Vortrag von Dr. Ekkehard Guehne
Die Juden im bürgerlichen Leben in Warendorf (18. 10. 2018)

 

Schon seit Jahren veranstaltet der Heimatverein Warendorf Vorträge zur langen jüdischen Geschichte unserer Stadt. Sie haben mittlerweile ein treues Publikum gefunden, so dass am Donnerstagabend die Zuhörer im „Tapetensaal“ des Hauses Klosterstraße 7 schon etwas zusammenrücken mussten. Dr. Ekkehard Gühne sprach über das Thema „Die Juden im bürgerlichen Leben der Stadt Warendorf“.

Der Schatten des Massenmnords an Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft legt sich auch nach mehr als 70 Jahren über jede Beschäftigung mit dem Judentum in Deutschland. Gleichwohl wollte der Vortrag den Blick weiten, den Blick schärfen für das komplizierte Miteinander, Nebeneinander und manchmal auch Gegeneinander von Juden und Nichtjuden in einer Zeit, die vieles anders beurteilte, als es uns heute vertraut ist.

So ging es zunächst um die besondere Rechtsstellung der Juden und das dahinter stehende Denken, dann um die nach 1802 einsetzenden Veränderungen in französischer und preußischer Zeit, die schließlich zur rechtlichen Gleichstellung führten.Wie sich das alles fern der großen Politik im Alltagsleben unserer Stadt niederschlug, war das Anliegen dieses Abends, der gleichermaßen Amüsantes wie auch nachdenklich Stimmendes bereithielt.

Thema waren zunächst die Vereine, in denen im 19. Jahrhundert erstaunlich viele Juden ungehindert aktiv wurden, von der 1810 gegründeten „Gesellschaft Harmonie“ bis zu den Bürgerschützen, die mit Levi Beer 1853 erstmals einen jüdischen Schützenkönig hatten. Gestreift wurde christliches „Gesinde“ in jüdischen Häusern, aber auch z. B. die Feuerwehr, in der Juden Pflichten übernahmen.

Weniger harmonisch ging es hin und wieder im Alltag einer eng bevölkerten Stadt zu. An Zänkereien und Streitigkeiten mit und ohne Beteiligung von Juden war kein Mangel, wie manches Beispiel zeigte. Es gab aber auch einzelne Tätlichkeiten, die auch einen zumeist unreflektierten judenfeindlichen Hintergrund hatten. Diesen herauszuarbeiten und richtig zu gewichten war ein besonderes Anliegen des Vortrags.

Und da es bis zur Stunde nirgendwo auf der Welt eine Gesellschaft ohne Kriminalität gibt, wandte sich dieser der letzte Block des Abends zu. Im Rücklick gab es da einiges zu schmunzeln, als es um die zumeist kleinereien Betrügereien von Juden ging, von falschen Maßen und Gewichten bis hin zu der Kunst, städtischen Gebühren auszuweichen. Allerdings, Juden konnten auch Opfer werden, vom Diebstahl einer Kuh bis hin zu Wohnungseinbrüchen.

Insgesamt aber gibt es in Warendorf bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten keine Judenfeindlichkeit, welche die gute Nachbarschaft hätte ins Wanken bringen können. Diese Wolken brauten sich anderswo zusammen.

Und doch: In der sogenannten „Reichskristallnacht“ wurden auch in Warendorf Juden von Warendorfern misshandelt, z. B. in der Oststraße 7 (Viehhändler Elsberg), wo die Namen der Täter bekannt sind. Erklären konnte und wollte der Vortrag diese Wende nicht; er regte aber an, auch darüber nachzudenken.

 

18.10.2018

 

 

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