Einspruch des Herimatvereins zur geplanten Gastronomie im Emsseepark

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren des Rates der Stadt Warendorf!

 

Stellungnahme des Heimatvereins zum Thema:

 

Gastronomie im Emspark und im Freibad

 

Der Heimatverein Warendorf hat sich im Vorstand und im Beirat und mit vielen Bürgern intensiv mit den Plänen für eine Gastronomie im Freibad und im Emspark auseinandergesetzt. Die überwältigende Mehrheit lehnt das Vorhaben der Stadt energisch ab, ja sieht eine große Gefahr für den Emspark, sollten die Pläne verwirklicht werden.

 

Begründung:

 

1. Wer wird die Restauration besuchen?

Jogger, Hundebesitzer, Familien mit Kindern werden in einem Emsseecafé sehr selten Kunden sein. Spaziergänger werden sich sicher bei gutem Wetter gerne mal in das Café setzen. Die Erfahrung des Café Betriebes am Bootshaus zeigt, dass die Besucherzahlen an warmen Sonntagen hoch sind, bei schlechtem Wetter aber lohnt es nicht, die Tür zu öffnen. Diese Erfahrung macht ja auch der Kiosk im Freibad.

 

2. Wie soll ein Ganzjahresbetrieb wirtschaftlich gestaltet werden, wenn die Parkplätze weit entfernt liegen?

Die Besucher eines Restaurant-Cafés wollen schon im Sommer ungern weite Wege gehen, im Winter bei Regen und Kälte wird das Restaurant nicht wirtschaftlich zu betreiben sein. Auch die Gäste der geplanten Event-Gastronomie und der Festlichkeiten wollen nicht durch Regen und Matsch gehen. Das zeigt sich ja jetzt schon bei den Freibad-Events. die Besucher fahren bis zum Freibad und parken auf den Rasenflächen. Sehr schnell wird der Antrag gestellt werden, dass ein Parkplatz neben der Gastronomie angelegt werden muss. Die Alternative ist die Aufgabe des Betriebes und eine Bauruine im Emspark - das will niemand. Verwaltung und Politik werden sich ein wenig zieren, dann aber ganz schnell den Sachzwängen nachgeben und einen Parkplatz genehmigen, auch, wenn das jetzt von Verwaltung und Politik bestritten wird. Die Anfahrt über den Breuelweg wird zu schmal sein, der Weg muss verbreitert werden, die gerade angepflanzte Baumallee wird gefällt und mitten im Emspark entsteht eine Fahrstraße. Das wird von der Politik sogar begrüßt werden, denn der Weg wird bis dahin durch die Baufahrzeuge und Zulieferfahrzeuge schon stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein und es gab immer wieder Probleme, weil kein Begegnungsverkehr möglich war.

Ergebnis: Das naturbelassene Südufer des Emssees wird mit Autoverkehr belastet, der Erholungswert des Parks ist stark beeinträchtigt, der Park hat seinen Reiz verloren.

Unsere Forderung:

Der grüne Emspark muss bleiben,

denn er hat für viele Warendorfer einen hohen Erholungswert.

 

3. Dieser Teil des Emsparks ist Landschaftsschutzgebiet und sollte es auch bleiben.

Es besteht kein Sachzwang, das Landschaftsschutzgebiet für den Bau einer großen Gastronomie zu zerstören. Für die Besucher des Freibades ist ein Kiosk völlig ausreichend. Die Erfahrung zeigt, dass die Besucher des Freibades primär zum Schwimmen in das Bad kommen  und nur bei gutem Wetter den Kiosk in Anspruch nehmen. In der Presse war kürzlich zu lesen, dass in diesem Sommer sogar an kühlen Sonntagen der Kiosk geschlossen blieb. Bei gutem Wetter wollen die Kinder ihre Pommes rot/weiß essen und die Erwachsenen trinken gelegentlich einen Kaffee auf der Außenterrasse. Dafür braucht es kein aufwändiges Gebäude, denn es wird nur in der warmen Jahreszeit genutzt. Zum Emspark hin könnte man eine weitere Außenterrasse angliedern, denn die Besucher kommen auch hier nur bei schönem Wetter.

Damit würde sich auch das Sonnendeck erübrigen, das ein sehr störender Faktor im Emspark wäre. Welcher verschwitzte Jogger oder Walker - für diese Erholungssuchenden ist der Emspark sehr wichtig - läuft schon gern durch eine Restaurantanlage? 

Einen „Platz an der Sonne“ wird es an in dieser Seite des Emssees sowieso nicht geben. Diese Stelle ist der kälteste und zugigste Bereich des Parks. Nirgendwo hält sich im Winter das Eis auf den Wegen länger als in dieser sonnenlosen Ecke.

 

4. Welche Alternativen gibt es?

Es ist bekannt, dass die Gebäude der Firma Brinkhaus zum Jahresende von der Nachfolgefirma geräumt werden. Dann muss sich die Stadt Warendorf entscheiden, ob sie sich hier zur Attraktivierung der Stadt engagieren will. In den Planungen, die im Zuge der Bewerbung zur Landesgartenschau erstellt wurden, war im Bereich des historischen Bürogebäudes der Firma Brinkhaus ein Cafe´/Restaurant an der Ems geplant. Das ist ein hervorragender Standort für eine Gastronomie im Emsparkbereich, zumal hoffentlich noch attraktive Ansiedlungen auf der Emsinsel die Rentabilitäts-Chancen erhöhen. Diese Pläne sollten nicht durch eine Konkurrenz am Freibad gefährdet werden, denn der Standort auf der Emsinsel ist optimal, er ist stadtnah, er hat Parkplätze und ist von seiner Lage her überzeugend. Hierfür sollte jetzt eine Konzeption erstellt werden, dagegen keine Ad-hoc-Maßnahme am Freibad beschlossen werden.

 

5. Public Private Partnership

Der Gastronomiebetrieb im Emspark soll wieder in PPP, Public Private Partnership, erstellt werden. Aufgaben der öffentlichen Hand, also der Kiosk im Freibad, sollen von einem Investor übernommen werden. Dafür stellt die Stadt eines ihrer attraktivsten Grundstücke im Freibad/Emspark zur Verfügung, sie stellt das Ambiente des Stadtparks zur Verfügung und opfert bereitwillig die Möglichkeit für die Bürger für entschleunigte Erholung in der Natur. Da die Wirtschaftlichkeit der Restauration nur durch Event-Gastronomie gegeben sein wird, heißt das für den Emspark und gesamte Umgebung: Lärmbeschallung mindestens an allen Wochenenden. Das Wasser trägt den Schall weit.

Laut Aussage von Herrn Knaup kann zwar der Betrieb der Gaststätte in der Freibadsaison wirtschaftlich tragfähig sein, die Baukosten, AfA, Zinsen und Tilgung müssen durch einen Ganzjahresbetrieb sichergestellt werden.

Die logische Schlussfolgerung ist dann doch, dass man sich auf eine preiswerte Kiosk-Lösung für die Badesaison beschränken sollte und sich nicht wieder in das Abenteuer einer PPP stürzen sollte, was ja gerade beim Bürgerhof grandios gescheitert ist. Aus Fehlern sollte man lernen!!!

Wenn in Warendorf Bedarf für eine Event-Gastronomie vorhanden ist, dann wäre der Bürgerhof die geeignete Immobilie dafür gewesen.

Oder soll hier wieder ein Grundstück aus dem öffentlichen Raum, der allen Bürgern gehört, dessen Gestaltung von allen Bürgern bezahlt wurde, das von sehr vielen Bürgern genutzt wird, in Privateigentum überführt werden?

Wir sollten uns auch die Freibäder der Umgebung ansehen. In Münster haben alle Freibäder Kioske, die aber nur bei gutem Wetter funktionieren, dann für Kioskbedarf (Eis, Getränke, Süßigkeiten, Pommes) gut angenommen werden. Das Stadtbad Mitte, ein Hallenbad, schön an der Promenade gelegen, mit einer Brücke angeschlossen, hat ein Bistro, das aber eher schlecht als recht läuft. Aufgrund der mangelnden Rentabilität gibt es häufige Pächterwechsel, was zwischenzeitig immer wieder zu Schließungen führte. Trotz der guten Lage direkt an der Promenade gibt es kaum externe Kundschaft. Auch im Stadtbad Ost in Münster wurde die Gastronomie geschlossen, weil man zu der Erkenntnis kam, dass die Menschen nicht ins Bad gehen, um Kaffee zu trinken.

In Ennigerloh soll das Restaurant Stavernbusch direkt am Freibad abgerissen werden, da es eine zu große finanzielle Belastung wurde! Und an all diesen Standorten gab es Parkplätze direkt nebenan.

 

6. Wollen wir spanische Verhältnisse in Warendorf?

In Spanien wurde genau nach diesem Prinzip gearbeitet:

An besonders schönen Stellen des Landes wurden übergroße Immobilien platziert, in der Hoffnung auf das große Geld. Heute stehen die Immobilien leer, die Investoren sind pleite und die ehemals romantischen Strände sind in Betonwüsten verwandelt.

Der finanzielle Schaden ist groß, die Zerstörung der Landschaft aber ist ein noch viel größerer Schaden.

Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass nur vernünftige Investitionen langfristig sinnvoll sind.

Immer sollte man sich das alte lateinische Sprichwort in Erinnerung rufen:

„Was du beginnst, das beginne klug

und bedenke das Ende!“

 

In der Hoffnung, dass Sie unsere Bedenken in Ihre Überlegungen mit einbeziehen verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

 

Mechtild Wolff

für den Heimatverein Warendorf

 

Warendorf, im September 2012

 

 

 

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