Erlebte Geschichte in Warendorf von Eugenie Haunhorst

Ein Warendorfer Holzschuhmacher

„Lüe treckt Holsken an.“
Eugenie als Schülerin 1921
Heimatverein Warendorf: Holzschuhe - lange Zeit beliebte FußbekleidungErgänzend zu der Geschichte über Schuster Niemann möchte ich von dem einzigen Holzschuhmacher erzählen, der in der Innenstadt Warendorfs lebte und arbeitete. Theodor Wenner wohnte mit seiner Frau und seinen drei Kindern am Ende der Langen Kesselstraße/Ecke Kurze Kesselstraße. Er hatte das Holzschuhmacher Handwerk erlernt.

Vor seinem Haus lagen Pappelstämme, denn das weiche Holz der Pappel oder der Weide war für die Herstellung von Holzschuhen besonders geeignet. Die Stämme wurden in passend große Stücke gesägt. Die Kinder konnten helfen, die etwa vierzig Zentimeter langen Stücke ins Haus zu tragen. Das Holz musste bei der Verarbeitung gut abgelagert sein.
Nun machte Meister Wenner sich an die Arbeit. Er trug eine große Schürze und begann die erste Formgebung. Auf einem Schemel sitzend klemmte er sich das Holzstück zwischen die Knie und schnitzte mit einem der langen Spezialmesser zur Holzschuhanfertigung die Holzschuhform aus dem Holzblock. Wichtig war die elegante Spitze, die bei beiden Holsken gleich sein musste.

Das Aushöhlen des Rohlings und seine Formgebung für den Fuß war die schwierigste Arbeit. Mit einem Löffelbohrer wurde die Fußlänge ausgehöhlt. Der geübte Holzschuhmacher kannte jeden Griff für ein glattes Fußbett.
Hatte ein Kunde einen besonderen Wunsch für seine verkrüppelten oder krummen Zehen oder für einen Fußballen, dann passte Meister Wenner den Holzschuh ganz individuell an. Auf den fertigen Holzschuh wurde eine Lederlasche mit einer besonderen Klebepaste aufgeklebt. Eine weiche Randeinfassung sollte den Druck beim Gehen abfedern. Die Lederlaschen oder Zungen kaufte Herr Wenner an der holländischen Grenze ein. Es gab nur drei Größen: für Männer, Frauen oder Kinder.

Heimatverein Warendorf: WinterholzschuheFür den Winter fertigte er auf Wunsch Holzschuhe mit Lederschaft an. In der Werkstatt wurden die fertigen Holzschuhe auf einem Regal zum Verkauf angeboten. Die abfallenden Späne brachten dem Holzschuhmacher einen kleinen Nebenverdienst. Seine Tochter sammelte die Späne in einem Sack. Auf den Bollerwagen gepackt brachte sie diesen wertvollen Brennstoff zu einem Kunden. Dafür bekam sie fünfzig Pfennig, ihr Anteil war 5 Pfennige, über die sie sich sehr freute.
Anfang der Dreißiger Jahre ließ der Bedarf an Holzschuhen nach. Herr Wenner suchte sich ein zweites Standbein und arbeitete in dem größer werdenden Betrieb des Schlachthofes.

Heimatverein Warendorf: Holzschuhe mit HaiensockenSchon immer wurden auf dem Lande bei den Bauern Holzschuhe getragen. Nach dem ersten Weltkrieg kamen viele Kinder, vor allem die aus den Bauernschaften, mit Holzschuhen zur Schule. Waren die Holsken auch innen nass geworden, wurden sie im Klassenraum rund um den Kanonenofen gestellt, um während der Schulstunden zu trocknen. In den Holzschuhen trug man handgestrickte Wollsocken, oft sogar aus selbst gesponnener Wolle von eigenen Schafen.
Kenner trugen Haiensocken, die aus Hanf-Bindegarn gestrickt wurden. Damit bekam man bestimmt keine kalten Füße. Bei Regen, Schneematsch oder in Pfützen schützte der etwa drei Zentimeter hohe Rand vor nassen Füßen. Schmutzige Klotschen wurden abgewaschen und zum Trocknen mit der Spitze nach oben an die Wand gestellt.

Auch wir Stadtkinder trugen im Winter bei Schnee und Matsch gern Holzschuhe. Mit den Holsken konnte man die vereisten Straßen wunderbar zu einer spiegelglatten Eisbahn werden lassen. Ja, es gab sogar getrennte Schlinderbahnen - für Holzschuhe und für Lederschuhe.

Das waren unsere kleinen Winterfreuden.

Eugenie Haunhorst wurde  als drittes von fünf Kindern am 12. 12. 1912 in Warendorf geboren. Ihre Eltern waren Eugenie und  Eduard Göcke, der als Lehrer an der Münsterwallschule  tätig war.
Bilder: Eugenie Haunhorst
alle Rechte vorbehalten: Eugenie Haunhorst 2006

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