermeister Haase schon seit 1942 die Absetzung von Frau Dr.
Maria Moormann. Sie war die christlich orientierte Direktorin der
Marienschule - seit 1941 in „Justus-Möser-Schule“ umbenannt.
Erst
Ende 1944 gelang es Bürgermeister Haase, die Direktorin Dr. Moormann
ihres Amtes zu entheben und der linientreue Direktor des Gymnasium
Laurentianum, Herr Dr. Donnermann, übernahm die Leitung. Alle Kinder
sollten in die NS-Propaganda einbezogen werden, sogar die
Kindergartenkinder schwenkten beim Kinderfest fröhlich ihre
Hakenkreuz-Fähnchen.
Auch in Warendorf kamen Kriegsgefangene zum Arbeitseinsatz,
ohne sie hätte die Kriegswirtschaft nicht aufrechterhalten werden
können. Ab Herbst 1939 wurden Polen eingesetzt, ab 1940 Franzosen,
Holländer und Belgier und ab 1942 Russen. Diese ausländischen
Zwangsarbeiter waren am Stadtrand in mehreren Gefangenenlagern
untergebracht und kamen in der Landwirtschaft, in der Industrie und im
Handwerk zum Einsatz. Je kleiner die Betriebe waren, desto menschlicher
war die Behandlung der Gefangenen, was der NS-Obrigkeit ein Dorn im Auge
war und bestraft wurde. NS-Bürgermeister Haase war ein besonders
strikter Kontrolleur beim Umgang mit Kriegsgefangenen und
Zwangsarbeitern, der jegliche Missachtung der strengen Vorschriften
unnachgiebig ahndete. Trauriger Höhepunkt war im März 1945 die Ermordung
von 13 Zwangsarbeitern in Lippermanns Knäppen. Erst mit der
Machtübernahme der Alliierten hatte das Leid der Zwangsarbeiter ein
Ende, sie wurden befreit und in Sammellagern in der Reit-und Fahrschule
und im Gestüt untergebracht, um dann in ihre Heimatländer entlassen zu
werden. Erstaunlich ist, dass viele Bürger diese Zwangsarbeiterlager gar
nicht wahrnahmen. Erst nach Kriegsende gerieten die Kriegsgefangenen und
Zwangsarbeiter, jetzt „Displaced Persons“ genannt, wegen der
Plünderungen und Überfälle in das Blickfeld der Normalbürger.
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In den letzten Kriegstagen, am 31. März 1945, es war
Karsamstag, verließ Bürgermeister Haase zusammen mit Landrat Gerdes in
Sanitäter-Uniformen fluchtartig die Stadt. Die Siegermächte waren im
Anmarsch, das bedeutete für diese beiden fanatischen NSDAP-Bediensteten
nichts Gutes. Bürgermeister Haase übergab die Verantwortung für die
Stadt Warendorf dem Stadtrendanten Theodor Lepper. Er war der
dienstälteste Beamte der Stadtverwaltung: „Das Schicksal der Stadt liegt
jetzt in Ihrer Hand. Bei einem Angriff auf Warendorf werden Sie jetzt
entscheiden müssen. Bedenken Sie dabei aber, dass eine evtl. Besetzung
der Stadt nur kurze Zeit dauern wird, denn vom Teutoburger Wald aus, wo
erhebliche Truppenverbände bereit stehen, erfolgt der Rückschlag.“ Mit
diesen Worten verließ Bürgermeister Haase die Stadt und ließ den
Stadtrendanten Lepper und den Standortältesten Oberst Winkel mit den
Problemen des Kriegsendes allein. Für ihre Flucht benutzten
Bürgermeister Haase und Landrat Gerdes ihre Dienstfahrzeuge und das
extra dafür gehortete Fluchtbenzin.
Die beiden NS-Beamten wurden bald von den US-Truppen gefangen
genommen und Wilhelm Haase starb noch 1945 im Alter von 51 Jahren im
Internierungslager bei Ostende/Belgien.
Mechtild Wolff
Quellen:
Jürgen Goyny: Warendorf in der NS-Zeit (1933-1945)
in: Geschichte der Stadt Warendorf Band II
Bilder:
Archiv Hans Rennemeier und Bildarchiv der Altstadtfreunde
Kurt Heinermann ( Bild Kindergarten)
2021 beging die Stadt Warendorf den 100. Geburtstag von
Heinrich Windelen mit einem Festakt - das gibt es höchst selten in
unserer Stadt und ist ein schönes Zeichen, dass die Bedeutung des
langjährigen Bundestags-abgeordneter Heinrich Windelens in seiner
Heimatstadt Anerkennung findet.
Aber was hat den Schlesier Heinrich Windelen nach Warendorf
verschlagen und wie kam er in die Politik, denn geboren wurde Windelen am 26.
Juni 1921 in Bolkenhain im schlesischen Riesengebirge, als Sohn des
Lederfabrikanten Engelbert Windelen und seiner Frau Anna. Engelbert
Windelen war ein aktives Mitglied der Zentrumspartei und machte keinen
Hehl aus seiner Abneigung gegen die NSDAP. Das hat auch seinen Sohn
Heinrich geprägt. Dieser sollte später die Lederfabrik übernehmen, darum
studierte er nach seinem Abitur Physik und Chemie in Breslau. Die schöne
Studienzeit wurde aber 1941 abrupt beendet, als Heinrich Windelen in die
Wehrmacht eingezogen wurde. Den grausamen Krieg musste er bis zum
letzten Tag mitmachen und kam 1945 in Bayern in amerikanische
Gefangenschaft. Weil er eine Adresse in Warendorf angeben konnte -
damals noch zur amerikanischen Zone gehörend - und er behauptete,
Student der Landwirtschaft zu sein, wurde er schon im Herbst 1945
entlassen, denn die Landwirtschaft brauchte dringend Erntehelfer!!! In
seine schlesische Heimat hätte er nicht zurückgehen gekonnt, obwohl
seine Eltern dort noch ausharrten. Sie durften erst 1947 Schlesien
verlassen. So schlug sich Heinrich Windelen nach Warendorf durch, wo er
seine Schwestern fand, die im Kolpinghaus mit vielen anderen
Vertriebenen zusammen eine notdürftige Bleibe gefunden hatten. Der Saal
des Kolpinghauses blieb als Versammlungsort erhalten, aber die Empore im
Saal durften die Flüchtlinge als Abstellmöglichkeit nutzen. So bemerkte
eine der Schwestern eines Abends, dass unten im Saal eine Versammlung
stattfand, bei der heftig über die Situation der Flüchtlinge und die
allgemeine politische Lage diskutiert wurde. Das interessiert doch
unseren Heinrich!
Er ging in den Saal und beteiligte sich engagiert an
der Diskussion und man kam schnell zu dem Ergebnis, dass dringend ein
Flüchtlingsbeirat gebildet werden müsse. Nur wer soll dieses schwierige
Themenfeld in die Hand nehmen. „Der, der da eben gesprochen hat, soll
für uns alle sprechen!“ So wurde der 24jährige Heinrich Windelen zum
ersten Vorsitzenden des Flüchtlingsbeirates gewählt, Elisabeth
Schwerbrock wurde seine Stellvertreterin, denn klugerweise war
festgelegt worden, dass immer ein Flüchtling mit einem Einheimischen
zusammenarbeiteten sollte. Es war wahrlich keine leichte Aufgabe, die
diese beiden Engagierten zu bewältigen hatten. In guter Zusammenarbeit
mit dem Flüchtlingsamt der Stadt mussten nun den mittellosen
Flüchtlingen Möbel, Kleidung, Nahrung und vor allem eine Wohnung
beschafft werden. Eine wahre Herkulesaufgabe! Aber Heinrich Windelen war
geprägt durch ein immer aktives und politisch denkendes Elternhaus und
hatte in Elisabeth Schwerbrock eine unermüdliche, energische und
tatkräftige Mitstreiterin. Auch als 1946 die CDU begründet wurde,
standen Heinrich Windelen und Elisabeth Schwerbrock in erster Reihe und
kandidierten 1948 für den ersten demokratisch gewählten Stadtrat, der
damals noch unter der Aufsicht der Besatzungsmacht stand. Beide haben
die Geschicke unserer Stadt wesentlich mitbestimmten, Elisabeth
Schwerbrock bis 1956 und Heinrich Windelen bis 1964.
Windelen gab schon 1947 der politisch interessierten Jugend
durch die Gründung der „Jungen Union“ eine neue politische Heimat und im
selben Jahr wurde er in den Kreistag gewählt. Auch hier konnte er sich
für die Heimatver-triebenen einsetzen, denn die standen buchstäblich vor
dem Nichts und waren in Warendorf gestrandet nur mit den Kleidern auf
dem Leib und ein paar Habseligkeiten in einem Handköfferchen. Ihre
geretteten Wertsachen waren ihnen fast immer auf der Flucht geraubt
worden. Aber die Flüchtlinge konnten arbeiten, waren vielfach tüchtige
Handwerker oder Textilfachleute, denn Schlesien war für seine
leistungsfähige Textilindustrie bekannt. So wurden sie auch in Warendorf
schnell eine Bereicherung für Handwerk und Gewerbe.
Maßgeblich beteiligt war Heinrich Windelen an der Förderung der
Errichtung von Eigenheimen, die damals immer einen großen Garten hatten,
wo Obst und Gemüse angebaut und ein Schwein fett gefüttert werden
konnte.
Windelen hat sich aber nie verbiegen lassen, ja, er leistete
sich den Luxus einer eigenen Meinung. So verweigerte er der Regierung
Kohl 1990 seine Zustimmung zur Festlegung der Oder-Neiße-Linie als
Deutsche Ostgrenze. Seine Erfahrun-gen von Diktatur, Krieg und
Vertreibung hatten seine Überzeugung geprägt, dass die Deutschen
Ostgebiete nicht aufgegeben werden dürfen. 1990, im Jahr der Deutschen
Einheit beendete Heinrich Windelen seine politische Karriere im
deutschen Bundestag in Bonn. Für die Einheit seines Vaterlandes hatte er
all die Jahre gekämpft und das Bewusstsein für dieses zentrale Thema
wachgehalten. Dass er die Wiedervereinigung noch miterleben würde - das
hatte auch er nicht zu hoffen gewagt. Mit Heinrich Windelen verlor die
CDU-Bundestagsfraktion aber auch ihren führenden Haushaltspolitiker. Er
hat in seiner politischen Zeit viele hohe Partei- und Fraktionsämter
ausgefüllt und sich insbesondere um die Führung der CDU in Nordrhein
Westfalen verdient gemacht.
Bürgermeister Kluck empfängt eine Delegation aus
Bonn mit Heinrich Windelen
Rückblickend auf ein halbes Jahrhundert politischer Arbeit
sagte Heinrich Windelen am Ende seines Lebens: „Als ich anfing hatten
wir nichts, kein Geld, keine Gesetze und viele Probleme. Die Situation
heute ist umgedreht: Früher hatten wir Notstandsprobleme, heute haben
wir Wohlstandsprobleme.“
Heinrich Windelen hat seiner Wahlheimatstadt Warendorf immer
die Treue gehalten. Hier wohnte er gerne, hier hatte er 1954 Ingeborg
Kreutzer geheiratet, hier waren seine vier Kinder aufgewachsen, hier
hatte er seine Freunde und viele politische Wegbegleiter. Hier hat er im
Wahlkampf sich immer auf seine treuen Helfer verlassen können,
insbesondere auf die Junge Union, die ihren „Heini Pampers“, wie sie ihn
jugendgemäß despektierlich, aber liebevoll nannten, zu allen
Wahlkampfeinsetzen begleiteten.
Heinrich Windelens Engagement wurde vielfach geehrt. 1986, an
seinem 65. Geburtstag, verlieh ihm Bundeskanzler Helmut Kohl im Palais
Schaumburg das große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband – eine
solch hohe Ehrung hatte es vorher noch nicht gegeben. Schon 1983 hatte
er das Große Goldene Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich
überreicht bekommen. 1991 ernannte die Stadt Warendorf ihn zum
Ehrenbürger, nicht zuletzt wegen seines bedeutsamen Engagements für die
Stadt – ohne ihn hätte es die Ansiedlung der Bundeswehrsportschule, des
DOKR und des Modernen Fünfkampfs in Warendorf
Am 16. Februar 2015 verstarb Heinrich Windelen im gesegneten
Alter von 93 Jahren in seinem Alterswohnsitz im Koster zum Hl. Kreuz in
Freckenhorst. In seiner Gedenkrede in der Laurentiuskirche würdigte der
Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert den ehemaligen
CDU-Abgeordneten und Vize-Präsidenten des Deutschen Bundestages Dr. h.c.
Heinrich Windelen als „Parlamentarier aus Leidenschaft“. „Wir sind
Heinrich Windelen dankbar für alles, was er für den Aufbau einer
stabilen parlamentarischen Demokratie in unserem Lande über viele Jahre
hinweg geleistet hat. Heinrich Windelen war ein pflichtbewusster
Politiker, der die anstehenden Probleme gründlich analysierte und mit
preußischer Genauigkeit verfolgte. Er schielte nicht nach dem Erfolg der
Welt, er hängte auch nicht sein Mäntelchen in den Wind und scheute sich
nicht, Unpopuläres auszusprechen. Er war immer ein eher nüchterner, auf
Ausgleich bedachter Politiker.“
Zu seinem 100. Geburtstag am 25.6.2021 lud der neue
Bürgermeister Peter Horstmann zu einer Feierstunde in den Sophiensaal
ein. Seine Familie, ehemalige Weggefährten, Vertreter aus
der Politik und dem Rat der Stadt Warendorf erlebten einen
beeindruckenden Rückblick auf das Leben des bedeutenden Politiker
Heinrich Windelen.
Quellen:
Elke Seul: Biete Klo – suche Geige 1985
Geschichte der Stadt Warendorf 2000
Dr. Norbert Lammert: Gedenkrede in der Laurentiuskirche 2016
Presseberichte aus der Glocke und den Westfälischen Nachrichten
Text: Mechtild Wolff
Vor 80 Jahren: Die letzten Tage des 2.
Weltkriegs in Warendorf Ostern 1945
Das Portrait: Dr. h.c. Heinrich Windelen
Aus Anlass des Denkmaltages am 8. 9. 2024:
Motto: "Wahrzeichen - Zeitzeugen der Geschichte"
Der Warendorfer Bürger-Schützenhof – eine
Erfolgsgeschichte mit traurigem Ende
Der erste große Stadtbrand von Warendorf aus dem Jahre 1404
Das Portrait: Joos Brandkamp, Kirchen- und Kunstmaler
(1905 - 1983)
von Mechtild Wolf
100 Jahre Frauenwahlrecht - Erinnerungen an Clara
Schmidt in Warendorf und die Frauenbewegung
Clara Schmidt und die Frauenliste
Fakten und Historie
Verleihung des Heimatpreises der Stadt Warendorf an den Heimatverein Warendorf
Dankesworte des Heimatvereins zur Verleihung des Heimatpreises 2023
Gurt vettig Lüe bin Krinknommdag
Das Gadem am Zuckertimpen 4 – ein „Kleine-Leute-Haus“ ein Leitfaden, nicht nur für Kinder
Waffelnbacken im Gadem
Westfälisch Platt:
von Franz Schulte Nahrup
Friedhofsrundgang des Heimatvereins mit Mechtild Wolff
Klönsonntag mit Mechtild Wolff
Zum Tag des offenen Denkmals:
Die Gesellschaft Harmonie in Warendorf
Heimatfest Mariä Himmelfahrt
Erlebte Geschichte: Mariä Himmelfahrt in den 1920er
Jahren von Eugenie Haunhorst
Unser engagiertes Ehrenmitglied Kurt Heinermann verstarb
im Alter von 91 Jahren
Anni Cohen und ihre Familie - von Warendorf nach Südafrika und Palästina
von Mechtild Wolff
Eduard Elsberg erbaute das erste große Kaufhaus in Warendorf
von Mechtild Wolff
Der
Elsbergplatz
von Dr. Bernward Fahlbusch
Das Fahrrad, ein wertvoller Besitz
von Eugenie Hauenhorst
Traditionelles Struwenessen an Karfreitag im Gadem am Zuckertimpen
Filmvorführung des Heimatvereins: "Als Warendorf sich wieder machte..."
Neujahrsgruß des Heimatvereins
Warendorfer Schriften Band 51/52 neu erschienen
Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Neue Bahnhof" in Warendorf von Mechtild Wolff
Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Alte Bahnhof" in Warendorf
Der Warendorfer Friedhof - Spiegel der Stadtgeschichte
Gebr. Hagedorn und Co, eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei
Das Dezentrale
Stadtmuseum
ist in der Regel an Sonntagen von 15:00 - 17:00 Uhr geöffnet. Dazu
gehören das Rathaus, das Bürgerhaus Klosterstraße 7 mit den
handgedruckten Bildtapeten und das Gadem am Zuckertimpen 4
Der Eintritt ist frei.