Laudatio auf Walter Suwelack anlässlich der Verleihung der Wilhelm-Zuhorn-Plakette des Heimatvereins Warendorf  am 25.11.2018 im Historischen Rathaus
Laudator: Hermann Flothkötter

Walter Suwelack und Wolfgang Budde bei der Überreichung der Plaketten

 

 Sehr geehrte Frau Wolff, liebe Mechtild, Herr Bürgermeister Linke, verehrte Heimatfreunde, geehrte Gäste!

Es ist mir eine große Ehre und ich danke herzlich, die Laudatio auf Walter Suwelack, einen der neuen Preisträger der Wilhelm-Zuhorn-Plakette halten zu dürfen. Ich bin seit Jahrzehnten mit Dir, lieber Walter, auf verschiedenen Ebenen verbunden und habe während Deiner Kreisdechanten-Zeit konstruktiv und zielorientiert mit Dir zusammengearbeitet. Es war ein Vergnügen.

Walter Suwelack bürgt für Qualität. Aufgewachsen inmitten der Baumberge und des Baumberger Sandsteins, war es Dir schon in die Wiege gelegt, Dich konsequent um Sandstein-Denkmäler zu kümmern. Baumberger Sandstein war der Exportschlager im Mittelalter, so wurde zum Beispiel der Dom in Münster damit erbaut, aber auch der gebürtiger Billerbecker Suwelack wurde zu einem Exportschlager. Billerbeck, dass auch gerne als Perle der Baumberge bezeichnet wird, verschenkte eine Perle an die Welt. Er wurde 1962 zum Priester geweiht. Nach Deiner Zeit als Rektor der Jugendburg Gemen, kamst Du 1975 nach Warendorf Sankt Laurentius, wo Du auch nach Deiner Emeritierung als Pfarrer weiterhin lebst und wirkst. Er fühlt sich den Menschen und der Stadt zutiefst verbunden. 2012 konntest Du Dein goldenes Priesterjubiläum feiern. Neben Deinen vielfältigen Aufgaben als Pfarrer und als großer Sanierer der Sankt Laurentiuskirche, als Seelsorger, Motivator, Ideengeber, Kunstsachverständiger und als Kreisdechant hast Du es verstanden, auch Deinem Hobby, der Fotografie Raum und Zeit zu geben. Auch Deinen Umgang mit modernster Technik bewundern viele Menschen und Du setzt unter Klerikern Maßstäbe.

Global vernetzt - lokal vor Ort handeln, lautet Deine Maxime. Viele Menschen rasen durch die Zeit aber die Seele geht weiterhin zu Fuß. Alles scheint immer hektischer, oberflächlicher, seichter, die Zeit immer schneller zu werden und doch hat kaum jemand Zeit, alles unterliegt einem schnellen Verfallsdatum. Wenn jemand heute Zeit hat, ist es höchst verdächtig, man unterstellt ihm dann leicht, dass er nichts zu tun hat und nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß. Dabei weisen viele Untersuchungen in den Naturwissenschaften und der Gehirnforschung nach, dass der Ertrag geistiger Arbeit bei hoher Geschwindigkeit verringert wird. Bewusste Langsamkeit dagegen zu setzen erhöht den Gewinn. Wenn ich mich an etwas erinnern will, beschleunige ich nicht den Schritt, sondern bleibe stehen. Ich brauche Zeit. Konkretes Bewusstsein entsteht wie Kunst, Musik, Literatur, Religion durch Innehalten, durch frei verfügbare Zeit, durch Pausen, durch Muße.

Lieber Walter, Du bist zwar kein begnadeter Wanderer, wohl aber ein begeisterter Radfahrer und besitzt mittlerweile ein E-Bike, dass Du häufig nutzt zur Erkundung, Erbauung und zur Entspannung. Du warst nie nur Zuschauer, sondern immer wieder Akteur, der in der Globalisierung den Lebensraum Land, die Heimat neu entdeckt, hegt und pflegt.

Ich kann hier nicht alle Verdienste im Einzelnen aufführen. Ich konzentriere mich daher auf Deine ehrenamtliche Tätigkeit in den letzten Jahren. Auf Deine Anregung wurde im Rotary Club Warendorf 2006 der Arbeitskreis „Historische Bildstöcke und Wegekreuze“ gegründet. Nach Max Horkheimer besteht die kürzeste Definition von Religion darin, sie mit Unterbrechung zu charakterisieren. Du hast die alltäglichen Lebensabläufe, die Routine, den Alltag unterbrochen mit dieser Gründung und Dich der Zukunft zugewandt. Um aber in der Gegenwart leben und Zukunft gestalten zu können, muss man sich seiner Wurzeln vergewissern, einen Standort finden. Angesichts der politischen Situation, der Rechtspopulisten, der Nationalisten, Fundamentalisten hat man den Eindruck, dass viele wie das Kaninchen vor der Schlange in Starrheit versunken sind. Wir aber wissen, das einzig Beständige ist der Wandel und wir können diesen Wandel aktiv, verantwortungsvoll mitgestalten, um somit zu einer lebenswerten Zukunft beizutragen. Verantwortliches Zukunftshandeln ist immer konkret und von daher äußerst komplex. Bildung heißt aber nichts anderes, als eben diese Komplexität in handlungsfähige Schritte zu reduzieren. Reduktion von Komplexität - so könnte man heute Bildung definieren. Du und die Mitglieder des Arbeitskreises haben mit der 1. Ausstellung „Landmarken des Glaubens - Bildstöcke und Wegekreuze in und um Warendorf“ den Startschuss gegeben, um unsere nähere Umgebung neu kennen zu lernen.

Walter Suwelack und sein Arbeitskreis stellen sich den Fragen, wie in diesen rasanten Umbruchszeiten aufbauend auf die vergangenen Entwicklungslinien neue Konzeptionen, Traditionen weiter entwickelt werden können. Wie können wir in unseren ländlichen Regionen weiterhin Zukunft bilden, mit beeinflussen und Humanität pflegen? Unsere Zukunft ist nicht zum Nulltarif zu haben. Zukunft ist nicht ohne Vergangenheit zu denken, denn Zukunft braucht Herkunft. Erst in der Erinnerung an die Vergangenheit schaffen wir uns Zukunft. Es gilt aus dem Gestern im Heute das Morgen zu gestalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Vorhandenes erhalten und gepflegt wird. Aber es muss auch zugleich transparent, öffentlich gemacht werden. So zeugen die zahlreichen Bildstöcke und Wegekreuze von einer jahrhundertealten Kultur und Tradition und prägen bis heute unseren Heimatraum. Gerade angesichts des riesigen Bedeutungsverlustes von kirchlicher Religion und Tradition - auf die Ursachen kann ich leider aus Zeitgründen nicht weiter eingehen - und auch angesichts der fortschreitenden Ausdifferenzierung der Lebens und Gesellschaftsbereiche, mangelnder Toleranz und mangelnder Diskurs- und Dialog-Kultur ist es dringlicher denn je, Bildstöcke, Wegebilder, Hofkreuze als kulturelle und religiöse Schätze unserer Heimat zu erhalten.

Seit dem späten Mittelalter entstanden christliche Wegeheiligtümer und dokumentieren private, spirituelle Frömmigkeit im öffentlichen Raum. Trotz staatlicher Verordnungen ließen sich die Westfalen nicht irritieren und hielten an ihren Glaubensvorstellungen fest und pflegten ihre privaten Frömmigkeiten. Auch während des Kulturkampfes wurden Wegemale, Heiligenbilder von der eigenen Konfession gerade als Ausdruck und Bekenntnis, sozusagen als Zeugnis und vielleicht auch als Widerstand gegen das protestantische Königreich, errichtet. Die Motive und Gründe zur Errichtung eines Bildstockes oder Kreuzes sind vielfältig. Besonders schwierige Zeiten, Notzeiten waren Anlass, mit einem solchen Symbol für den christlichen Glauben um Gesundheit zu bitten, aber vielfach auch als Ausdruck des Dankes für glücklich überstandene Gefahren, wie zum Beispiel, dass der Bruder, der Sohn, der Mann den Krieg überlebt hat. Auch erinnern etliche Wegebilder an die Opfer der Kriege. Auch sind einige als bewusster öffentlicher Widerstand anzusehen gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. In der Mitte des letzten Jahrhunderts nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sozusagen als Neubeginn wieder etliche Wegemale errichtet. Immer wieder entstehen bis heute neue Landmarken in ungebrochener Tradition und immer wieder stellt man Haus und Hof unter den Schutz eines Heiligen oder eines christlichen Symbols. Viele sind allerdings heute häufig schutzlos Umweltbedingungen ausgeliefert, auch durch Stilllegungen von Höfen, Besitzerwechsel, Vandalismus oder Diebstahl; zuweilen fehlt es auch an sorgfältiger Pflege und an der Einsicht zur Notwendigkeit des Erhalts.

Du, lieber Walter, hast die Initiative ergriffen mit großem Engagement und Herzblut, nicht lamentiert, resigniert und apathisch den Dingen ihren Lauf gelassen, sondern praktisch und konkret die dauerhafte Erhaltung der Bildstöcke zu Deinem Herzensanliegen gemacht. In Deiner nunmehr 16-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit hast Du im Altkreis Warendorf fast 700 Bildstöcke inventarisiert und gemeinsam mit vielen anderen Akteuren, wie dem Kreis Warendorf, Banken, Denkmalbehörden, vielen privaten Investoren, Vereinen, die Restaurierung vorangetrieben. Durch Ausstellungen, Benefizkonzert, mit umfangreichen Publikationen, zum Beispiel dem Radwanderführer zu den Bildstöcken, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit habt Ihr immer wieder neu das Bewusstsein für diese Tradition und ihrer Pflege erreicht. Ihr seid Gestalter unseres Lebensraumes, unserer Heimat, ihr baut Brücken von Gestern zu Heute und Morgen. Als Kontrast zur Globalisierung und Mobilität erfährt Heimat als Lebensgefühl eine Neukonstitution. In unserem kosmopolitischen Alltag haben wir Sehnsucht nach einer Identifikationsebene, Verortung, Sicherheit, Schutz und Rückzugsmöglichkeit. Du, lieber Walter, trägst dazu bei, uns in unserer Heimat wohl zu fühlen und uns daran zu erfreuen. Heimat beinhaltet aber auch Erinnerung an die Auseinandersetzung mit Vergangenem, als Basis und Potenzial für die Zukunft. Heimat haben ist ein geistiges Wurzelgefühl. Heimat lässt sich nicht konsumieren, als Event-Welt. Du hast Dir die Heimat mit dieser Initiative kontinuierlich, dynamisch und handlungsorientiert angeeignet und lässt uns teilhaben an Heimat als gelebtem und erlebtem Raum. Heimat haben heißt, hier zu leben, heißt personale Kommunikation, und Dialoge mit der Vergangenheit führen, innezuhalten und seinen Standort zu bestimmen. Deine Arbeit ist keine Eintagsfliege, sondern Du trägst mit dem Arbeitskreis dazu bei, unsere Heimat mit den Wegmarken des Glaubens neu zu entdecken und als Lebensqualität wahrzunehmen. Die zu Beginn meiner kleinen Laudatio erwähnten Hobbys Fotografieren Radfahren, Beherrschen der modernen Technik sind zwar keine Voraussetzung für Dein Engagement, aber erleichtern die Arbeit. Du und der Arbeitskreis seid professionell, kompetent. Du hast als technisch versierter Pastor dafür gesorgt, dass Eure Arbeit umfangreich, informativ und aktuell im Internet dokumentiert ist. Du, lieber Walter, bist selber zu einer besonderen Marke, zu einer Landmarke, vielleicht besser noch zu einer authentischen Glaubensmarke geworden.

Auch persönlich danke ich Dir für Deinen unermüdlichen Einsatz, gratuliere Dir herzlich zur Verleihung der Wilhelm-Zuhorn Plakette und stelle fest, dass Du sie mehr als verdient hast. Auch danke ich dem Heimatverein, dass er diesen herausragenden Priester ausgesucht hat und damit deutlich macht, dass Heimat nur lebendig und attraktiv bleiben kann, durch das Engagement, durch den Einsatz von Menschen, die über ihre eigenen Bedürfnisse hinaus bereit sind, sich für das Gesamtwohl der Menschen einzusetzen. Ich hoffe für uns alle, dass Du noch lange unseren Lebensraum so nachhaltig mitgestalten kannst.

Ihnen allen danke ich herzlich fürs Zuhören.

Weiterführende Links zum Thema

Der Heimatverein Warendorf verleiht die „Wilhelm-Zuhorn-Plakette“ an den Bildhauer Wolfgang Budde und Pfarrer em. Walter Suwelack

1.    Begrüßung, Einführung und Verleihung

2.   Laudatio Norbert Funken für Wolfgang Budde

3.   Laudation Hermann Flothkötter für Walter Suwelack

 

 

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